Schockstarre (3)

Zurück in meiner Wohnung duschte ich mich und versuchte dabei die Fragen zu vergessen, die mir gekommen waren, doch immer wenn ich meine Augen schloss, um sie  vor dem Wasser zu schützen, tauchte ein rostbrauner Fußstapfen auf und in meiner Fantasie wurde der trockene Fleck wieder feucht und blutrot. Das Blut stieg an, bis es über die Zehen lief. Ich öffnete meine Augen, um mich davon zu überzeugen, dass es klares Wasser war, in dem ich stand. Ich schüttelte mich und verdammte meine so leicht erregbare Vorstellungskraft.

Auf dem Weg zur Arbeit bemerkte ich jeden humpelnden Menschen. Nie zuvor stach es mir ins Auge, wenn jemand nicht gleichmäßig lief, doch nach dieser Nacht suchte ich im Hellen nach jener dunklen Gestalt, von der ich lediglich wusste, dass sie Blut am rechten Fuß hatte und jeder dieser hinkenden Personen könnte es gewesen sein. In der Mittagspause erzählte ich Karl davon. Er versuchte mich zu beruhigen, es sei eben nur eine Person gewesen, die zufällig an jener Stelle gestanden hätte und vermutlich sei jene Person in eine Glasscherbe getreten oder habe sich auf eine andere Art den Fuß verletzt. Bei den aktuellen Temperaturen sei das ja gar nicht so unvorstellbar, dass man auch mal barfuß unterwegs sei. Vielleicht war es auch nur ein Penner, der keinen heilen Schuh besaß. In der Tat ergaben seine Worte Sinn und ich beruhigte mich. Als ich die Arbeit verließ, bemerkte ich dennoch die humpelnde Dame vor mir.

Abends hatte ich Freunde zu mir eingeladen. Es war eine fröhliche Runde und ich hatte beschlossen, ihnen nichts von jener Begegnung zu erzählen, aber sie bemerkten, dass ich immer wieder aus dem Fenster heraus schaute. So erklärte ich mein Verhalten und fügte auch Karls Mutmaßungen bei und sie schienen nicht beunruhigt, später in jene Dunkelheit gehen zu müssen. Womöglich tat der gute Schuss Rum in der Cola sein Übriges. Es war bereits kurz nach Mitternacht, als sie mich verließen und ich blieb noch eine Weile wach und suchte die Straße nach jener geheimnisvollen Gestalt ab. Irgendwann gab ich es auf und legte mich schlafen.

In den folgenden Nächten sah ich immer wieder nach, ob ich wieder beobachtet werden würde, doch zu meiner Beruhigung war dem nicht so. Es vergingen zwei Wochen, bis ich eines Abends gedankenversunken aus dem Fenster sah und mich abermals der Schreck durchfahren sollte. Jene Gestalt stand wieder an der Stelle, doch der Schatten war größer, denn es schien noch eine weitere Person daneben zu stehen. Dieses Mal blieb mir das Herz für einen kurzen Moment stehen. Eine Person war schon recht merkwürdig, aber diese Situation war wirklich unheimlich. Die zwei Schatten sahen zu mir nach oben und dieses Mal hielt ich dem Druck nicht stand. Ich verließ ihr Sichtfeld und zog mich ins Dunkel meiner Wohnung zurück.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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