Die Diva

Emma hält sich für was Besonderes, zumindest macht es den Anschein. Eben erst kam sie mit dem Besitzer des Cafés zurück und schon sitzt sucht sie sich ein ruhiges Plätzchen, um den Leuten dabei zuzuschauen, wie sie dort draußen umhereilen. Sie spürt all die Blicke, die auf ihr liegen, aber was soll sie machen, so süß wie sie anzuschauen ist, kann keiner von ihr ablassen. Und so verbringt Emma den Tag. Immer im Café, das doch nur ein gemütlicher Studententreff ist. Ein Ort, bei dem man einen Tee, eine heiße Schokolade oder einen Cappuccino bestellt und während man ihn schlürft liest man eine Zeitung oder quatscht endlos lang mit Freunden. Hier wird man nicht böse angeschaut, wenn man nicht sofort ein weiteres Getränk bestellt oder alsbald den Tisch räumt. Reich kann man hier als Besitzer nicht werden, zumindest nicht reich an Geld. Und dennoch sitzt die Diva eben hier und fühlt sich besonders. Es ist nicht das schicke und sündhaft teure Café am Marktplatz, welches vor lauter Gesprächen die gemütliche Ruhe verschluckt hat. Doch würde man nicht dort eine Diva viel eher erwarten?

Sie ist recht schamlos und setzt sich auch gern mal ungefragt auf den Schoß eines Gastes. Sie sieht ihm dann nicht in die Augen oder bedankt sich, sondern richtet den Blick wieder nach Draußen, als würde sie dort etwas Interessanteres erwarten. Sie lässt sich dann durchaus ein wenig streicheln, aber man muss es auch nicht übertreiben, sonst ist sie sofort wieder weg. Also sei vorsichtig, Besucher, dein Herz darfst du nicht an sie verlieren. Ihr Haar ist durchweg weiß, das war schon immer so und hat nichts mit ihrem Alter zu tun, das sie aber eh niemals verraten wird. Vielleicht sagt es dir der Mann hinter der Theke. Aber sei vorsichtig, er flirtet gern mit dir, wenn du eine junge Frau bist. Leider sehr unbeholfen. Emma interessiert sich nicht dafür, warum sollte sie auch, am Abend werden die Beiden den Laden schließen und nach Hause gehen. Er wird ihr keine Kette anlegen, wie man es womöglich erwarten würde und vielleicht ist sie gerade deswegen an seiner Seite. Das ist schon ein schönes Hundeleben, das Emma da führt, aber es braucht auch den Menschen dafür, der es ihr ermöglicht.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

46 Kommentare zu „Die Diva“

  1. Lieber Ben, das ist wieder ein Text, bei dem ich es bedauere, zuerst die Schlagworte gesehen zu haben. Ist mir doch so die Vergnüglichkeit des Sinnierens und langsamen Groschenfallens entgangen. Und das gerade bei Dir, wo Du doch so famose Wortbilder baust…

    1. Nun denn, ich nehme diesen Hinweis mal für all Leser auf, die noch nicht die Chance hatten, den Text zu lesen und lösche mal die relevanten Tags. Schade natürlich, dass dir damit ein gewisser Spaß entfallen ist, aber ich hoffe dennoch, dass der Text sich zu lesen gelohnt hat 🙂

      1. Bloginserat: Teilzeitmuserich für kurzfristige Benbeknutschung gesucht. Anonymität wird garantiert nicht gewährt. Nur Kolossalküsser mit Musenkußzertifikat.

      2. Da wär ich schon dabei, glaube ich. Auch wenn´s nicht mal virtuell Zungenküsse sein werden, lieber Ben. Denn im Grunde sind wir ja Kanonküsser und haben die Frau Muse im Sinn, die über uns wacht und mit Frau Knobloch eine engelsgleiche Obachttliebschreibenswucht auf Erden gesandt hat, die über uns wacht, damit wir es nie zu bunt treiben. Ganz abgesehen davon, dass ich ja ein paar Ketten anbehalten kann, zur Sicherheit.

      3. Aber wir sollten es doch gerade kunterbunt treiben, das ist ja gerade der Sinn des gleichgeschlechtlichen Kusses 😀 und schön, wie schnell sich da jemand findet, ohne dass ich eine Anzeige schalten musste. Macht alles die Käthe…ich hoffe nur, du küsst gut. 😉

      4. Also, das kann ich nicht beurteilen, da ich mich selbst noch nie geküsst habe. Aber es gibt Menschen, die behaupten, ich würde so küssen, wie ich schreibe…

      5. Bravo, Herr Lebenseigener, Sie sind bonfortionös! Ich muß zugeben, ich hatte Sie ein wenig im Sinne, als ich das Inserat für Ben verfasste. Und da ich heute meine Nurdamenküsserei Vergangenheit ist, werfe ich Ihnen für die Obachttliebschreibenswucht eine urste Kußhand zu. Und der liebe Ben hat Recht: Wenn wie so küssen wie Sie schreiben, ist das tatsächlich verheißungsvoll. Das gilt übrigens auch für Dich, Muserichben.

      6. Na dann, lieber Ben, lass uns die Seelenküsserei fortführen, immer mal wieder, sie hat diesen grossen Vorteil, dass, übt man sie auch öffentlich, sich andere Menschen nicht so schnell davon ausgeschlossen fühlen – im Gegenteil.
        Mit dickem Schmatz:
        L.
        Und für Sie, werte Käthe: Die Obachtliebschreibenswucht Ihres Wesens hat manchenorts Kraftfeldwiesen geschaffen, da bin ich mir sicher. Sie legen sich unter Tastaturen und betten Seelen in sorgende Hände, auf dass jeder sich selbst so gut gesinnt sei, wie die Diva, der Ben hier kusshänderisch schreibend huldigt. Ich mag ja Huldiger über alle Massen, bin ich doch mit ihnen verwandt…

    1. Es gibt ja bereits eine Hommage an einen Kater, da war jetzt jene Hundedame dran, die ich auch selbst schon einige Male gekrault habe. 😀 Es gibt sie wirklich und sie ist so 😉

      1. Näher bei dir, aber auch das ist nicht wirklich eine Hilfe, dann was für ein Café befindet sich schon in meiner Nähe? 😉 und Innenstadt passt schon noch…tja und für mich sehr bekannt 😀

      2. na das wär ja auch seltsam, wenn es für dich nicht bekannt ist 😉 hmm…all diese Tipps bringen mich nicht wirklich weiter sondern werfen nur immer weitere Ideen auf und eine riesig groe Seifenblase mit einem großen Fragezeichen drin…

      3. na wenn du Seifenblasen so gern hast, wollen wir sie nicht von einem sich ausdehnendem Fragezeichen zum platzen bringen… obwohl die Fahrschule eine Ahnung gerade verfestigt- allerdings hab ich dort noch nie eine Diva gesehen… hmm…

      4. Die Möglichkeit habe ich durchaus auch schon in Betracht gezogen… ich werde wohl die nächste Wochen damit verbringen müssen sämtliche Cafes, in deren Umgebung eine Kirche und eine Fahrschule liegen, abklappern zu müssen…

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