Mit Haut und Haar (3)

Die 14jährige Marla sprang auf einem breiten Gummiband, welches auf meiner Seite aufwippte, wenn sie auf ihrer Seite aufkam. Sie erzählte mir nebenbei mit einer freudigen Stimme, dass sie das kommende Schuljahr als Austauschschülerin im Staate New York verbringen würde. Ihr Bruder Jan hatte ein Wipprad besprungen, was ihn allein jedoch recht schnell langweilte und so bat er mich, mit ihm auf dem Drehrad zu spielen. Es gab vier Sitzplätze und man fuhr gegen den Uhrzeigersinn. Seine große Schwester nahm Platz und ebenso Ophélie. Ich hatte den Sitz gewählt, der Ophélie „verfolgte“, hinter mir begann Jan uns anzuschieben und egal welche Geschwindigkeit wir erreichten, er wollte es schneller. Die beiden Frauen verhielten sich weitsichtiger, denn sie verließen recht schnell jenes Karussell, während ich mich fahren ließ, bis mir schwindelig wurde und mein Magen sich ebenfalls zu drehen begann. Ich hätte nicht erwartet, dass mir so ein Gerät die Blässe ins Gesicht treiben könnte, aber es war geschafft und auf dem Weg zur Pizzeria holte ich mehrmals tief Luft, um wieder Lust aufs Essen zu bekommen. Immer wieder zerrte Jan an meinem Arm und machte sich einen Spaß daraus, vor uns wegzulaufen, wenngleich er keine Ahnung hatte, wie wir zur Pizzeria kommen würden. Es gab  übergroße Pizzas, weshalb nicht jeder eine für sich bestellen musste und wir uns drei teilen konnten. Sarah orderte einen guten Rotwein, der das Gespräch über unsere Zukunft leichter verlaufen ließ, denn in jenen Dimensionen dachte weder Ophélie noch ich. Eine Besonderheit jener Pizzeria war es, dass man vom Tresen aus beim Backen zuschauen konnte und so begleitete ich Jan dorthin und hob ihn auf einen der Barhocker, damit er dem Treiben zusehen konnte. So wirklich fanden wir nicht ins Gespräch, was mich nicht störte, denn irgendwie fühlte ich mich etwas geschafft. Es war ein schönes Gefühl, neben diesem kleinen Kerl zu sitzen, der alles ganz genau wissen wollte und am liebsten über den Tresen gestiegen wäre, um direkt in der Küche zu stehen. Den Tischen hinter uns boten wir zwei wohl auch einen interessanten Anblick, denn als ich mich umdrehte, sahen mich zahlreiche belustigte Augen an. Von all dem bekam Ophélie, Sarah, Marla und die kleine Lene nichts mit, denn sie saßen in einer anderen Ecke dieser doch recht überschaubaren Pizzeria.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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