Kurze Minuten…

Eine riesige Gleisunterführung, die vollkommen ruhig ist. Keine Menschenseele, nur das Hallen der Schritte eines Pärchens. Er witzelt darüber, dass man bei so wenig Personenverkehr in dieser großen Halle miteinander intimer werden könnte. Beide schauen sich um und lassen den Gedanken für eine Sekunde zu, bevor sie wissen, dass es so nicht passieren soll, trotz aller Lust.
Sein Zug wird erst in zwanzig Minuten eintreffen und von ihr fortreißen. Es sind kurze zwanzig Minuten, die mit ein paar witzigen Sprüchen gefüllt werden, die das Unbehagen über den nahenden Abschied überdecken. Als die Zugansage ertönt, scheinen gerade mal vier bis fünf Minuten vergangen, doch tatsächlich waren es kurze zwanzig Minuten. Ein letzter Kuss… ein letzter Blick… er streift sich die Halskette ab und versucht sie ihr vorsichtig über den Kopf zu ziehen, doch schafft er es nicht ohne ihre Hilfe. Der Zug steht bereits neben ihnen und die Menschen steigen aus. Nur noch ein letzter Kuss zum Abschied. Die Minuten, die ihm Stunden zuvor endlos lang erschienen, zerschmolzen zu Sekunden.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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