abgeblitzt

Es war nun wirklich nicht die feine englische Art, aber es war ein einfacher Einstieg, mich über das nervige Verhalten ihres letzten Flirtpartners zu amüsieren. Die unbekannte, aber attraktive Frau stand mir vorhin bereits gegenüber und sprach mit meinem tollpatschigen Vorgänger, während ich mich mit einem Freund unterhielt. Wir tauschten immer wieder Blicke aus und ich bekam recht gut mit, wie aus seinem Mund eine ungeschickte Aussage nach der anderen purzelte. Er sah verpeilt aus, mit seiner Wollmütze und den langen, verstrubbelten Haaren, die darunter hervorlugten. Als sich ihr Gesprächspartner auf die Toilette verabschiedete, gab ich meinem Freund ein Zeichen, dass er sich für eine kurze Zeit ohne mich beschäftigen müsste. Er ging und ich näherte mich lächelnd der fremden Frau. Hanna war ihr Name und meinen Vorgänger hatte sie mit der Aussage, dass sie lesbisch sei, davongejagt.

Sie war Pädagogikstudentin. „Mal wieder“, schoss es mir durch den Kopf, denn in dieser Bar schien meine Trefferquote bei annähernd einhundert Prozent zu sein. Aber wenn ich sie genauer betrachtete, sah sie auch danach aus. Nicht aufgestylt oder mit Makeup zugekleistert, eben ganz so, wie es mir gefällt. Mal davon abgesehen, dass die durchschnittliche Juristin oder Wirtschaftswissenschaftlerin oder gar angehende Ärztin sich hier nicht herwagen würde, würde sie kaum in mein Suchraster fallen, da ich auf Natürlichkeit einfach zu viel Wert lege.

Sie gestand, dass sie gar keine Lehrerin sein wollte und ich musste schmunzeln. Ich würde sie dafür nicht verurteilen, wollte jetzt aber auch nicht so tun, als fände ich das in Ordnung und wich daher aus. Ich machte mir einen Spaß daraus, sie weiterhin als Lesbe zu sehen (auch wenn ich bereits wusste, dass das nicht der Fall war) und meinte, dass ich es nur zu gut nachvollziehen könnte, dass sie auf Frauen steht, denn die hätten einfach den schöneren Körper. Anstelle es als Kompliment aufzufassen, versuchte sie mir in den Mund zu legen, dass ich etwas an ihrer Oberweite und an ihren Hüften auszusetzen hätte. Hier würde eine defensive Haltung zu nichts führen und so legte ich meine Hände auf ihr Becken und konterte, dass mir gefallen würde, was ich da in meinen Händen hielt, sie sich aber keine Sorge machen sollte, ihre Brüste würde ich nicht abtasten. Nachdem der erste körperliche Kontakt hergestellt war und dazu eine angenehme Stille entstand, entschied ich mich, sie einfach zu küssen. Geschickt wendete sie ihr Gesicht leicht, so dass ich nur die Wange erwischte. Ich entfernte mein Gesicht wieder von ihrem, blinkerte sie verwundert an und schwieg. Sie entschuldigte sich, um ein Bier zu holen, was ich abnickte. Ich blieb einen Moment bewegungslos stehen und blickte die Wand hinter ihr an. Ich überlegte, was geschehen war und ob ich etwas hätte anders machen sollen. Dann schüttelte ich leicht meinen Kopf und machte mich wieder auf, meinen Freund zu suchen und mit ihm einen Kurzen zu kippen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

16 Kommentare zu „abgeblitzt“

  1. Pfff.. Wirtschaftswissenschaftlerinnen wären nicht natürlich.. pfff.. ich würde mich gerne wehren, weil ich ein glorreiches Gegenbeispiel bin, aber mir fehlen „natürlich“ die Worte :p

  2. Sehr seltsam, dass das nicht gezogen hat… Bei einem Kommentar wie „keine Sorge, deine Brüste werde ich nicht abtasten“ müssten doch eigentlich alle Frauen hinschmelzen … da war ja ein wahrer Charmeur am Werk 😉

      1. Ich rieche hier eine Verschwörung…

        Vielleicht hat sie aber auch an der Bar einen anderen und noch hübscheren Kerl erblickt, mit dem sie über ihre Brüste sprechen wollte, denn immerhin hatte sie diese ja ins Spiel gebracht 😉

  3. Pff. Es gibt sehr wohl natürliche angehende Juristinnen. Davon sind sogar einige natürlicher als dir lieb wäre… Wobei ich mich jetzt damit nicht meine;) Aber natürlich bin ich allemal… Also bitte. Denk‘ nächstes Mal dran^^

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