Reiseparadies

ein überarbeiteter Reprint, denn erst heut Morgen konnte ich die Bilder festhalten, die ich letzte Nacht sah, als ich den Text schrieb:

Das war schon immer mein Lieblingsplatz und es überrascht mich, dass ich hier niemals einem anderen Träumer begegnete, denn es gibt wohl kaum einen idyllischeren Ort als diese verlassene und heruntergekommene Mühle. Schon als kleiner Junge kam ich immer wieder hier her, meist mit meinen guten Freunden, aber so manches Mal auch allein. Ich erinnere mich noch genau, wie ich beim ersten Mal Angst vor der Dunkelheit hatte, denn ich wusste nicht, worauf ich stoßen würde. Was wenn dort jemand drin war oder Ratten sich dort heimisch fühlten. War das Holz sicher, wo es doch bei jedem Schritt knackte. So tastete ich mich im Dunklen langsam vor, bis ich sich meine Augen daran gewöhnt hatten und ich die Umgebung und ihre Schatten erkannte. Ich hatte mit meinen Freunden gewettet, dass ich die Mühle erkunden würde und so gab es natürlich kein Zurück mehr. Und wie bei meinem ersten Besuch, traf ich dort nie jemanden an. Ein bisschen traurig bin ich darüber, dass ich Heutzutage diese Räume nicht mit anderen Besuchern teilen muss. Ich frage mich, ob die Mühle nicht das ehrliche Lachen von Kindern verdient hat. Oder ob ich nicht einfach all die alten Freunde einladen sollte, damit wir wieder bis in die späten Stunden hier rumhängen und wir vom Jagen völlig erschöpft am Boden liegen bleiben, uns die Splitter aus den Fingern ziehen und uns Ausreden ausdenken, warum die Hose zerrissen ist. Aber das macht man ja als Erwachsener nicht mehr. Warum eigentlich nicht? So wie damals in der Scheune, aus der wir vom Bauern herausgejagt wurden, weil wir zwischen den Heuballen Verstecken spielten. Es ist das Licht, welches nur hie und da durch ein paar herausgebrochene Holzstücke oder Backsteine blinzelt. Solche Orte waren für uns die schönsten Abenteuerspielplätze, heutzutage sind sie ein kleines Urlaubsparadies, denn wenn ich hier auf dem Holzboden liege, beginne ich sofort eine Traumreise.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

12 Kommentare zu „Reiseparadies“

  1. Bravo Ben! Jetzt sehe ich auch die Bilder, rieche das Altholz gar, leicht modrig und höre das Gewisper irgendwelcher Rascheltierchen. Ach, wir sollten alle viel mehr auf Holzböden liegen und in Lichtreflexe blinzeln…

      1. Ist das so eine Art Jahresendmelancholie oder warum empfinde ich jetzt den Gedanken an wartende Holzböden als ungemein tröstlich?! Schnell, lieber Wortverdreher, frechworte mich aus der Melancholie, ich will doch heute noch auf Holzböden tanzen!

      2. Welch eine Aufgabe, aber es braucht doch keine Melancholie aufzukommen, wo die alten Bretter doch bis in alle Zeiten auf uns warten werden, damit wir auf den jungen Dielen tanzen können. Und nun hoch das Popöchen, sonst gibts nen Klapser drauf. 😛

      3. Du vermutahnst völlig richtig. Deswegen fange ich das Verwegenheitsgör‘ auch flugs wieder ein, schlüpfe in meine Tanzstiefelchen und übe schnell noch ein paar Mazurkaschritte. Danke für all‘ die Verbalklapser, Herr Fröhlich.

  2. schöne worte…
    solche orte hat jeder…
    bei mir war es ein altes zechengelände…
    heute ist es ein kulturzentrum…
    und lebt…
    bin gerne dort mit einem lächeln…
    komm gut rüber ben

    martin

    1. Also bei mir war es eher das von uns Dorfkids genannte „Weiße Haus“, dass aufgrund des Rußes gar nicht so wirklich weiß war. Es stand einsam neben den Schienen und war ausgebrannt. Vielleicht schreibe ich ja nach Neujahr auch einmal davon, zumal ich mich noch gut erinnerte, wie wir Kids dort Knaller zündeten 😀 aber solche Orte brauchen die Kinder und mir scheint es, als würden sie sich heute schwerer damit tun, sie zu finden.

      Schön, dass aus deinem „Reiseparadies“ sogar etwas neues entstand, so lässt es sich zwar weniger leicht allein träumen, aber die Erinnerungen sind ja eh sofort da.

      Komm auch du gut rüber, wir sehen und dann drüben. 😉
      Ben

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