Mit Haut und Haar (2)

Sie betätigte den Lichtschalter, obwohl es noch mitten am Tag war und selbst durch den Baum vor ihrem Fenster noch genügend Licht drang, um ihr Zimmer voll und ganz zu erhellen. Sie grinste mich an, zog mich an sich und küsste mich. Es war ihre Art, Danke zu sagen. Sie hatte vor einigen Wochen das Zimmer mit ihrer guten Freundin in der WG getauscht und in ihrem alten Zimmer hing bis vor einigen Tagen die von ihr in die Decke geschraubte Lampe, während ihr neues Zimmer dunkel blieb, wenn man den Taster neben der Tür drückte. Sie war für eine Woche bei ihren Eltern und da hatte ich mir die Freiheit herausgenommen und ihre alte Lampe fachmäßig angebracht, sowie auch bei ihrer Mitbewohnerin für Licht gesorgt. Als Ophélie dann von ihrem Heimaturlaub zurückgekehrt war, kam sie in ihr Zimmer, betätigte wie automatisch den Lichtschalter und wunderte sich erst beim Verlassen des Raumes darüber, dass sie nicht erst quer durchs Zimmer laufen musste, um die Stehlampe bemühen zu müssen. Seither hatten wir uns nicht gesehen und erst heute konnte sie sich dafür bedanken. Sie klickte mehrfach das Licht an und aus, grinste mich lang an und begann mich für die saubere Arbeit zu loben, jedoch nicht, ohne klarzustellen, dass auch sie ihre Lampe selbst hätte anbringen können. Ich verkniff mir den Seitenhieb, dass sie dann wohl wieder mehr an den Kabeln gehangen hätte, als an der Decke festgeschraubt zu sein, denn eigentlich war mir das Lob etwas unangenehm, hatte ich doch lediglich eine Lampe an die Decke geschraubt und kein Wunder vollbracht. Unser Gespräch wurde von der Klingel unterbrochen. Es war ihre ältere Schwester mit ihren drei Kindern. Als Ophélie die Tür öffnete, stürmte ein Junge von 10 Jahren herein, nach ihm seine vier Jahre alte Schwester und zuletzt Sarah mit der Kleinsten, die sie auf dem Arm trug. Ich sah Sarah an diesem Tag zum ersten Mal und ich konnte keinerlei Ähnlichkeit zwischen den Geschwistern feststellen. So verschieden, wie ihre Namen, war auch ihr Aussehen. Während Ophélie ganz offensichtlich sehr stark nach ihrer koreanischen Mutter kam, konnte ich bei ihrer Halbschwester nicht sagen, von wem sie abstammte, da ich die Eltern meiner Freundin noch nicht kennenlernen durfte. Nach kurzer Diskussion beschlossen wir, etwas durch den Park zu spazieren und zum Spielplatz zu gehen, auf dem ich mit den zwei älteren Kindern die Geräte erkundete, während sich die zwei Schwestern über Neuigkeiten austauschen konnten.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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