Zersprengt

Mit einem lauten Schrei rannten wir aus unseren Gräben und stürmten über das weite Feld. Neben mir lief mein bester Freund. Wie mein Schatten rückte er nie von meiner Seite und als ihn eine Kugel erwischte, sah ich, wie er neben mir zusammenbrach. Ich durfte nicht anhalten, das hatten wir uns geschworen, aber meine Wut steigerte sich. Die da drüben, die würden dafür bezahlen. Ich schaffte es in den nächsten Krater und fand dort einen Feind, dem ich das Bajonett  sofort in die Brust stach. Er wehrte sich nicht und hatte die Arme gehoben, doch ich kannte kein Mitleid mehr. Er röchelte ein „André“ heraus und ich zuckte zusammen. Woher nur kannte der meinen Namen? Ich säuberte mit etwas Wasser sein Gesicht und erschrak, als ich es erkannte. Es war mir so bekannt, aber ich hatte es Jahre nicht mehr gesehen, denn es war das meinige. Zumindest sah es früher so aus. Jetzt war es von Blut und Dreck beschmutzt, aber das konnte man abwaschen. Mein Gesicht sah schon seit Jahren nicht mehr so aus, weil es von Hass erfüllt war, doch das meines sterbenden Bruders war es nicht – es war voller Vergebung.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

26 Kommentare zu „Zersprengt“

      1. Weil ich doch in meinem Blogeintrag gerade davon geschrieben habe, dass kaum jemand mehr grundlos rennt. Und alle haben plötzlich kommentiert, dass sie das sehr wohl ab und zu mal machen 🙂

        Gut, das Rennen in deinem Text ist wohl kaum grundlos.

      2. Achso, in der Tat ist es in dem Text so ganz und gar nicht grundlos.

        Ich selbst radle lieber, als dass ich laufe, aber grundlos zu laufen, habe ich auch schon länger nicht mehr gemacht, das stimmt schon.

    1. Ja, es gibt so Einträge, da missfällt einem der eigentlich zustimmende Klick auf jenen Button. Wenn ich herausfinde, wie ich diese Sterne-Bewertung einbette, dann mach ich die mal rein und dann kann man sich ja in der Form „äußern“.
      Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir das nie erleben mussten.

      1. So habe ich das auch verstanden. Ich habe das ja selbst auch schon bei großartig geschriebenen Texten nicht gemacht, weil ich nicht sagen konnte, dass es mir gefällt. Deswegen ja diese Bewertung-Teile 😉

      2. Ich merke gerade, dass ich gestern Abend den Sinn von Bewertungs-Teilen nicht mehr ganz begriffen habe, aber ja jetzt so am Morgen, kann ich der Idee nur zustimmen. Würen sehr gut zu diesem Text passen 😀

      3. Schau doch mal unter den Eintrag. Hab ich doch schon gefunden bzw. Vio hats mir erklärt 😉 aber ich danke dir trotzdem für den Hinweis. Ich hatte vor einiger Zeit schon danach gesucht und fand in den endlosen Weiten des Internets nur Plugins und war ganz verwundert, denn ich erinnerte mich noch, dass ich das selbst irgendwo einstellen konnte. 😀

      4. also entschuldigen musst du dich nun wirklich nicht dafür, dass du mir helfen wolltest. Vielen Dank und lass dich bitte nicht davon abbringen, mir auch in Zukunft hilfreiche Tipps zu geben. 😀

      1. Das kann ich dir nicht mehr genau sagen. Der Grundgedanke war eigentlich, dass ein Mann sich nicht mehr im Spiegel erkennt, weil er ein komplett verdrecktes Gesicht hat und dann kam ich sofort auf die Idee von Krieg. Ich hatte zuerst die Geschichte ganz anders begonnen, nämlich als Reisender, der zuerst die eine Seite besucht und dort den einen Bruder trifft und auf der anderen Seite den anderen Bruder, aber der Text war mir nicht knackig genug und so habe ich ihn noch einmal komplett neu angefangen, die Perspektive verändert und so steht er nun online. Ich glaube die Inspiration kam vom Film „Die Reise des jungen Che“, den ich gestern sah, denn da sieht man den Hauptdarsteller ständig mit verdrecktem Gesicht, warum ich auf den Krieg kam, kann ich dir nicht sagen. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich meine eigene Beziehung zu meinem Bruder hier auch eingeflossen sehen, denn ich habe so meine Probleme mit ihm, aber das wäre gestern dann sehr unterbewusst gewesen und töten oder bekämpfen oder auch nur angreifen (egal in welcher Form) möchte ich ihn nicht.
        So, mit der Erklärung hast du nun erst einmal zu tun 😉

      2. ja, das hab ich! ich mochte an deiner geschichte auch die perspektivänderung und die idee vom (selbst-)angriff. nur das kriegsmotiv hat mich irgendwie irritiert. vielleicht hab ich zuviel remarque gelesen 🙂

      3. Von Remarque habe ich tatsächlich nur „Im Westen nichts Neues“ gelesen und das ist schon ewig her. Ich kann meine Ideenströme nicht so gut lenken und wenn es mich so packt, dann schreibe ich einfach los 😉
        Vielen Dank für dein Feedback 😀

      4. immer gern 🙂 aber du kannst sie wohl lenken! sonst hättest du doch nicht von der verwurstelten brudergeschichte auf etwas anderes umrüsten können!

      5. Ja schon, aber es musste dennoch bei einer Kriegsgeschichte bleiben, sonst hätte ich das blut- und schmutzverdreckte Gesicht nicht einbauen können, das ich vor mir sah 😉

      6. wenn ich nur an meinen gartenmaulwurferei von gestern denke, fallen mir tausend gelegenheiten ein, bei denen man sich vollsauen kann 😛
        nein, spaß beiseite. ich muss bei sowas immer an meinen opa denken, der als junger mann dinge erleben musste, die ihn bis heute verfolgen. deswegen bin ich nie sicher, in wie weit wir als nichtskriegsgeneration (zum glück) diese situationen nachvollziehen können.

      7. Nachvollziehen werden wir es nicht können, aber wenn ich die Werbespots der Bundeswehr oder gar der US Army sehe, dann habe ich Angst, dass unsere Generation und die folgenden gar nicht mehr verstehen, was es bedeutet, ein Soldat zu sein und dass es womöglich eine tolle Sache ist, in den Krieg zu ziehen. Ich hoffe, ich werde niemals erfahren müssen, wie sich Krieg anfühlt und es hat mich letztes Jahr in Kroatien zusammenzucken lassen, als ich die zerschossenen Häuser sah.

      8. Das ist wirklich ein merkwürdig unschönes Gefühl…und gleichzeitig eine warnendes Denkmal, bei dem es vielleicht auch nicht so verkehrt ist, wenn es noch nicht alles wieder neu verputzt oder abgerissen wurde.

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