Schockstarre

Ruckartig erwachte ich aus meinem Schlaf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich schlecht geträumt hatte, doch nun saß ich aufrecht in meinem Bett und stützte mich mit den Armen nach hinten ab. Mein Oberkörper bebte von den tiefen Atemzügen. Eiskalt lief es mir den Rücken hinab, als ich den schrillen Schrei einer Frau vernahm. Meine Atmung stockte und ich wagte es nicht, mich nur einen Millimeter zu bewegen, nicht ein Geräusch wollte ich von mir geben, dann beruhigte ich mich. Es musste aus dem Innenhof kommen. Die Haare standen mir vom Körper ab, dann erfolgte ein weiterer Schrei, welcher mich aus meiner Starre befreite.

Ich stand auf und sah aus dem weit geöffneten Fenster hinaus. Ein Knall wie aus einer Pistole war zu hören und mir wurde bewusst, dass jemand zu später Stunde einen Film genoss, der mir jenen Schrecken eingejagt hatte. Ich schmunzelte über mich selbst. Vermutlich war ich nicht der einzige Anwohner, der sein Fenster bei der Hitze so weit geöffnet hatte und womöglich war wohl auch der ein oder andere Schlafende vom filmbegeisterten Nachbarn geweckt worden.

Ich durchquerte das Schlafzimmer, ließ das Licht jedoch aus, da ich nackt war und ich weder die Blicke der Nachbarn auf mich ziehen, noch Mücken anlocken wollte. Ich ging in die Küche, wo ich mir ein Glas Wasser eingoss. Ich stapfte ein wenig durch meine Wohnung und blieb an der Fensterfront vor dem Balkon stehen. Ich blickte hinab auf die entfernte Stadt und plötzlich durchzuckte es mich ein weiteres Mal in dieser Nacht. Direkt auf der Straße vor dem Haus stand eine dunkle Gestalt und blickte in meine Richtung. Wieder einmal stand ich kurz starr vor Schock, dann begriff ich meine Situation, drehte mich komplett in seine Richtung und wand den Blick nicht ab. Es mögen nur zwei Sekunden gewesen sein, aber dieser Moment kam mir endlos lang vor, bis jene dunkle Figur nachgab und sich hinter ein Auto zurückzog.

Was ich danach tat, überraschte mich selbst, doch auch im Nachhinein halte ich es für die richtige Entscheidung. Ich ging ins Schlafzimmer, griff meine Jeans und einen Kapuzenpullover, den ich an der Front mittels Reißverschluss schloss. Dann öffnete ich die Tür zum Hausflur, knipste das Licht an und verließ meine Wohnung. Schnell war ich die Treppen herunter gelaufen und ließ auch die Haustür hinter mir, um die letzten Stufen zu den Autos zu nehmen. Die dunkle Gestalt war verschwunden, doch ich hörte in der Ferne schnelle Schritte, die sich immer weiter entfernten.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

7 Kommentare zu „Schockstarre“

      1. Oh, ich dachte dass eine gute Freundin die Besucherin aus jenem Land ist, denn sie ist für zwei Wochen auch dort unten (geheimnisvoll tut, damit dir niemand hinterherspioniert).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s