Nebelschwaden

Es zog kalt, als die Zimmertür einen Spalt breit offen stand, also nahm ich meine Beine vom Hocker und zog sie näher an mich heran. Ein weiterer Zug an dem durchsichtigen Schlauch, der in der goldenen Rauchsäule steckte. Das Wasser in dem Glasgefäß blubberte fröhlich vor sich hin. Während die Kohle glimmte, sammelte sich Rauch oberhalb der Wasseroberfläche. Es war ein langer, tiefer Zug und während ich ausatmete, sah ich den Rauchschwaden nach. Das gesamte Zimmer war mittlerweile in dichten Rauch gefüllt, als wäre es ein Frühlingsmorgen und der Nebel ließ kaum mehr als einen Meter an Sicht zu. Mir wurde schummrig und ich fühlte mich frei und unbeschwert. Der alte Holzboden knarrte leicht, als sie das Zimmer betrat. Ich betrachtete ihre nackten Füße, die leise tapsten, dann glitt mein Blick über den restlichen Körper: über ihre wunderbaren Hüften, die festen Brüste, die granatapfelroten Haare und schließlich ihr Gesicht, das sie kurzzeitig ein wenig scheu abwendete, um sich schließlich neben mich zu setzen. Sie schlug die Beine übereinander und sah mich erwartungsvoll mit ihren mandelförmigen Augen an. Ich kam ihr mit meinem Kopf entgegen, doch sie griff nach dem Schlauch. Natürlich, es war ihre Shisha und wie üblich forderte sie. Sie forderte den nächsten Zug. Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, ich stand auf, holte zwei Gläser und die Wasserflasche, damit wir unsere durchschwitzten Körper wieder stärken könnten. Die Decke auf dem Bett sah aus, als würde dort jemand liegen, das Bettlaken wies einigen Falten auf, dagegen wirkte die Couch auf der wir saßen geradezu bieder. Ich blickte wieder zu meiner rothaarigen Schönheit hinüber, sie sah mir tief in die Augen und bot mir den Schlauch an, ich griff danach, doch sie zog ihre Hand weg. Stattdessen setzte sie ihre Lippen auf die meinigen und blies mir den Rauch in den Mund. Das kam unerwartet und ich hustete, während sie kicherte. Ich blickte sie aus feuchten Augen an, hatte mich aber wieder gefangen. Sie kam wieder auf mich zu, diesmal ohne Rauch in ihrem Mund. Der Schlauch fiel zu Boden. Wir zerstörten die Biederkeit der Couch und fanden uns kurz darauf im Bett wieder.

p.s.

wie ist das eigentlich mit erotischeren Geschichten hier bei WP? Bin gerade am Zweifeln, ob ich das was veröffentlichen soll und kann?

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

6 Kommentare zu „Nebelschwaden“

  1. Mir gefällt’s. Ich kann spüren, wie es knistert. Also warum solltest du erotischere Geschichten nicht veröffentlichen? Da kenne ich andere Blogs, die ich allein von der Sprache her schon abstoßend finde.
    Liebe Grüße, Iris

    1. Die erotischen Geschichten wären aber doch etwas expliziter. Nicht geschmacklos (denke ich zumindest), sondern eigentlich angefüllt mit einem Gefühl von innigster Verbundenheit, aber dennoch komme ich dann nicht umhin dabei Worte wie Schamlippen und Schwanz einzubauen… na ich kann ja mal eine Geschichte veröffentlichen und warte die Resonanz ab 😀

      1. Nun, solche Worte gehören je nach Geschichte einfach dazu. Sie müssen zur Situation und zu den Protagonisten passen. Mit abstoßend meine ich die reine pornografische Darstellung ohne Hintergrund. Ach herrje, ich hoffe, ich kann verständlich machen, was ich meine. Ich bin auf jeden Fall gespannt 😀

      2. Ja, ich glaub schon, dass ich es verstanden habe und werde wohl heut Nacht oder morgen eine Geschichte veröffentlichen, aber ich habe ja gerade erst einen Eintrag hochgeladen, da darf dazwischen ja auch ne kleine Lesepause herrschen 😀

  2. Schön. Und zu Deiner Frage: mach einfach, es ist Dein kleiner Fleck in den Weiten des Netzes, hier darfst und kannst und sollst Du machen, was Du magst 🙂
    Und wenn Du Deinem bisherigen Stil treu bleibst kann es eigentlich nur geschmackvoll und anregend sein 🙂

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