Neujahrsblues

Da ist es also. Die ganze Welt hat gefeiert. Da sind wir uns also trotz aller Kriege und Verschiedenheiten doch einig, dass es einen Abschied und einen Neuanfang gibt. Die Straßen sind verdreckt, wenngleich man auf dem Heimweg schon die ersten Putzwagen fahren sah. Nun ist es ruhig. Kein Auto zu hören und allein der Restalkohol lärmt im Kopf. Auf der Brücke standen wir und blickten auf das vor uns liegende Feuerwerk, während sich hinter uns der Müll häufte. Ein lachendes Auge, so unter Freunden und mit so vielen feierlustigen Menschen. Und ein weinendes Auge, welches sich erinnert und manches gern anders gesehen hätte. Doch jetzt am frühen Morgen klingen einzig die Worte meiner beschwingten Oma am Heiligenabendtisch. Sie war so glücklich an dem Abend und ließ mich doch wortlos neben ihr verweilen, als sie sagte, dass sie manchmal schon gern sterben würde. Es ist nicht so, dass ich mich immer gut mit ihr verstehe oder dass ich ihr diesen Wunsch nicht gönne, doch ihn in solch schöner Runde gehört zu haben… Nun höre und sehe ich sie wieder vor mir. Genügend geschlafen habe ich nicht, womöglich ist das der Grund für diese quälenden Gedanken und doch werde ich mich jetzt aufmachen und in den Tag starten. Es geht in die kühlen Weinberge. Es gibt klare, saubere Luft und dies mit einem Pärchen. Sie reisten durch Europa und dabei wuchs der Bauch jener kleinen, stets freundlichen Freundin. Sie werden bald zu dritt sein und wer die zwei Menschen kennt, der kann sich kaum bessere Eltern vorstellen. Ja, so ist das wohl an einem Neujahrsmorgen. Man nimmt Abschied und man begrüßt das Leben wieder.

Liebste Grüße an euch, meine lieben Leser. Ihr gebt mir immer wieder Lust und den Antrieb, mich hinzusetzen und zu schreiben und doch sind es solche Zeilen, wie die obigen. Zeilen, die ich eigentlich nur an mich schreibe, die ich nur für mich bestimme. Manches Mal teile ich sie dann doch mit euch und manches Mal bleiben sie allein bei mir. Zeilen, die mein Innenleben herausschreien. Bei all den Ungerechtigkeiten, die passieren, möchte man fast schon protestieren, wenn ich sage „ich liebe diese Welt“ und doch liegt auch dieser Satz mir auf der Zunge. Er soll nicht ungehört bleiben. Habt einen guten Start ins neue Jahr und in eine unbekannte Zukunft, die alles bereithält!

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

6 Kommentare zu „Neujahrsblues“

  1. Es bleibt doch nur, diese eine Welt zu lieben, mitsamt ihrer himmelschreienden Ungerechtigkeit. Und im eigenen kleinen Dunstkreise Behutsamkeit zu pflegen. So wie Du es wortwärts tust. Und mit uns teilst. Ich hinterlege ein Dankefein.

  2. Vielleicht machen wir die Welt ein bisschen besser, gerade indem wir sie lieben. Und wenn alle sie so lieben würden, wie wir, dann, möchte ich glauben, würde es keine Ungerechtigkeiten geben.

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