Geduld…

Es ist schon eine komische Sache mit der ständigen Erreichbarkeit und in einem gewissen Punkt beneide ich da vergangene Generationen, denn die Medien, die sie zur Kommunikation nutzten, brauchten Geduld. Man schrieb einen Brief und der brauchte, bis er ankam. Dann musste eine Antwort verfasst werden und auf den Weg geschickt. So wartete man sicherlich locker mal ne Woche oder länger, bis man von seinem Gesprächspartner las.

Ich schreibe ja hin und wieder mal eine SMS und frage mich dann manchmal dabei, ob ich eigentlich Selbstgespräche führe, wenn die Antwort dann tagelang aus bleibt bzw. gar nicht erst kommt, zumal ich gar nicht davon ausgehe, dass auf eine gestern geschriebene SMS heute noch eine Antwort erfolgt. Man hat sich schon daran gewöhnt, dass eine Antwort sofort oder eben gar nicht kommt. Das soll übrigens keine Anklage sein, denn wenn ich den Speicher meines Handys durchsuche, werde auch ich über nicht beantwortete Nachrichten stolpern. Wie das wohl früher war? Natürlich schrieb man nicht für ein kurzes „Hallo“ mal einen Brief und man schrieb vermutlich auch höchstens mit einer Handvoll Leute, aber antwortete mal jedes Mal?

Entschleunigen können wir uns nicht, aber was man bei all den Erfindungen vergessen hat, ist eine Gedulds-App. Stattdessen wird der Gegenüber auch gern noch informiert, wenn man seine oder ihre Nachricht gelesen hat. Das soll einen wohl unter Druck setzen, schnellstmöglich zu antworten. Beim guten alten Brief konnte man ihn lesen und beantwortete ihn womöglich gleich oder man wartete eben einfach eine Zeit, bis man in angebrachter Form zurückschreiben konnte. Kein virtueller Fingerzeig, der bereits mit der Keule in der Hand hinter dir stand und dich grimmig ansah, nun endlich zu reagieren.

In welche Richtung soll dieser Eintrag nun eigentlich gehen? Rege ich mich auf, weil ich Selbstgesprächs-SMS schreibe oder weil ich nicht gezwungen werden will, zu antworten? Da sollte ich mich nun eigentlich entscheiden, denn beide Richtungen schließen einander aus…aber so bin ich eben, ein wenig ambivalent…nicht in psychischer Hinsicht, aber wenn es nun für beide Standpunkte gute Argumente gibt, dann wähle ich gern Beides oder den dritten Weg, der nach mehr Geduld verlangt 😉

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

22 Kommentare zu „Geduld…“

  1. Ach diese Ambivalenz kenne ich, manchmal vergesse ich vor lauter Gedankenlosigkeit (oder auch Faulheit) zu antworten und rege mich im nächen Moment über Leute auf, denen es ähnlich ergeht… aber bei Briefen kann das ganze ja genauso geschehen. Da hab ich auch schon einige unbeantwortet gelassen oder nicht beantwortet bekommen, vermutlich aus ähnlichen Gründen. Aber da kann man den Fehler auch immer noch der Post in die Schuhe schieben… zumindest ab und an 😉

      1. Jep 😀 Wenns keine Zustellungsberichte und dergleiche gäbe, könnte man die Schuld bei den SMS auch aufs Handy schieben… aber dafür leben wir wohl schon in einer zu modernen Welt…

  2. Einspruch! Und zwar ein harscher. Wer, wenn nicht wir selbst, können denn für Entschleunigung sorgen. Ich mag mich nicht dem immer schnelllebigeren Zeitgeist unterwerfen. Freiräume schaffen, Pausen einlegen und durchschnaufen; dies‘ alles liegt nur in meiner Hand. Getrieben werden wir zur Genüge von anderen. Vielleicht hülfe es, die innewohnende Gedulds-App zu installieren…
    (Um den Harsch ein wenig zu mildern schiebe ich ein Täßchen Apfelminztee hinterher. Frischgebrüht natürlich. Guten Morgen.)

    1. Wir können aber nicht die gesamte Welt entschleunigen, sondern lediglich unser eigenes Leben und da auch nur innerhalb gewisser Räume. Ich selbst entschleunige mein Leben eigentlich ständig und habe auch kein Problem mit Ruhe, ganz im Gegenteil.
      Ich hätte jetzt lieber ein leckeres Mittagsmenü 😀

  3. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich nicht mehr „chatte“, sondern nur noch – wenn schon im Internet kommuniziere – es per Email oder Nachrichten tue, die gelesen und beantwortet werden können, sobald man Luft hat und nicht etwa im Chat sofort antworten muss. Das entlastet mich sehr. Damals war ich so unter Stress, nur weil ich im Chat war und mein Gegenüber vermutlich erwartete, dass ich sofort antworte, weil Chat = normales Gespräch, nur schriftlich. Puh.

    Geduld ist uns wirklich abhanden gekommen. Man tippt, tippt, tippt ständig nur noch. Mir kommt’s manchmal echt so vor. Zehn Nachrichten in WhatsApp, fünf bei Facebook, zwei unbeantwortete Anrufe, drei SMS, zwei Emails … Es hört gar nicht mehr auf!

    Aber wenn’s mal ganz still ist, fühlt es sich doch unheimlich an, oder? Wir sollten wieder lernen, die Stille zu ertragen.

    1. Die Furcht vor der Stille resultiert doch erst aus dem ständigen Gelärme. Ich muß nicht alles wissen, ich muß nicht überall mitreden, ich kann auch einfach mal meine Klappe halten (bei dem Thema allerdings nicht!). Wir erkranken an unserem eigenen Getöse. Stille ertragen kann man wieder lernen. Einfach in den nächstliegenden Wald gehen, abseits von Joggern und Horden walkender Freizeitklamottenträgern, in’s Moos fallen lassen und in die Bäume blinzeln. Was da allein mit den Sinnen passiert, unbeschreiblich.
      Ich bitte um Verzeihung, falls ein Gouvernantentonfall durchklingt, aber das Thema triggert mich unbändig.

    2. Also ich kann die Stille sehr gut vertragen und verweise da sehr gern an die Geschichte über den jungen Mann, der tagelang im Krankenhaus lag und einfach nur an die Decke starrte.

      Und chatten…mache ich sehr ungern besonders am PC, aber es passiert natürlich recht schnell, dass man es eben doch tut, sobald man sich mal eben bei FB anmeldet.

      Ich finde aber auch, dass man von Nachrichten erschlagen wird, das war früher definitiv anders. So viel Zeug hätte ja gar nicht in den Briefkasten gepasst.

      1. Diese Geschichte war der Anlaß für ein längeres Verweilen auf deinen Seiten und weckte die Neugier auf diesen bunten Ben.
        Bei der bloßen Erwähnung des Gesichtsbuches schnaubt mein innewohnender Stier heftigst und scharrt mit den Hufen. Aber auch da gilt letztendlich die Devise: Jeder, wie er mag…

      2. Nun, es wird in näherer Zukunft einen Roman von mir geben, der Werbung benötigt und dafür allein nutze ich FB und eigentlich solltest gerade du die Ruhe bewahren können 😉

      3. Deswegen darf ja der innere Stier trotzdem sein Imponiergehabe ausleben. Hat er sich ausgeprustet, ist er wieder handzahm.
        Ein Roman! Wie großartig ist das denn.?!

  4. Genau aus diesen Gründen habe ich kein Handy.
    Ich will nicht ständig erreichbar sein, und sofort reagieren müssen.

    Da lobe ich mir Mails und auch Blogkommentare. Die kann ich in aller Ruhe schreiben, wenn ich die Zeit dazu habe, ohne gezwungen zu sein, mich spontan zu äußern.

      1. Das liegt dann wohl an deinem Vorstellungsvermögen. 😛

        Ich bin doch fast den ganzen Tag über online am Rechner. Wozu muss man mich da noch anrufen?
        (und wenn ich offline bin, verbitte ich mir Störungen)

      2. Dabei ist mein Vorstellungsvermögen gar nicht so unvermögend 😉

        Ja, wenn du eh den ganzen Tag am PC bist, mag das eine gute Alternative sein…mich nervt es zumindest auch, ständig erreichbar sein zu müssen, weshalb ich mein Handy dann gern mal auf offline schalte, aber momentan zickt es eh rum und macht das offenbar ganz von allein immer wieder 😉

  5. Kannst du dich noch an die Zeit erinnern, als man versuchte, bloß alle 160 Zeichen einer SMS auszufüllen, damit sich das Geld lohnt? 😉 Heute, in Zeiten von Flatrates und Whatsapp, ist das ganz anders geworden. Ich glaube, wir kommunizieren zunehmend mehr, aber auch zunehmend weniger tiefgreifend. Die Qualität weicht der Quantität.
    Es gibt so wahnsinnig viele Vorteile, die ich nicht missen möchte, aber eben auch einige Nachteile, die sich ändern ließen, wenn alle, mit denen man kommuniziert, dieselbe Ansicht hätten.
    Als ich am Wochenende in einer Bar war, saßen am Nebentisch vier Jugendliche. Sie sprachen nicht miteinander. Stattdessen spielte JEDER von ihnen auf seinem Smartphone rum.. Man könnte ewig über das Thema „neue Medien“ schreiben und doch nie einen klar definierten (Stand-)Punkt finden. Deswegen lass ich an dieser Stelle auch mal die Tasten los 😉

    1. Ja, daran erinnere ich mich noch, denn das ist gar nicht so lang bei mir her 😀
      Ich glaube aber eher, dass es die ganz kurzen Nachrichten sind, die man ständig verschickt. Diese sind meist vollkommen ohne Inhalt und dennoch können sie eine schöne Botschaft enthalten. Ein simples „Knutscha!“ oder „Drück dich!“ können einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern 😉
      Ansonsten wollte ich auch gar nicht gegen die neuen Medien und Erfindungen wettern. Ich mag einige der Erfindungen, brauche sie aber auch nicht explizit in meinem Leben 😀

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