Eine Bahnfahrt

Ich liebe Bahnfahrten. Besonders in 6-Personen-Abteilen, weil man dort direkt mit unbekannten Menschen zusammen sitzt. So lernte ich mal einen Chilenen kennen, der quer durch Europa reiste. Ich setze mich immer direkt ans Fenster, so kann ich gleichzeitig auch nach Draußen schauen oder mich den Leuten im Abteil entziehen, wenn sie mir doch nicht so sympathisch sind, wie ich es erhofft hatte. Das Abteil ist heute leer und mein Blick schweift über die weiten Felder. Beim Überqueren einer Brücke flackert das Licht von den Stützen, die an uns vorbeiziehen. Mir ist die Ruhe sehr recht, da ich ungemein müde bin und hier ein wenig Schlaf nachholen möchte.

Es geht wohl jedem von uns so, dass man aufwacht, wenn der Zug am Bahnhof zum Stehen kommt, ganz egal, wie sanft der Zugführer uns einfahren lässt. Zuerst schaut ein recht stämmiger Typ herein, der laut durch die Nase schnauft. Er guckt grimmig, vermutlich geht er täglich ins Fitnessstudio und verdingt sich als Türsteher. Er schaut nach den Platznummern und geht zur nächsten Tür. Ob er wirklich eine Reservierung hat, da bin ich mir nicht sicher, denn man kann ja draußen bereits lesen, welche Platznummern für dieses Abteil bestimmt sind. An der Glasfront stand nur eine Reservierung und somit fühlte ich mich frei, mich dazu zu setzen, zumal ja niemand sonst hier war.

Es öffnete sich abermals die Tür und vermutlich wäre der schnaufende Bulle wohl doch in dieses Abteil gestiegen, wenn er die Frau gesehen hätte, der offensichtlich die Reservierung gehörte. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen, welches zwar nicht mir galt, aber welches sie wohl immer mit sich herumtrug. Was wäre dieses Lächeln aber auch für eine Verschwendung an jenen Bullen von zuvor gewesen, da war es mit mir allein viel besser aufgehoben. Sie war lässig gekleidet, eher bequem als schick, aber nicht ungepflegt. Auch brauchte sie kein erdrückendes Parfum, wie man es sonst manches Mal erlebt. Bei solchen Menschen verlasse ich dann das Abteil, bevor ich an dem Gestank zu ersticken drohe.

Jene Frau nahm in dem Sitz in der Mitte auf der anderen Seite platz. Dies war eigentlich der schlechteste Platz, denn man konnte sich nie so hindrehen, dass man keine Person anschauen kann, wenn alle Sitze besetzt sind. Auch hat man so zweifelsfrei einen direkten Nebensitzer, wenn jemand auf der gleichen Seite sitzt. Es ist aber meine Schuld, dass sie dort sitzt, denn vermutlich wollte auch sie den Blick nach Draußen genießen, doch es wäre zu nah, wenn sie sich mir gegenüber gesetzt hätte. Es ist eben eine Marotte von mir, mich immer in den Sitz links am Fenster zu setzen.

Ich mustere sie weiter, ihr schulterlanges Haar und diese lebensfrohen Augen. Sie schaut hinaus und träumt vor sich hin, was ich auch nur zu gern mache. Ein Tunnel unterbricht mein Erkunden, dabei war mein Blick gerade auf ihr Dekolleté gefallen. Ihr Oberteil war so eben tief genug, dass man jene Vertiefung des Busens sehen konnte und das gedimmte Licht ließ mich nur Konturen und Schatten erkennen. Doch sie gefiel mir, das spürte ich nun auch in meinem Schoß und ich versuchte mich so hinzusetzen, dass es etwas bequemer würde, nur wie soll man Ordnung in seiner Unterhose schaffen, ohne sich in den Schritt zu greifen. Gut, man hat als Mann da mittlerweile seine Tricks und Kniffe, mal davon abgesehen, dass man auch nicht mehr so eiskalt von seiner Erregung bloßgestellt wird, wie es als Schuljunge noch der Fall war, wo man ganz ohne Reiz schon auf seinem Stuhl saß und hoffte, nicht an die Tafel gerufen zu werden.

Wie ich mich so sortierte, bemerkte ich plötzlich ihren Blick, der dank des Tunnels natürlich nicht mehr auf der Natur dort draußen ruhte, sondern auf mich gerichtet war. Ich versuchte eine entschuldigende Miene aufzusetzen, aber ob sie das überhaupt erkennen könnte, bezweifle ich. Peinlich berührt, blickte ich zu Boden, als ihre Stimme erklang und sie mich fragte, ob sie mir helfen könnte. Ich sah sie zögerlich an, während sie eher herausfordernd blickte. Sie legte ihre Hand auf mein rechtes Bein und ließ sie dort für einen Moment verharren. Dann wanderte sie hinauf und strich immer wieder über die kaum zu verbergende Beule. Ich genoss ihr Spiel, schloss die Augen und stöhnte leicht auf. Ich hörte, wie mein Hosenstall sich öffnete, doch mehr noch, ich fühlte das sanfte Streicheln ihrer Hand dabei. Mir war nicht ganz klar, wie sie zu mir herüber gekommen war, aber wir küssten uns nur einen Moment später innig und meine linke Hand fand ihre Wange, während meine rechte an ihrer Hüfte entlang wanderte. Meine Scheu hatte sich verabschiedet und ich ließ meine Hand unter ihr Top gehen und ihren BH nach oben gleiten, um ihre Brust spüren zu können. Sie stöhnte auf, als ich ihre Nippel leicht zwischen meinen Fingern drückte…

Die Bremsen quietschten und ich blinzelte. Ich war eingeschlafen und ein weiterer Bahnhof hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich blickte überrascht zu der Frau und erkannte nur ein Lächeln auf ihren Lippen, als sie den Bahnhof draußen betrachtete. Hatte ich mich verraten und womöglich geredet, während ich schlief? Ich blickte selbst hinaus und erkannte meinen Bahnhof, also griff ich meinen Rucksack und verließ die junge Frau meiner Träume. Kaum ausgestiegen, fummelte ich in meinen Taschen, ob ich auch nichts vergessen hätte, ein luftiger Zug in der Hose machte mich darauf aufmerksam, dass der Reißverschluss offen stand. Ich blickte in die Fenster des anfahrenden Zuges und sah ein letztes Mal den verträumten Blick der Frau aus meinem Abteil. Ihr Lächeln schien noch viel größer und verschmitzter als zuvor.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

31 Kommentare zu „Eine Bahnfahrt“

  1. Nippel drücken? Nee, ist klar 😀 Stell dir nur vor jene Frau hätte auch etwas gedrückt. Zu. Das wäre bestimmt ein tolles Gefühl gewesen. *lacht verschmitzt*

    1. Ich schrieb „leicht“ und bin auch schon Frauen begegnet, denen es gefiel, vermutlich gibt es auch Männer, die gern leicht irgendwo gedrückt werden…davon abgesehen geht es um den Traum eines Mannes, und da geht alles. 😛

    2. Ich würde aber den Text sofort umschreiben, wenn sich vier weitere Frauen finden, die deinen Protest unterstützen und keine, die sich meiner Version annimmt. Dann werde ich zwar auch mit der Last leben müssen, dass man mir wohl lieber was vorspielt, als mit mir Spaß zu haben, aber so ist es dann eben. Hach…

      1. Ach Ben … 😀

        Ich unterscheide zwischen radikalfeministisch und künstlerisch. Die Feministin in mir würde dich (er)drücken *lacht* Die Autorin anerkennt dein Werk. Für mich als Lesbe bleiben solche Männerträume ein Buch mit 7 Siegeln, diese Begrenztheit auf wenige Zentimeter Lust. Aber ich habe ja den Burgfrieden mit Mann 😀 Und Literaturkritik übe ich in Blogs nicht mehr. Jede Geschichte ist gut. Denn sie kommt von Herzen, aus deiner Seele. Du sprichst, während andere schweigen. Und genau das ist Kunst!
        LG

      2. Also denn, Nandalya,

        darauf möchte ich jetzt mal mit voller Ehrlichkeit antworten:
        Ich habe einige Feministinnen als Bekannte, welche mindestens einmal im Jahr zu einem Feministinnen-Festival einlade, das ich besuche. Bedeutet das, dass man mir nichts über Feminismus erzählen muss? Ganz im Gegenteil, denn ich besuche jene Veranstaltungen, weil ich um meinen blinden Fleck weiß und lasse mich gern aufklären. Somit ist auch deine Kritik willkommen.
        Gleichzeitig bin ich aber auch ein Mensch, der sich Kritik sehr zu Herzen nimmt, was auch der Grund ist, warum ich manches Mal pampig reagiere, weil es mich einfach trifft. Wenn ich etwas schreibe, dann bin das ich. Ich habe nicht das Gefühl, dass eine Frau unter mir zu leiden hat oder dass ich ein schlechtes Bild von Frauen zeichne. Hier ging es um eine Phantasie eines Mannes, geschrieben von einem Mann. Mir war in dem Moment danach, sie zu schreiben und zu veröffentlichen. Deine Kritik, wie berechtigt sie in deinen Augen auch sein mag, wird mich beim nächsten Mal zögern lassen und das ist doch eigentlich schade, findest du nicht?

        Ich hoffe nun, dass du dich nicht angegriffen fühlst. Mir war es aber sehr wichtig, meinen Standpunkt darzulegen und mich so offen, wie es geht, zu erklären. Es mag nicht so erscheinen, aber ich bin doch sehr feinfühlig, wenn es um meine Texte geht. Vermutlich habe ich nie gelernt, gut mit Kritik umzugehen, aber ich arbeite an mir, um auch diesen „blinden Fleck“ häufiger zu erkennen und damit umzugehen.

        Diese Geschichte kommt aus meinem Inneren, ob sie Kunst ist, darüber ließe sich streiten, aber ich wollte sie mit euch teilen und es freut mich, dass du das auch so anerkennst und dafür deine innere Kämpferin in Zaum hältst. Ich lese gern deine Beiträge und freue mich, dass du nicht wortlos meinem Blog folgst. Wenn wir uns dann verbal ein wenig raufen, bringt mich das innerlich gern mal zum Kochen. Du gibst dir große Mühe, dass ich nicht zu sehr an deinen Worte schramme und dafür bin ich dir sehr dankbar.

        Fühle dich lieb umarmt,
        Ben

      3. Feministin ist nicht gleich Feministin. Die total Radikalen mag ich nicht. Die sind gegen jeden und alles, meist gegen sich selbst 😀

        Auch ich lerne durch Texte wie deine. Über und von Mann. Noch vor Jahren hätte ich dich radikal attackiert. Heute schmunzele ich und zwicke zurück. Nur bei Gewalt gegen Frau werde ich wild. Aber da habe ich vermutlich einen Verbündeten in dir 🙂

        Wer Geschichten schreibt macht sich „nackt“, lieber Ben. Aber das ist nicht weiter schlimm. Niemand kann dich verletzen. Nur dann, wenn du es zulässt.

        Kritik ist nicht schlimm, sofern sie von Herzen kommt. Nimm sie nie persönlich, das ist sie nicht. Wenn ich das wollte, hätte ich andere Möglichkeiten.

        Jeder Autor verfasst Kunst. Auch du! Wer versucht dich vom Gegenteil zu überzeugen, den schickst du bitte zu mir. Der muss dann an mir vorbei und das wird schwer.

      4. Und Mann ist nicht gleich Mann 😉

        Ja, was jene Gewalt betrifft, hast du sogar einen klaren Verbündeten.

        Ich schrieb erst neulich einer Freundin als Antwort auf ihre Reaktion zu meinem Text mit dem Fotografen und den Nacktbildern, dass ich gar nicht so richtig weiß, was mehr „nackt“ ist, ein ehrliches Aktfoto oder ein ehrlicher Text.

        Aber so ganz unpersönlich möchte ich die Kritik nun auch nicht von dir nehmen. Natürlich kennen wir einander so virtuell, aber dennoch ist natürlich schon eine gewisse Bindung entstanden. Vermutlich hatten wir in letzter Zeit einfach zu viele Zusammenstöße und deswegen nahm ich es dann persönlich. Aber wie ich schon schrieb, brauche ich ja die Kritik auch.

        Es bin allein ich, der davon überzeugt werden muss, dass es Kunst ist, was ich da fabriziere, nicht immer, aber so manches Mal schon und ich traue mich gar nicht an die vorbei 😉

      5. Unsere Sichtweise der Dinge scheint grundverschieden. Wann stießen wir je zusammen? Du magst von Frau lediglich keine direkten Worte kennen. Und ein „Frauchen“ bin ich nicht. Mehr die „Hart, aber herzlich“ Type 😀

        Worte auf die Goldwaage zu legen, daran liegt mir nichts. Lest mich, oder lasst mich. Mir ist es egal. Ich kämpfe unter der Regenbogenflagge. Mit Wort und Schwert. Und zur Zeit habe ich da einiges zu sagen. Nur die Worte wollen nicht.

        Weißt du Ben, ich habe wahre Künstler gesehen. Sie haben sich gegenseitig zerfetzt in Foren. Jeder wollte besser, als der andere sein. Dabei haben sie die Kunst verloren. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das war arm. Und ich bin gegangen.

        Kritik in der Form von Textarbeit wirst du von mir nie bekommen. Das mache ich nicht. Ausnahmen bestätigen diese Regel zwar, aber es sind und bleiben Einzelfälle. Und das auch nur per Mail.

        Was wir in Blogs suchen ist der Austausch von Gedanken. Ich zumindest. Und Diskussionen. Über Nippel drücken *lacht sich weg*

      6. Oh, täusche dich da nicht, ich bin es durchaus gewohnt, ehrliche und direkte Worte von Frauen zu bekommen. Das begann bei meiner Mutter, die immer eine Kämpferin war und Kritik übte und es war und ist nicht anders mit guten Freundinnen. Gerade jene Frau, die mich vor einiger Zeit ein fröhlich jauchzendes Posting hat schreiben lassen, war mir gegenüber sehr direkt und ehrlich. Und ein paar Wortwechsel haben wir uns in letzter Zeit schon gegeben, ich nenne es eben Zusammenstoß, weil zwei Meinungen aufeinanderprallten. Ob wir grundverschieden sind, weiß ich gar nicht mal so sehr, denn sehr oft erinnerst du mich in deiner Art an meinen Vater, sicherlich nicht, was eure Ansichten betrifft. 😉

        Dass du mit den Worten zu kämpfen hast, glaube ich ja fast nicht, wo du mir doch selbst neulich erst einen Tipp gabst 😀

        Den Austausch suche ich auch, sonst würde ich die Texte ja nicht veröffentlichen und schau an, da siehst du schon, dass wir nicht vollkommen verschieden sein können 😛 und sollten wir uns mal in Echt begegnen, darfst du mir gern EINMAL den Nippel drehen 😉 *grinst über den hoffentlich nicht eintretenden, aber selbst verordneten Schmerz in der Brust*

  2. Pardon. Muß mich eben erst ein wenig sortieren…
    Herrjeh. Und Chapeau! Laß alles so stehen, wie es ist, Ben. Äh, im Text meine ich. Huch, immer noch augenbeglückt..
    Ernsthaft: Das ist verdammtnochmal wunderbarst. Und bei der Nippeldrückerei mußte ich mitseufzen.
    Fazit: Ich fahre definitiv zu selten Bahn. Wenn Dich das zu solchen Textperlen inspiriert, muß es etwas Famoses sein.

    1. Jetzt rettest du mich, hier habe ich meine Traumfrau. Ich habe schon überlegt, mich zum Eunuchen zu machen und der Sexualität Ade zu sagen, damit ich allein meine Nippel drücke. 😉

      Und Bahnfahren ist großartig, ich mache das leider viel zu selten, aber es ist schon eine ganz eigene Geschichte. Ich fuhr früher immer gern selbst, aber da das momentan nicht mehr möglich ist, nutze ich die Bahn nun doch einige Male häufiger und stelle dabei fest, wie entspannend schon eine Stunde des Klick-Klack-Klick-Klack-Geräusches sein kann, was die Räder machen, wenn sie über die Schienen schieben. 😀

      1. Also wir schrammten ja bisher schon viel zu oft über die schöne Bildlichkeit, aber der Dübel ist nun wirklich zuviel für mich…ne, jetzt sind alle Bilder futsch. Somit musst du wohl Hand anlegen. 😉

      2. Tja, wenn so ein Aktenordnerschrank halten soll, müssen nunmal Spreizdübel her. Aber die gröbste Arbeit ist ja jetzt getan, den Rest schaffe ich selber…

      3. Ja,aber Spreizdübel??? Wir sollten uns mal über Symbolik unterhalten…du hattest mit Sicherheit ein anderes Bild im Kopf, als das, was jenes Wort bei mir hervorrief. Ich hoffe doch aber sehr, dass du den Rest zu deiner vollsten Zufriedenheit geschafft hast 😀

      4. Ach, mein Lieber. Ich wählte bewußt einen drastischen Bruch, man muß ja auch mal einen Abschuß, Pardon, Abschluß finden. Und außerdem kann so meine innewohnende Miederbiederspießigkeit geziert die Augenbraue heben und sagen: Ja, was denn? Es ging doch die ganze Zeit nur um’s Aktenschrank anbringen.
        Ich hoffe, es bleiben außer zwerchfälligem Muskelmiezerich keine weiteren Schäden zurück.

      5. Nein, keine Sorgen, die unschönen Bilder wurden schon längst wieder vergessen und ja, so ein Bruch muss wohl manchmal sein…und lieber hier, als tatsächlich am „Arbeitsplatz“. 😀

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