Dunkle Wolken (5)

Sebastian kämpfte unermüdlich, schrammte sich mehrmals die Beine und Arme am scharfkantigen Boden auf. Immer wieder fand er kurz Halt und verlor ihn sofort. Diesen Kampf wollte er nicht verloren geben. Immer wieder stach ein Krampf in seinem rechten Bein und er kämpfte mit den Momenten, in denen sein ganzer Körper vor Erschöpfung aufzugeben drohte. Plötzlich schrammte er über eine eiserne Kette, an der er sich noch geradeso festhalten konnte. An ihr zog er sich Stück für Stück ans Land und trat vollkommen durchnässt und durchfroren den Heimweg an.

Zuhause angekommen, entledigte er sich seiner nassen Klamotten und stellte sich unter die Dusche, doch brannten die warmen Wasserstrahlen in seinen Wunden und so drehte er das Wasser ein wenig kälter. Sebastian fühlte sich ausgebrannt und leer, aber so geschafft von den Erlebnissen und Kämpfen der letzten Tage, dass er in sein Bett fiel und sofort einschlief.

Sein Handy weckte ihn pünktlich an diesem Montagmorgen. Als er sein Bein auf den Boden stellte, spürte er sofort die Schmerzen der Wunden und des Muskelkaters, doch er biss die Zähne zusammen und machte sich fertig, um zur Arbeit zu gehen.

Sein Chef sah ihn mit großen Augen an, denn so hatte er Sebastian noch nicht gesehen. Er kam ins Büro gehumpelt. Das Gesicht war leicht geschwollen und mit Blutergüsse gespickt. Die beiden Männer verstanden sich sehr gut und so war es nicht verwunderlich, dass Karl, so der Name des Chefs, ihn aufmunternd aber mit der nötigen Distanz umarmte. Er spürte die Hitze von Sebastians Kopf, legte seine Hand darauf und machte ihm klar, dass er sich für die nächsten Tage krankschreiben lassen sollte. Sebastian stand einen Moment still da, schien selbst zu überlegen, wie es ihm ging und drehte sich dann um. Sein Arzt war ein merkwürdiger Mensch, der wohl in der falschen Gesellschaft lebte, aber bei den Indianern ein hervorragender Schamane gewesen wäre, denn er war mehr ein Freund alternativer Behandlungsmethoden und so gab er Sebastian ein kleines Tütchen, dessen Inhalt bei anhaltenden Schmerzen geraucht werden sollte.

Sebastian schaffte seinen schwachen Körper nach Hause, legte sich auf seine Couch und deckte sich mit einer dünnen Decke zu. Immer wieder wachte er auf, verschwitzt, drehte sich um und versuchte wieder in den Schlaf zu finden. Als die Nacht anbrach, erwachte er und das Weiterschlafen wollte ihm nicht gelingen. Er wärmte sich etwas Essen auf und bereitete sich einen Tee zu. Beim Blick auf die Kräuter dachte er wieder an das Tütchen, das ihm sein Arzt mitgegeben hatte. Die Schmerzen hielten sich zwar in Grenzen, aber dennoch verspürte er Lust auf einen beruhigenden Zug und so schmunzelte er, als ihm seine Mixtur durch den Kopf schoss: Gratin, Grüner Tee und Gras, welch Alliteration. In Gedanken überlegte er, welcher Musiker ihm dazu einfallen würde, doch außer Al Green klingelte nichts, aber der würde das Gr-Trio zu einem Quartett machen und so empfand Sebastian die Nacht entspannend und schlief zu den Klängen von „Love and Happiness“ ein.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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