Die Frage nach dem Warum

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist wohl eine, die sich nie beantworten lässt, wenngleich ihre Beantwortung auf die Lebensrealität des Antwortenden schließen lässt. Fragst du einen Familienmenschen, wozu wir leben, so wird er antworten, dass wir auf der Erde sind, um unser Wissen weiter zu geben. Fragst du einen Reisenden, so wird er antworten, dass wir leben, um unser Wissen zu erweitern und uns näher zu kommen. Fragst du einen Liebenden, so wird er das fühlende Wesen in den Vordergrund stellen und womöglich die Fortpflanzung. Doch frage einen Menschen, der täglich um sein Leben kämpft. Er stellt sich die Frage gar nicht erst, denn er lebt um zu überleben.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

16 Kommentare zu „Die Frage nach dem Warum“

      1. Was wäre denn deine Antwort?
        Wobei ich ja schon finde, dass es genauso ist. Alles andere liegt in der Natur des Menschen, in allem einen tieferen Sinn finden zu wollen.

      2. Nun, glaube es oder nicht, aber ich habe für mich oftmals gar keine Antwort auf solche Fragen. Stattdessen eher einen breiten Fächer an verschiedenen Antworten, die ich je nach Relativität für möglich halte.
        In diesem Fall wäre es durchaus möglich, dass wir nur des Lebens wegen leben, aber dann stellt sich die Frage, warum wir überhaupt ein Bewusstsein haben. Oder man könnte sich auch fragen, warum wir nicht einfach so leben, wie wir wollen und wenn dabei die Welt untergeht, dann ist das eben so.
        Der Mensch halt eine gewisse Macht und ein Selbstbewusstsein, um diese Macht sinnvoll einzusetzen. Dass das oftmals nicht richtig funktioniert, ist eine Sache, aber rein prinzipiell stimmst du mir da sicherlich zu. Tja und dann würde ich die Frage beantworten, dass der Mensch eben auch für eine Fortentwicklung am Leben ist und für eine Weitergabe seiner bis dahin erlernten Fähigkeiten und Ansichten. Warum soll ich philosophieren können, wenn ich nur am Leben bin, um zu leben? Es bringt mir für mein Leben ja nichts 😉

      3. Ach, die Sache mit dem Verstand ist auch nicht leicht 😉
        Ich fürchte, das kann man gar nicht so verallgemeinern. Es gibt ganz sicher Menschen, die nicht philosophieren können und denen das auch viel zu anstrengend wäre. Also, nur, weil du das kannst, heißt das nicht, dass das der Sinn des Lebens sein könnte, denn was ist dann mit all denen, die das nicht können? Es gibt auch nicht jeder Mensch sein Wissen weiter, weil er im Zweifelsfall gar kein Wissen hat, was es wert wäre weitergegeben zu werden. All diese Menschen haben doch ebenso einen Sinn am Leben, nämlich das Leben selbst. Sich fortzupflanzen, um die Art zu erhalten.
        Alles andere ist doch nur ein Bonbon obendrauf, der manchen von uns gegeben wurde.

      4. Tja und hier werden wir uns nicht einig werden, weil ich keine meiner andern Möglichkeiten nicht auch als Antwort gelten lassen würde. Der Reisende, der Liebende und der Familienmensch haben ebenso recht, was den Sinn des Lebens betrifft, so sehe ich es zumindest 😉

  1. Jeder ist Philosoph – nur viele wissen es nicht, weil sie sich – ob arm oder reich, ob erfolglos oder mächtig – immer nur an den Philosophien der anderen, vermeintlich Klügeren orientieren.
    Orientiere dich allein an deiner eigenen Beobachtung, ohne dich von den Erklärungen, Beschreibungen, Wertungen und verführerischen Gedanken der anderen beeinflussen zu lassen – und du bist dein eigener Philosoph. Die einzig wirkliche Weisheit ist die selbst beobachtete.

    1. Die Diskussion, ob jeder Mensch ein Philosoph ist oder nicht, habe ich absichtlich nicht weiter geführt, weil ich es nicht als weiterführend ansah, was den Eintrag selbst betrifft, wenngleich ich dir da voll und ganz zustimme.
      Dein Vorschlag, sich auf seine eigenen Gedanken und Beobachtungen zu verlassen und sich nicht beeinflussen zu lassen, ist noch viel schwieriger, als es gemeinhin angenommen wird, fußt doch mein Wissen auf dem Wissen Anderer, die es mir beibrachten. Jeder Gedanke, der mir kommt, hat seinen Wurzeln in Grundlagen, die mir von Anderen gelegt wurden. Deswegen ist es ein ewig währender Prozess, sich und seine Grundfeste immer wieder zu hinterfragen. Aus eben diesem Grund gibt es für mich auch keine einzige Antwort auf die Frage, was der Sinn des Lebens ist.

      1. Im Bereich der biologisch-materiellen Ebene des Lebens ist es unabdingbar, auf dem von anderen Gelernten oder Erfahrenen aufzubauen. Bsp.: Wenn ich irgendwann von einem Fahrlehrer instruiert wurde, wie man Auto fährt, greife ich ständig im Leben darauf zurück. Klar! – Aber: Auf der psychospirituellen Ebene des Lebens ist es absolut grundlegend und essentiell, sich ausschließlich (!) auf die Weisheit des selbst Beobachteten zu verlassen. Fremde Weisheit beruht nie auf dem eigenen Leben, sondern eben auf dem Leben eines völlig anderen Menschen, mit völlig anderen Einzelheiten und Lebensumständen. Selbst wenn manches vergleichbar scheint, so scheint es eben nur so zu sein. Jedes Leben ist anders. Sich auf Gedanken Fremder zu verlassen, heißt: die Verantwortung für das eigene Leben aufgeben, heißt: als Klon zu leben und nicht als Original. Seit mehr als 25 Jahren erlebe ich das als Therapeut bei psychisch belasteten Menschen unterschiedlicher Herkunft und Problematik. Je kränker sie sind, umso mehr fragen sie nach dem Sinn des Lebens. „Warum habe ich bloß diese Krankheit bekommen?“ Diese Frage nach dem Sinn des Lebens ist immer ein vergangenheitsorientierter Akt und führt letztlich nur zu Verzweiflung oder zur masochistischen inneren Zerstörung des emotionalen Systems. Die Vergangenheit existiert schlicht nicht mehr. Das selbst Beobachtete liegt immer in der Gegenwart. Und Gegenwart ist das einzige, was überhaupt existiert. Alles Vergangene ist nur ein Echo. Ebenso wie alle Hoffnungen und Projektionen auf die Zukunft reine Illusion sind. Ich versuche all meinen Patienten (und beim Coaching den diversen Managern und sog. Führungskräften) beizubringen, daß es viel wichtiger ist, einfach nur den gegenwärtigen Prozeß eines bestimmten Erlebnisses zu betrachten, und zwar ohne diesen Prozess in einem inneren mentalen Dialog zu beschreiben, zu erklären, zu analysieren … Und wenn meinen Klienten das gelingt, bestätigen sie mir ausnahmslos alle, daß sich die Frage nach dem Sinn schlichtweg aufgelöst und erledigt hat und ihnen ein ungeheurer Schub an Vitalität zugewachsen ist.

      2. Ich habe mir jetzt viel Zeit gelassen, um auf solch langen Kommentar nicht halbherzig zu antworten, denn ich wertschätze es, wenn sich jemand so viel Zeit nimmt, mir seine Gedanken darzulegen.
        Ich merke gerade, dass ich dich (ich nehme es mir mal heraus, auch wenn Sie wohl doch schon einige Jahre mehr Lebenserfahrung mitbringen, als ich, Sie zu duzen) falsch verstanden habe. Mir ging es eher um die Entwicklung von Wissen, die immer auf dem Vorwissen basiert, dir ging es um Erkenntnisse, die sich direkt auf das eigene Ich beziehen. Da kann und will ich auch gar nicht widersprechen.
        Nun zum Punkt der Vergangenheitsflucht (so nenne ich es mal, um auszudrücken, wie ich es auffasse): Ein ewiges Festhalten und Zurücksehnen kann nicht gesund sein, aber ich halte Rückblicke insofern für wichtig, dass sie mir zukünftige Situationen erleichtern. Das ist im Prinzip nichts anderes, als aus meinen Leben und meinen Entscheidungen zu lernen. Eine gewisse Auseinandersetzung und auch Melancholie halte ich dabei für durchaus sinnvoll, denn sie zeigen mir, dass ich womöglich eine Entscheidung traf, die mich nicht glücklich machte, was für mich ein großer Reiz ist, in einer ähnlichen Situation anders zu handeln, soweit ich mir dabei selbst treu bleibe. Ein Versinken in jene Gedanken halte ich für sehr gefährlich und brauche es nicht zu begründen, da du das bereits getan hast. Ich möchte nur erklären, warum ich ein Rückbesinnen durchaus auch für sinnvoll erachte. Ich hoffe, dass ich nicht zu verworren geschrieben habe, denn dazu neige ich manchmal.
        Viele Grüße und auch vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

      3. Auch meinerseits möchte ich mich bei dir bedanken für diesen offenen und argumentativen Dialog. Das ist in der manchmal recht formelhaften Kommunikation unter Bloggern ja nicht selbstverständlich. Und ich (54) nehme das Du als Kompliment in der doch stark von der jungen Generation geprägten Web-Szene.
        Was das Thema „Vergangenheit“ angeht, sind wir ja gar nicht weit von einander entfernt. Rückblicke sind natürlich auch für mich ein sehr sinnvoller Teil des menschlichen Verhaltensrepertoires. Nur – wenn sie zu sehr als Grundlage für zukunftsrelevante Entscheidungen herangezogen werden, gäbe es nichts wirklich Neues. Im Bereich der Wissenschaften z.B. sind immer dann bahnbrechende Entdeckungen und Neuentwicklungen entstanden, wenn sich die Forscher von Denkschemata und Erfahrungen aus der Vergangenheit gelöst haben. Ich arbeite ja nun seit über 25 Jahren als Coach und Therapeut mit allen möglichen Leuten, auch mit Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, wo es zum Teil um Entscheidungen von großer Tragweite geht. Z.B. hatte ich neulich ein Gespräch mit einem Manager, der ein Struktur-Problem zu lösen hatte, bei dem es darum ging, ob 3000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Ich habe dem Mann klar machen können, daß die beste Lösung eben nicht unbedingt in der Anwendung altbekannter Maßnahmen liegt. Daher schlug ich ihm vor, einmal alles beiseite zu lassen, was er in seiner langjährigen Ausbildung gelernt hatte. Wir gingen miteinander auf eine sehr fordernde Coaching-Bergtour in den französischen Alpen, bei der an seine Leistungsgrenze kam. Nach 4 Tagen erzählte er mir beim Frühstück auf einer Berghütte in 2800 Meter Höhe, daß ihm nachts eine völlig verrückte Idee in den Sinn kam, die er bisher noch nie zu denken gewagt hatte. 3 Wochen später rief er mich an und teilte mir mit, daß er das Problem lösen konnte – und zwar exakt auf der Grundlage dieser völlig unerwarteten Idee, die ihm in den Bergen im Traum gekommen war.
        Beim Thema Beziehungen gilt für mich das gleiche. Sobald Menschen es gelingt, geprägte Denkmuster aus der Vergangenheit hinter sich zu lassen, entstehen völlig neue Perspektiven für die Zukunft. Keiner soll deswegen seine Vergangenheit vergessen – das wäre fatal und würde uns in die Lage von Alzheimer-Patienten versetzen. Aber zu oft in den Rückspiegel zu schauen, führt – zumindest im Straßenverkehr – nicht selten zu Auffahrunfällen. Und im zwischenmenschlichen Bereich verhält es sich ähnlich. So weit mal ein paar weiterführende Gedanken dazu. Ob bzw. inwieweit wir Menschen in der Lage sind, aus Entscheidungen der Vergangenheit zu lernen … hm .. ich bin da sehr skeptisch. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.
        In diesem Sinn danke für’s geduldige Lesen und herzliche Grüße von
        Dionysos

      4. Hallo,
        Geduld brauche ich fürs Lesen nicht, aber gerade bei solch eine langen Nachricht möchte ich mir auch die Zeit für eine Antwort nehmen, deswegen braucht es dann immer ein wenig, bis ich wieder antworte.

        Bei den neuen Denkmustern stimme ich dir voll und ganz zu, wobei ich denke, dass gerade euer Ausflug auch ungemein geholfen hat, denn der gewohnte Arbeitsplatz für auch zu gewohnten Denkmustern. Nur stellt sich für mich die Frage, wie schaffe ich es, mich nicht festzufahren? Meine bisherige Lösung ist der aktive Austausch mit immer neuen Menschen, die mich oftmals durch andere Ansichten zu einem Denken in bis dahin ungewohnten Bahnen bringen. Ein Urlaub in ferneren Ländern hilft mir auch, aber hast du noch andere Tipps?

        Das Beispiel mit dem Rückspiegel finde ich übrigens großartig und ich werde es mir zu einem Leitsatz machen, den ich mir sogar auf den Spiegel schreiben könnte. So sehe ich jenen Satz, wenn ich morgens aufstehen sollte und mich frage, warum eigentlich alles so gekommen ist, wie es nun ist 😉

        Herzliche Grüße zurück,
        Ben

      5. Hallo Ben,
        genau: der aktive Austausch mit immer neuen Menschen und Reisen in ferne – d.h. auch „neue“ – Länder, das bringt dich in diesen unendlichen Space, aus dem heraus ganz neue Lösungen „strömen“, so sag‘ ich mal. Wenn ich tief in mich gehe, entdecke ich dann nämlich auch, dass im Grunde nicht „Ich“ es bin, der diese oder jene Antwort auf ein Problem findet, sondern dass das Neue bzw. die Lösung auf mich zukommt. Somit ist die wichtigste Voraussetzung, möglichst viel Raum zu geben. Der Rest … geschieht …, zumindest auf der psycho-spirituellen Ebene.
        Ich werde demnächst in meinem Blog etwas von jenem Mann schreiben (inclusive Literatur-Hinweisen), dem ich diese Einsichten verdanke.
        Und damit wünsche ich Dir ein Schönes Wochenende.
        Dann bis demnächst
        Dionysos

      6. Hallo Dionysos,
        was mich übrigens ebenfalls zu neuen Gedanken anregt ist immer wieder neue Literatur verschiedenster Autoren, hier ist es leider nur ein einseitiger Austausch, denn ich kann dem Autoren nicht widersprechen. Ich kann es schon, aber es entwickelt sich daraus keine weitere, fruchtbare Diskussion. Dennoch stelle ich oft fest, dass gerade das Lesen mich dazu bringt, einen neuen Eintrag oder gar eine neue Geschichte zu schreiben. Selten hat es dann überhaupt noch einen Bezug zu der Geschichte, sondern hängt sich vielmehr an einem Begriff auf, den ich näher betrachten will.
        Ich klicke hier immer auf den Gravatar und wundere mich dann immer, warum ich nicht auf den Blog der Person gelange, wobei ich bereits auf deinem war. Dann bin ich mal gespannt, was du so berichten wirst.
        Ben

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