Ins kalte Nass

Der Wind wischt mir die Haare aus dem Gesicht, während meine nach oben durgestreckten Arme sich an dem Griff halten, der mit dem langen Band verbunden ist. Als der Umkehrpunkt der Schaukel erreicht ist, lasse ich los und fühle mich für einen kurzen Moment schwerelos, während das klare Wasser immer mehr auf mich zukommt. Mir ist nach Schreien zumute, aber ich halte die Luft an. Der See ist eiskalt. Es wummert dumpf in meinen Ohren, als ich eintauche und wieder erlebe ich einen Moment der Schwerelosigkeit. An meinem Körper gleiten Luftkügelchen nach oben und kitzeln mich sanft dabei. Einige Züge mit meinen Armen und den Beinen und ich finde mich wieder an der Wasseroberfläche. So wie die Luftbläschen zuvor an mir emporstiegen, drückt nun ein Schrei aus meinem Magen hervor. Ein Schrei voll Befreiung und Glückseligkeit. Nach einigen Augenblicken schnürt mich die Kälte immer mehr ein und ich steige wieder aus dem Wasser zu der Freundin, die bäuchlings auf der Decke liegt. Ich wecke sie, indem ich mit starkem Kopfnicken ein paar kalte und nasse Tropfen aus meinem Haar auf ihren Rücken schüttle. Ihr lautes „Hey“ zwingt mich zu entschuldigenden Küssen auf die zuvor befeuchteten Stellen. Ihre Haut ist warm und ich will sie nicht noch stärker quälen. So lege ich mich neben sie und schließe meine Augen, um in der Sonne zu trocknen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

8 Kommentare zu „Ins kalte Nass“

  1. Heute doch in ziemlich kleine Einzelteile zerlegt, bringt mir dieser Text einen dringend gebrauchten Kitt. Den besten Kitt ever: gute Erinnerungen…
    Die alte Steingrube, jetzt klarkaltwassergefüllt. Der knorrige Baum, sich scheinbar vor der stillen Wasserfläche verneigend. Das Seil in seinem Geäst, zweiknotig. Und wir lärmenden Gören, die sich jubelnd ins kalte Wasser schwangen…hach. Danke.

    1. Schön, dass sich manchmal Erinnerungen so ähnlich sind und uns zeigen, welche glücklichen Momente für eine Kindheit ganz normal sind und die wir uns auch als Erwachsener gönnen sollten 😉

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