Lebenslauf

Tom sah schon merkwürdig aus auf dem Fahrrad. Ein ungepflegter Bart, dazu ein feiner Anzug und ein Rad, das eigentlich fürs Gelände gemacht war. Die Räder waren mit neuen Reifen versehen und die Bremsen waren ausgetauscht und so beschleunigte er wild den Berg hinab, trat in die Pedale, um noch mehr Geschwindigkeit zu spüren, so würde ihn kein Auto überholen können und die Ampel dort unten würde hoffentlich noch auf grün stehen, wenn er sie erreicht hatte. Er hatte Lust, die Bremse zu testen und wollte gleichzeitig noch nicht an Geschwindigkeit verlieren. Ein Blick auf den Tacho zeigt ihm an, dass er tatsächlich mit etwas mehr als fünfzig Kilometern in der Stunde unterwegs war. Als er wieder aufblickte, sah er das Auto, welches aus der Seitenstraße auf Hauptstraße geschossen kam. Er versuchte noch die Bremshebel zu erreichen, doch es war zu spät. Es war ein merkwürdiges Geräusch, welches das Fahrrad machte, als es gegen die Tür des Autos knallte. Dann spürte Tom, wie der Sattel sich in die Luft hob und ihn nach vorn drückte. Er sah einen Jungen, der weinend vor seinem Bruder davonlief. Dann rannte dieser Junge plötzlich vor drei größeren Mädchen weg. Er sah den ersten Kuss und die erste richtige Liebe. Ihr Gesicht, das zu ihm sprach, doch bewegten sich nur ihre Lippen, als würde er nicht hören, was sie sagte. Er sah diese eine besondere Frau, die er mehr als alles andere geliebt hatte. Spürte ihre Berührung und ihre Wärme. Und er sah sich, wie er wieder davon lief. Wie er vor allem davon lief und nun auf seinem Fahrrad davon raste. Dann krachte er auf das silberne Autodach. Es war für einen kurzen Moment alles schwarz, dann fand er sich auf dem Boden liegend wieder. Er sah um sich und erblickte das Blut auf seinem Anzug. Er wurde sauer, weil irgendwer diesen wunderschönen Anzug versaut hatte. Zerrissen und mit Blut verschmiert, bis er begriff, dass es sein Blut war. Tom tastete mit der Zunge in seinem Mund umher und spürte die Zähne, von denen zwei wackelten, nur einen Moment später waren sie nicht mehr an ihrem Platz. Der Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand waren in die falsche Richtung geknickt, doch es kümmerte ihn kaum. Er wollte aufstehen und nach seinem Rad schauen, was er kurz zuvor noch frisch geputzt und repariert hatte. Doch er schaffte es nicht, sich aufzurichten, da das Rad noch halb auf ihm lag. Erschöpft fiel ihm der Kopf wieder auf den Asphalt und es wurde wieder schwarz vor seinen Augen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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