übernachtet

Draußen ist es noch dunkel und es schallt der lärmende Verkehr der angrenzenden Bundesstraße. Es sind schwerbeladene Laster, die so brummen, während sie den Asphalt vor dem Fenster passieren. Das Zimmer selbst ist ruhig und so vernimmt man in den Momenten, in denen eine kleine Lücke des Verkehrs zu einer kurzen Stille führt, das leise Klopfen der Regentropfen.

In der dunklen Ecke direkt neben dem Fenster steht ein klappriges Bett, dass gerade groß genug ist, um der Bewohnerin des Zimmers Platz zu bieten. Sie war letzte Nacht unterwegs gewesen mit ihren zwei Freundinnen. Im Hell und Dunkel eines Clubs trank, lachte, tanzte und flirtete sie. Sie war glücklich und ebendas machte ihre Attraktivität aus, die von nicht wenigen Männern bemerkt wurde. Als sie sich am Ende des Abends auf den Heimweg machte, nieselte es leicht und so manch flache Pfütze lag im Weg der Schuhe, die das Nass wohl als letzte Ölung ansehen mussten, so wie sie malträtiert worden waren.

Am nächsten Morgen erhebt sich in der dunklen Ecke eine Gestalt aus dem Bett. Leise suchte sie alle Sachen zusammen und gibt der Bewohnerin einen Abschiedskuss auf die Stirn. Kaum zu atmen wagte jene Gestalt und erst nach dem Schließen der Tür darf lauter geatmet werden, als das Herz schlägt.

Der junge Mann suchte das Bad auf und findet ein zerknautschtes Gesicht im Spiegel vor, in das er kaltes Wasser spritzt, um die Ermattung nach drei Stunden Schlaf wegzuspülen. Beim Anziehen der Schuhe greift er die feuchten Schnürsenkel, doch er weiß, dass sie draußen vor der Tür noch nasser werden. Auf seinem Weg nach Hause blickt er in heller werdende, graue Wolken und genießt die lauwarme Dusche der Natur.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

18 Kommentare zu „übernachtet“

  1. Sehr schön, besonders so ohne böses Ende. Ist so ein Abschiedskuss nicht „gefährlich“, wenn man andererseits kaum wagt zu atmen?

    1. Das ist er wohl, aber wenn man sich eh gerade neben der Person aus dem Bett geschält hat, ist es nicht zu verwegen, noch einmal das schöne Gesicht zu küssen, das da neben einem lag. Warum man danach dann so darauf bedacht ist, sich möglichst leise zu verhalten, ist mir selbst ein Rätsel, aber soll durchaus vorgekommen sein 😉
      Vielen Dank! 🙂

      1. Ich dachte, ich schleiche mich so hinein, wie ich mich wieder herausschleiche 😀 ansonsten muss ich bei deinem Paps meinen üblichen Charme spielen lassen und hoffen, dass ich mit seinem Wohlwollen deinen Bruder überzeugt bekomme 😉

      2. In meiner Jugend war ich mal irre in ein Mädel verknallt, welche mich aber lediglich als einen Freund haben wollte. Ich lernte allerdings ihre Eltern gut kennen und am Ende wollten sie mich als ihren Schwiegersohn haben, jeder für sich und dabei sind sie sogar geschieden. Wenn ich die Beiden überzeugen konnte, dann schaffe ich das doch sicherlich auch bei deinem Paps. Ich koche einfach ein leckeres Gericht und setze darauf, dass die Verständigung mit einem leckeren Menü zu einem Festschmaus wird 😀

      3. Ich will dir ja nicht den Wind aus den Segeln nehmen, aber die Sache ist etwas komplizierter als ein Festschmaus. Aber Papas Herz musst du wirklich nicht erobern. Meines dagegen hüpft immer, wenn ein süßer Kerl für mich kocht 🙂

      4. Das ist gut, mir wird nämlich immer schnell warm beim Kochen und da nehm ichs lieber leichter, was die Kleidung betrifft. Es darf ja beim Kochen nicht an Würze fehlen 😉

      5. Wenn der Bruder Dich erwischt gibt es auf die Ohren und beim Vater musst Du um TSoGs Hand anhalten 🙂

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