Schockstarre (2)

Ich ging in die Richtung jener Schritte, griff dabei in meine Hosentasche und umklammerte meinen Schlüssel. In der anderen Hosentasche würde sonst mein Handy sitzen, aber die Tasche fühlte sich ungewohnt leer an. Was wenn ich Hilfe rufen müsste? Ich blieb stehen und hörte in die Nacht hinein. Da kaum ein Wind ging, hörte man nur die Stille und weit entfernt den leisen Verkehr der Stadt und so ich mich um und ging in meine Wohnung. Dort angekommen, entkleidete ich mich wieder und zog mir stattdessen eine Unterhose an, ging zum Balkon und öffnete die Tür. Ich legte mich in die Hängematte um zu hören, ob sich wieder jemand nähern würde.

Als ich erwachte, war ich überrascht, dass ich eingeschlafen war. Die Sonne war bereits aufgegangen und auf der Straße schlürften die ersten Menschen zur Arbeit. Sie wussten nicht, wer die Person in der letzten Nacht gewesen sein möge. Dann plötzlich die junge Stimme eines Grundschulkindes, welches seine Mutter fragte, warum denn da jemand Fußabdrücke auf die Straße gemalt hätte. Ich blickte über den Stoff der Hängematte und konnte es nicht so recht erkennen, aber Mutter und Kind waren an jener Stelle, an der die dunkle Gestalt gestern noch gestanden hatte. Meine Neugier war geweckt, so dass ich mir die Jeans und den Pullover von letzter Nacht anzog und selbst betrachteten konnte, was der kleine Mann da gesehen hatte.

In der Tat waren hier Teile eines rechten Fußes zu sehen und an der hüfthohen Mauer neben dem Auto waren auch bräunliche Spuren zu erkennen. Hatte jene Person etwa geblutet? Und wie stark muss jene Blutung gewesen sein, dass sich drei Zehen und der Fußballen am Boden zu erkennen war? Ich folgte der Spur, die sich jedoch immer mehr ausdünnte und auf der naheliegenden Wiese verlor.

Wie auch schon in der letzten Nacht, musste ich die Verfolgung aufgeben und kehrte um. Stattdessen sah ich mir noch einmal die Spuren auf der Mauer und direkt auf dem Boden daneben an. Hier muss eine kleine Pfütze entstanden sein, vermutlich als diese dunkle Gestalt in Richtung meiner Wohnung geblickt hatte. Die Spuren an der Wand könnten von seinen Händen gekommen sein, vermutlich um sich abzustützen. Bei all den Überlegungen spürte ich, wie mein Herz unregelmäßig und schnell schlug, denn was mag da nur in der letzten Nacht passiert sein? Warum führten keine Blutspuren hier her, sondern nur weg und warum war die Person barfuß unterwegs?

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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