die blutige Hand

Ich hasse das brennende Gefühl unter der Dusche, wenn das Wasser über die frischen Wunden läuft. Immer wieder finden sie sich auf meinem Körper, das bringt der Job mit sich und es ist der Grund, warum ich selbst im Hochsommer nur in langer Kleidung zu sehen bin. Eine Arbeitskleidung habe ich nicht, aber die Kosten für neue ist in meinem Preis mitinbegriffen. Doch während ich mir eine neue Hose und ein neues langärmliges Oberteil einfach kaufen kann, braucht es seine Zeit, bis meine Haut sich wieder erholt hat. Die meisten Aufträge erledige ich, ohne dabei nahe an meinem Ziel zu sein und meinem Auftraggeber genügt es. Aber hin und wieder soll ein Auftragsmord ein Zeichen sein und dann muss klar sein, dass das Opfer nicht an einem Herzstillstand starb.

Ich hatte nie ein schlechtes Gewissen gehabt, vermutlich weil ich in meiner Kindheit schon zu oft erlebt hatte, wie schnell und ungerecht ein Leben ausgelöscht werden kann. Es gab kein höheres Wesen, was das verhindern konnte, denn dafür waren allein wir Menschen zuständig. Wir könnten Babys retten, hungernde Kinder mit Essen versorgen und kranke Menschen heilen, aber dieses Recht steht nur wenigen, privilegierten Leuten zur Verfügung.

Ich gehöre zu den Besten in meinem Job, was man daran sehen kann, dass ich noch am Leben bin. Eines Tages fragte mich mein Auftraggeber, was mein Geheimnis sei und er war erstaunt, als ich es einsilbig mit „Angst“ beantwortete. Ich sprach nie viel mit ihm und ich erklärte mich nicht, aber nur meine Angst zu sterben, hielt mich am Leben, da war ich mir sicher. Immer wieder rettete sie mich davor, in einer unübersichtlichen Situation übereilt zu handeln und sie hielt mich davon ab, manche Aufträge überhaupt anzunehmen. Das ist ein Privileg, was man sich erarbeiten muss, aber worauf ich mittlerweile nicht mehr verzichten möchte.

Ich frage mich manchmal, ob ich ein anderes Leben hätte führen können. Ein Leben, das nicht so einsam und voller Tod gewesen wäre, doch ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob es die Arbeit war, die mich zu einem einsamen Einzelgänger machte, oder ob ich zuvor schon so war. Der Blick auf meine linke Hand zeigt mir, dass sie noch blutig ist.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

19 Kommentare zu „die blutige Hand“

      1. Stimmt 😀 oha, langsam muss ich mir wohl wirklich Sorgen machen, dass man diesen Blog hier wohl als eine Art Beichtstuhl missverstehen könnte. Den Eintrag „Glückseligkeit“ hast du nicht gelesen oder? Der wär in deiner jetzigen Situation vermutlich auch zu verführerisch 😉

      2. Habe ich gelesen. (Ich lese deine Einträge immer als erstes 🙂 )

        Ja, vielleicht liegt es an meiner Situation, aber der hat mich nicht umgehauen. War mir zu kitschig.

      3. Hach…zu viel Kitsch also…na gut, damit kann ich leben und immerhin entstand er auch nicht ganz so von selbst, wie die meisten anderen Einträge. Ich fühle mich aber geehrt, dass meine Einträge als erstes von dir gelesen werden, aber ich muss gestehen, dass mein Leseverhalten da nicht anders ist 😀

      4. Freut mich sehr 🙂

        Es ist schon eine sehr enge Gratwanderung zwischen Romantik und Kitsch. Und noch enger zwischen Erotik und Kitsch, denke ich. Aber das ist wahrscheinlich Ansichtssache!

      5. Oh, mach dir keine Sorge, ich finde es gut, wenn man mich ganz offen und ehrlich kritisiert 😀 und mir fiel es schon immer leichter, erotisch zu sein, als zu schreiben 😛

      6. Davon werde ich dich niemals abhalten wollen, solange „Ich“ ich bin und du die Lady, die mich massiert, wobei ich auch kein Problem damit hätte, dich zu massieren und dich am Ende der Massage meine Brust in deinem Rücken spüren zu lassen 😀

  1. Interessanter Einblick in eine nicht allzu häufige Profession 🙂 Kennst du „Captain Estar goes to Heaven“ von Winston Rowntree (viruscomix.com)? Der letzte Absatz hat mich irgendwie daran erinnert.

    Kleine Kritik: In dem Satz „Immer wieder rettete sie mich…“ stimmt der Bezug nicht. Die Angst rettet ihn davor, übereilt zu handeln – OK, aber sie rettet ihn vermutlich nicht davor, Aufträge abzulehnen, sondern ermöglicht ihm das erst bzw. bringt ihn dazu. So, wie es jetzt dasteht, hindert ihn die Angst am Ablehnen. Vielleicht möchtest du das ausbessern? Oder auch nicht; ist schließlich dein Text 🙂

    1. Ich wollte in der Tat ausdrücken, dass die Angst ihn auch davon abhielt, manche Aufträge überhaupt anzunehmen…das verlangt in der Tat eine kleine Überarbeitung. Hach, wie das im eigenen Kopf immer einen Sinn ergibt 😉 aber da muss ich mich nicht wundern, wenn ich den Satz komplexer gestalte, als ich ihn selbst zu verstehen imstande bin 😉 Vielen Dank für den Hinweis.

      Und „Captain Estar goes to Heaven“ kenne ich zwar nicht, erinnert mich aber daran, dass ich mir ein geliebtes Buch in englisch bestellen wollte, was ich gleich mal angehe. Ist das ein Comic? Ach, ich Google es gleich mal 😀

      1. Ach, das kenne ich auch, dass ein Satz auf dem Papier nicht mehr so gut funktioniert wie in meinem Kopf… 😉

        „Captain Estar…“ ist ein Comic, ja, oder eher eine Graphic Novel von knapp 200 Seiten. Auf viruscomix.com kann man es komplett lesen. Das sind überhaupt klasse Comics, kann ich nahezu uneingeschränkt weiterempfehlen. Allerdings sind sie nicht immer leicht zu lesen und z.T. sehr textlastig.

      2. Danke für den Link, den werde ich mir mal für einen ruhigen Nachmittag aufbewahren 😀 und mit Text habe ich kein Problem, so hab ich endlich mal wieder einen Grund, mein Englisch zu verbessern.

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