Traktat zum Übermenschen

Einleitung und Erklärung

Da sind wir also, die neuen Menschen. 130 Jahre nach Nietzsches „Zarathustra“ und seinem Übermenschen und vermutlich 130 Jahre weiter entfernt, als zu seiner Zeit. Der Begriff „Übermensch“ mag für viele Leser eine negative Konnotation besitzen, klingt es doch nach Naziideologie, doch jene klauten und benutzten nur, was in ihr Denken passte. Dieser Eintrag soll frei von jener Ideologie sein, denn der Übermensch, den ich der Menschheit wünsche, ist einer, der frei von Vorurteilen ist und der seine Kraft daraus zieht, die Vorteile eines jeden zu erkennen und zum Wohle aller Menschen einzusetzen.

Entwicklung des Menschen

Der Mensch entwickelte sich evolutionär (wer hier mit dem Kopf schüttelt, weil die kreationistische Vorstellung eine andere ist, der darf sofort diesen Blog verlassen, denn ich bezweifle, dass wir jemals die gleiche Sprache sprechen werden). Zurück zum Thema: Der Mensch durchlebte eine Metamorphose von einem instinkt-gesteuerten Wesen zu einem selbstständig denkenden. Wenn wir uns die Zeugnisse der Höhlenmenschen anschauen, dann ist seit einigen tausenden Jahren dieser Prozess in Stillstand geraten. Bis heute sind wir Gemeinschaftswesen, die mit gebündelter Kraft ihr Leben bestreiten und sich künstlerisch ausleben. Unser Intellekt mag weiter ausgebildet sein und unser Körper sich etwas mehr darauf spezialisiert haben, ein Werkzeug unseres Geistes zu sein, aber ein evolutionärer Sprung, wie der vom Affen zum Menschen ist nicht zu erkennen.

Der Jetzt-Mensch

Der neue Mensch versteht sich darauf, die neueste Technik anwenden und entwickeln zu können. Statt der Merk- und Denkfähigkeit des Gehirns nutzen wir Computer in jeder erdenklichen Lebenssituation. Vom simplen Bedürfnis der Lust (Wir vergessen die Phantasie und nutzen vorgegebene und gestellte Bilder), bis hin zur der kognitiven Leistung wie dem Merken von Zahlen und Namen (Wir holen ein Handy hervor und tippen schnell ein, was zu vergessen droht). Statt ein Gedicht auswendig zu lernen, tauschen Schüler Bilder und Programme über handflächengroße Supercomputer aus. Die Kritik soll sich nicht gegen die neue Technik richten, sondern gegen die Unvernunft, sich unserer naturgegebenen Fähigkeiten kaum noch zu bedienen. Was wir evolutionär erreicht haben, scheint verloren zu gehen, bis wir nur noch sprechende Affen sind, die sich für demokratisch halten, weil sie sich alle vier Jahre in die Wahlkabine setzen oder die sich für gebildet halten, weil sie im Internet suchen können, woran sie sich selbst nicht mehr genau erinnern.

Der Nach-Mensch

Vielleicht gab es bereits Übermenschen auf unserer Erde. Vielleicht gab es unter den amerikanischen Ureinwohnern die Eigenschaft, ohne Worte miteinander zu kommunizieren und den Körper zu verlassen. Vielleicht verstand ein sogenanntes Urvolk die Natur auf eine „natürliche“ Weise und fühlte sich eins mit ihr. Wenn wir die Welt beschreiben, so tun wir es mit dem Code der Naturwissenschaft. Alles lässt sich logisch be- und ergründen, die Geheimnisse der Welt lassen sich erklären. Kein Gott hat alles erschaffen, sondern Zufälle und Zusammenspiele. Somit gibt es auch keinen Gott, der uns vorschreibt, wie wir zu leben haben. Menschen aller Hautfarben und jeder sexuellen Orientierung dürfen miteinander in Frieden leben und glücklich sein.

Das große ABER

Und dennoch bleibt das Gefühl, dass wir einmal falsch abgebogen sind oder im Kreis fahren, ja womöglich sogar in die falsche Richtung unterwegs sind. Bewegung ist unnötig geworden und Sport zu treiben scheint eine schlimmere Bestrafung für die Schüler, als einen Text abzuschreiben. Unsere Computer sind drahtlos miteinander vernetzt, warum sollten wir Menschen dazu nicht fähig sein? Vielleicht gibt es eine körperlose Existenzmöglichkeit und Meditation ist ein Weg dorthin. Doch was, wenn unser Wissen und Können über Meditation (und auskörperliche Erfahrungen) gerade einmal dem Mathematikverständnis eines 3-Jährigen gleichen?

Was muss sich ändern?

Ich bin kein gutes Vorbild, es anders zu machen. Begegne ich einem Menschen, der mich lehren will, meinen Geist frei zu machen, so habe ich Vorurteile und sehe ihn als Verrückten. Statt mir eine Telefonnummer oder einen Geburtstag zu merken, speichere ich sie im Handy. Statt meinen Körper gesund und fit zu halten, nehme ich nur zu gern mal den Bus oder das Taxi. Natürlich versuche ich offen für Menschen zu sein und selbstverständlich merke ich mir auch Passwörter oder wichtige Geburtstage und den Weg zur Uni oder in die Stadt lege ich mit dem Rad zurück und jogge zusätzlich, aber dennoch fühle ich mich getrennt von der Welt; fühle mich nicht eins mit ihr. Ich hoffe, dass wir in Zukunft Wege finden, den Menschen wieder evolutionär voran zu bringen, doch dafür müssen wir einsehen, dass wir unsere Welt nur als Scheibe sehen. Und so wie unsere Vorfahren verurteilen wir diejenigen, die sie uns als rund erklären wollen. Sie sind Ketzer, die wir wegsperren müssen, damit sie der Allgemeinheit nicht im Weg stehen und sie in ihrem Funktionieren behindern.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

28 Kommentare zu „Traktat zum Übermenschen“

  1. Für „..der Übermensch, den ich der Menschheit wünsche, ist einer, der frei von Vorurteilen ist und der seine Kraft daraus zieht, die Vorteile eines jeden zu erkennen und zum Wohle aller Menschen einzusetzen.“ applaudiere ich heftigst. Akzeptanz und Toleranz sind die unterschätztesten Grundwerte einer Gesellschaft. Die Scheelheit der Blicke auf andere ist oftmals widerlich und arrogant. Und die eigene Überzeugung soll allüberall gültig sein..pfui.
    Und zack, ist der Kreislauf in Schwung gebracht am müden Montagmorgen. Einen angenehmen Wochenstart wünscht Käthe Fastperfekt.

    1. Den Text zum Morgen? Ich weiß gar nicht, ob ich da so etwas lesen wollen würde, aber schön, dass er dir den Kick für den Morgen gibt 😀

      Ich genieße jetzt den Nachmittag,
      Ben Schläfrig 😉

      1. Ja, ich bemerkte es bereits, wir gehen zu verschiedenen Zeiten auf die Barrikaden. Was für Umwälzungen plant denn so ein Nacht-Revoluzzer? Negligé statt Schlüpper?
        Guten Morgen, Käthe Kicherkopf.

      2. Ich glaube, mir stehen Negligés nicht 😉 aber wenn es um die Liebe und wärmende Körper geht, dann zettle ich dafür gern jederzeit eine Revolution an!!!
        Ich wünsche eine schöne Mittagspause 😀

      3. Danke, ebenso. Ich gehörte zu den Glücklichen, die ein paar Minuten in die Freiheit entlassen wurden und die folglich die Sonne genießen durften. Jetzt komme ich aus dem Hachen gar nicht mehr heraus. Wünsche dir Gleiches..

      4. Man ist eben Opfer der Umstände und muss Revolutionen dann starten, wenn die zu Revolutionierenden noch träumen 😀 und wie soll die neue Welt dann aussehen?

      5. Das erste Gebot ist, die zu Revolutionierenden aus ihrer Lethargie zu reißen. Quasi den schläfrigen Wärtern die Schlüsselbunde mopsen und die tranigen Mitgefangenen gitterstäberasselnd aufrütteln. Mehr Plan hab‘ ich derweil noch nicht…

      6. Ach, als Knastschwester hat man tolerant erweiterte Horizonte betreff der Nahrungsversorgung. Wie oft ich schon eine Eisenfeile in ihrem Brotversteck halb mitaß…

      7. Bissig bin ich wohl, aber wo sollte ich eine derartige Sammlung denn verstecken? Unter der siffigen Matraze, deren Betttuch ich bereits zu Fluchtzwecken verknotete? Oh Mann, diese Freiläufer haben Vorstellungen, tststs.

      8. Das finde ich auch. Schon als Schüler erkannten wir ihren Nutzen, wenn vor uns wieder ein spuckender Lehrer uns und unseren Tisch unter Dauerfeuer ähm -wasser setzte. Ja und als Jugendlicher erkennt man das dann auch irgendwann 😛

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