Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Der Satz gefällt mir ehrlich gesagt, weil er ein Beispiel dafür ist, wie falsch er gern ausgelegt wird. Wer soll hier eigentlich prüfen und wen? Das ist die Frage, die man sich selbst stellen sollte und die Antwort sollte einer reflektierten Person nicht schwer fallen. Es ist schon erstaunlich, dass unser Leben so sehr von dem Wunsch eines Lebenspartners bestimmt wird. Das fängt schon früh an, wenn man die Filme sieht, die einem zeigen, dass man lange Schlachten schlagen muss, um am Ende in den Armen des Partners zu liegen. Die Geschichten erzählen dann natürlich nicht weiter, denn da sind ja alle glücklich und zufrieden, daran besteht kein Zweifel, haben sich die zwei Menschen doch nun zusammen gefunden.

Erst neulich zeigte mir ein Freund einen Animationsfilm, in dem ein unscheinbarer Kerl zum Superhelden mutiert. Von Beginn an, geht es ihm dabei aber viel mehr um die Erlangung jener Frau, als darum, Gutes zu tun. Die Liebe als Motor unserer Taten…na das ist schon was dran…traurig eigentlich. Der Film endet dann damit, dass unser Superheld seine Kräfte ablegt und sein Leben riskiert, um ein kleines Mädchen zu retten, seine Hoffnung hatte er bereits aufgegeben und findet sich, dank dieser Tat nun doch in ihren Armen wieder. Ja, das wäre das typische Ende, aber dieser Kurzfilm will uns eine letzte Szene nicht vorenthalten und erst diese Szene macht den Film interessant. Sie kommt geschafft heim oder putzt, während er gemütlich im Sessel sitzt und ein Buch liest. Nun regt sie sich auf und alles weitere ist eigentlich egal. So lange hielt also der Wunsch an, für sie besonders sein zu wollen und etwas zu tun. Es ist nun ein anderes Kapitel, dass es einfach logisch ist, sich die Arbeit zu teilen, denn Lust auf Abwasch usw. hat kein Mensch, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Worum es mir geht, ist doch die Frage, weshalb unser Held eigentlich jene Frau an seiner Seite haben wollte. War es ihr üppiges Dekolleté, welches per Nahaufnahme jedem Zuschauer vor Augen geführt wurde oder war es einfach nur der Wunsch, nicht mehr allein zu sein?

Und nun prüfe man einfach mal, warum man gerade nach einer Beziehung sucht? Ist es wirklich diese eine interessante Frau und warum muss schon vorher klar sein, wohin es gehen soll? Warum werden Gedanken gesponnen und Überlegungen angestellt, wie es wohl aussehen könnte in der Zukunft und wie perfekt alles wäre? Es erscheint dann plötzlich ganz wichtig, sofort diese Beziehung zu haben, wie ein Spielzeug, das man immer wieder mit großen Augen angeschaut hat. Die andere Person ist dabei gar nicht so relevant, sonst würde sie nicht so überhöht dargestellt. Fehler und Macken werden übergangen. Es geht weniger darum, einen Menschen zu erleben und ihm begegnen zu dürfen. Ich erwische mich selbst bei solchen Gedanken, erschrecke mich dabei und prüfe mich dann wieder…nicht die andere Person, denn die wird schon passen, wenn sie sich ebenso prüft oder es bereits weiß. Will ich eine Beziehung und warum will ich sie? Wird mein Glück davon abhängen, eine Beziehung zu führen? Dann werde ich auf ewig ein unglücklicher Mensch sein, denn mein Glück wird niemals wirklich das Meinige sein.

Ich liebe es, mit einer Frau im Bett zu liegen, ihr über die Haut zu fahren, ihren Duft einzuatmen, sie einfach bei mir zu spüren. Das geht nicht mit jeder Frau und deswegen kommen wohl auch mir manchmal jene Gedanken, wenn ich dann eben doch einer besonderen Frau begegnet bin, bei der ich mich einfach wohl fühle und die mich zum Lachen bringt. Aber muss dann zwangsläufig eine Beziehung daraus werden? Und noch viel wichtiger: Muss man deswegen darüber nachdenken? Immer wenn ich mich dabei ertappe, wie mir solche Gedanken kommen, prüfe ich mich. Ich nehme mir eine Auszeit und denke nach. Ja und am Ende weiß ich dann, dass es nur die blöde Romantik war, die man mir als Kind in den Kopf setzte. Und dann kommt mir ein ganz anderer Gedanke, nämlich der, dass ich diese andere Person vollkommen frei kennenlernen möchte. Ich möchte mich selbst nicht gefangen nehmen lassen von dem Wunsch, mit ihr zusammen zu sein. Gegen die Anziehung kann man nur schlecht ankämpfen, sie steht einer vollkommen freundschaftlichen Annäherung womöglich im Wege, aber sie ist auch ehrlich und muss deswegen auch nicht verleugnet werden. Anziehend darf man sich finden, aber den Film mit der Fahrt in den Sonnenuntergang…ja, den sollte man ganz schnell wieder ausblenden.

Das ist jetzt ein großes Gedankenchaos, was ihr da gerade lesen durftet, aber es sind Gedanken, die durch die letzten Blogeinträge von Freunden, durch jenen Film und natürlich auch und im Besonderen durch mein eigenes Leben inspiriert sind. Sie sind ungefiltert, aber ehrlich…

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

36 Kommentare zu „Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“

  1. Die Floskel, die du mittendrin abgeschnitten hast, zielt im Gesamten schon darauf ab, den anderen zu prüfen. Aber ich gehe mit dir konform, dass es vor allem darum geht, sich selbst zu prüfen. Deine Fragen („Will ich eine Beziehung und warum will ich sie? Wird mein Glück davon abhängen, eine Beziehung zu führen?“) halte ich dabei auch für wichtig und relevant. Da die Floskel mit der ewigen Bindung auf die Ehe abzielt, kann man vermutlich sogar noch einige Fragen hinzufügen bzw. deine nehmen und bei gegebenem Anlass „Beziehung“ durch „Ehe“ ersetzen 😉

    1. Benutzt wird sie doch aber gern nur bis zu dem Punkt, wo ich sie durch drei Punkte beendete 😉 aber dennoch danke für den Hinweis, dann verstehe nur ich jenen Satz falsch oder will ihn zumindest falsch verstehen 😀
      Und gerade dein letzter Eintrag war es, der mich diesen schreiben ließ, weil ich mich fragte, wer abgesehen von Mats womöglich wirklich wahres Interesse an dir als Person zeigt. Das kann ich natürlich nicht wissen, aber mir schien es teilweise so, als ginge es allein darum eine Beziehung zu haben, bloß nicht allein zu sein.

      1. 😀

        Zwei der erwähnten Herren sind verzweifelt auf der Suche nach einer Partnerin – da ist natürlich jede Recht, die irgendwie in Frage kommt. Eine der beiden Personen hat Ansprüche, die überhaupt nicht mit meiner Person zusammenpassen. Sie scheint mir aber so verzweifelt zu sein und Abstriche zu machen, um überhaupt eine Beziehung zu führen.

        Drei andere sind einfach nur notgeil – sorry, man kann es nicht anders sagen.

        Das wirkliche Interesse an mir als Person geht bei den allermeisten verloren, ganz genau. Sie verfolgen falsche Motive. Umso interessierter habe ich vorhin deinen Beitrag gelesen, weil ich es genauso sehe wie du. Oftmals steht ja nur der Wunsch dahinter, nicht allein sein zu wollen, ganz nach dem Motto, lieber zweisam einsam als alleine. Und nicht selten steht auch noch der Glaube dahinter, sein eigenes Glück würde von einer Partnerschaft abhängen. Solange diese Motive der Treiber einer Beziehung sind, kann das Ende nicht gut sein.

      2. Und eben jene Situation lässt dich die Masse an Männern auch nerven, denn so schön es natürlich ist, wenn man flirtet oder als anziehend gilt, so unangenehm ist es gleichzeitig, wenn man sich als Objekt für einen Plan empfindet, sei es nun ein kurzfristiger Plan, wir simpler und sofortiger Sex oder ein langfristiger, der gleich über die nächsten Jahrzehnte hinausgeht.
        Wie gesagt, ich bin da ganz ehrlich, denn auch mir kommen solche Gedanken, aber mir kommen dann eben auch die Fragen, was ich eigentlich mit jenen Gedanken anfangen soll? Ich werde nicht schneller in San Francisco sein – was ja ein sehr großer Traum von mir ist. Und ich werde genauso wenig glücklicher sein – zumal ich mich nicht beschweren kann, halten mich meine Freunde doch gut auf Trab und wenn ich dann doch Zeit übrig habe, lese und schreibe ich hier oder gönne mir endlich mal wieder ganz entspannt ein Buch. Also wonach sollte ich suchen, wenn nicht nach den unsinnigen Vorgaben der Gesellschaft.

  2. Schöner Text, wirklich schöner Text.. Ich hab manchmal auch das Gefühl, dass mein Herz sich beim ersten, der vorbei kommt gern wieder binden würde, aber mein Verstand hält mich dann davon ab, mich überstürzt in irgendwas hinein zu begeben..

    1. Dafür machst du andere Dinge überstürzt 😉 wenngleich ich mich immer wieder über deine Schilderungen darüber freue 😀
      Aber das war es ja, was ich meinte, wir kennen das natürlich und es ist eigentlich auch nicht schlimm, dass da plötzlich die Fantasie anspringt. Es ist eben nur die Gefahr, dass man sich plötzlich in etwas verrennt, was einen ganz allein betrifft.

  3. ich denke es ist eine typsache wie schnell man sich in romantische beziehungsvorstellungen verstrikt, prüft oder eben nicht prüft. abhängig davon wie gut man mit sich selbst klar kommt und wie bereit man ist kompromisse einzugehen. ich kenne viele die lieber irgendeine beziehung führen, als allein zu sein. sie wollen gar nicht prüfen. für mich funktioniert das nicht, womit ich nicht sagen will, dass ich nicht auch die romantische vorstellung im herzen trage einem ganz besonderen menschen zu begegnen. prüfen ist also gut. dennoch glaube ich kann man auch zu viel prüfen. dann hat man den selben effekt, wie wenn man zu wenig prüft. man lässt es nicht auf sich zukommen. man steckt bereits vorher ab und nimmt dem lauf der dinge damit seinen lauf. insofern sollte man wohl festhalten: prüfen, aber in maßen.

    1. Ja, da hast du absolut recht. Oder zumindest sollte man sein Prüfen auch mal überprüfen 😉 bzw. nicht den Mut verlieren und am Besten ganz offen jener Person gegenüber sein, denn womöglich kämpft sie mit den gleichen Gedanken und da wäre es doch traurig, wenn es dann scheitert, weil beide nicht mehr aus dem Prüfen herauskommen 😉

  4. Ich bin ganz bei Dir … Warum hält man an etwas oder jemand fest? Ist es wirklich die Person oder die Idee der Person oder einer Beziehung? Ist es die Angst „alleine“ zu sein? Soviele Gedanken, soviele Möglichkeiten des Prüfens… Auch um den Unterschied zu erkennen, wenn und wann es mal Zeit ist einfach zu „sein“, zu fühlen und zu springen …
    Danach kann man ja wieder prüfen, wo der Fehler lag, wenn es nicht geklappt hat…
    Ich hoffe, dass das Deine Gedanken nicht noch mehr verwirrt… Danke für den schönen Text!

    1. Oh, ich bin gar nicht so verwirrt, wie es womöglich den Anschein macht, ich wollte nur die Konfusion in meinem Text erklären, weil ich schrieb, wie es mir in den Sinn kam.
      Und man hält ja oft auch wirklich an der Person fest, aber es ist doch schon merkwürdig, dass man etwas festzuhalten versucht, was frei sein sollte.
      Danke sehr für deinen Kommentar, ich fühle mich verstanden und das ist wohl das wichtigste.

  5. Wunderschöne Gedanken
    Danke,für den Einblick!!
    „Drum prüfe, wie sich ewig bindet… “ Ein brisantes Thema im derzeitigen und wertfreien Wandel unserer Gesellschaft. Behutsam angefasst-gerne mehr davon 😉

    1. Danke sehr, aber so gern ich auch offen schreibe, dieser Blog ist nicht so anonym, wie die meisten, weshalb ich solche Seelenstrips nicht zu oft posten werde, sonst schauen mich manch gute Freunde irgendwann ganz mitleidig an 😉

  6. Muss man immer prüfen, nachdenken, Kopg-gesteuert sein? Darf man nicht auch einfach mal fühlen? Und müssen es immer Entscheidungen sein? – Warum trennen sich dann so viele? Warum werden Ehen geschieden? Weil es ein Augenblick ist, der aus einem Gefühl entschieden wird. Nicht endgültig, sondern für den Moment. Der Rest ist Beziehungsarbeit. Und über die mag zumindest ich frischverliebt niemals nachdenken. Danke für den schönen Impuls!

    1. Kopfgesteuertsein? Nein, das muss und sollte man nicht. Ganz im Gegenteil, gerade wenn es um die Zweisamkeit geht, sollte man einfach nur man selbst sein. Der Kopf ausschalten und das Leben gemeinsam genießen, bis man merkt, dass es passt oder nicht 😉 der Grund für Trennungen ist so individuell, wie jeder Mensch an sich. Egal, wie gut man das zuvor überdacht hat oder man zusammenpasste. Ich würde zumindest nie behaupten, dass nur, weil ich meinen Idealen folge, ich eine Beziehung bis ans Ende unseres Lebens führen werde. 😉

      1. Danke sehr, aber Gedanken sollten die Freiheit haben, endlos zu sein 😉 deswegen gibt es immer was hinzuzufügen 😀 und ich muss unbedingt das letzte Wort haben… 🙂

      2. Aber niemals wird das letzte Wort gesprochen sein…ich muss sogar so sehr das letzte Wort haben, dass ich für den Fall eines unerwarteten Unfalls sogar letzte Worte niedergeschrieben habe… und warte nur ab, es wird schon noch die Zeit kommen, in der du Zeit hast, dich über die Zeit zu wundern, die dir so viel Zeit lässt, etwas zu schreiben 😉

  7. Welch Freude mich als Person in einer „Ben“Geschichte wiederzufinden… HACH 🙂

    und gleichzeitig erstaunlich, wieviel Wahrheit und Tiefgang du in diesem Animationsfilm gefunden hast…

    1. Wie leicht ich doch anderen Menschen den Tag verschönern kann und dabei schrieb ich mir nur ein paar Gedanken von der Seele 😉

      Und joa…der Animationsfilm…da hab ich wohl kaum mehr erfasst, als du oder?

      1. aber vielleicht sind es genau die richtigen Gedanken…
        Gedanken, die treffen..
        Gedanken, die man sich vielleicht nie zutraut zu denken…
        Gedanken, die genau aus diesen Gründen, einfach das sind was sie sind…

        Oh, da muss ich dich ein wenig enttäuschen… an und für sich ging ich zwar weit mit dem philosophieren über diesen Film. Jedoch erreichte ich nie deine Tiefe… Vielleicht einfach deswegen, weil ich den Film vor allem als das sehen wollte, was er für mich war… Nämlich ganz banale seichte Unterhaltung 🙂

      2. Gedacht habe ich sie, deswegen schrieb ich ja darüber, nur ob sie einem was bringen, das darf angezweifelt werden. Aber wie üblich gilt, dass nichts so heiß gegessen, wie gekocht wird. Mir geht es ausgesprochen gut und es war nur ein Thema, was eben mal wieder raus musste, so wie der Schweiß, als ich vorhin auf der Tanzfläche stand 😉

        Nunja, er war ja auch nicht mehr für mich…vielleicht liegt es einfach daran, dass ich einige Male zu oft auf der Bühne stand und ich Filme oftmals gar nicht bloß sehe, sondern sehr oft überlege, was da gerade passiert…eigentlich sehr blöd, wo ich doch Filme so liebe und sie natürlich genießen, also in sie eintauchen möchte…so, nun tauche ich mal in mein Bett ein 😉

    1. Ich bin überrascht und gleichzeitig auch beruhigt, wie viele Leute da ebenso empfinden…und ja…danken musst du mir nicht dafür, eigentlich waren es ja nur Gedanken, die mal raus mussten.
      Liebe Grüße zurück,
      Ben

  8. Danke für dieses wunderbare „Gedankenchaos“. Ich konnte mich in jeder Zeile finden und es schildert sehr gut meine eigenen Bedenken des überstürzten, emotionsgeladenen sich verleiten lassens…Werde mir das jetzt jedes Mal zu Gemüte führen, wenn vergleichbare Situationen wieder eintreffen sollten!

      1. Als chaotisch habe ich es auch gar nicht empfunden, da mein Kopf Ähnliches fabriziert 😀 Ich seh‘ schon, dass wir uns in der Hinsicht verstehen.

      2. Jetzt grüble ich…ah…jetzt…ja…blauäugig…hach…ich bin wohl noch nicht ganz wach 😀 naja, bin ich ja selbst nur zu oft 😉 wir sollten eine Therapiegruppe gründen:
        Hallo, ich heiße Ben und ich…bin…blauäugig 😉

      3. Ohja…Aber irgendwann kommen diese Menschen in unser Leben, die das mit jedem Atemzug genießen. Vollste Hingebung und Romantik. Da werden wir das auch nicht mehr als Blauäugigkeit wahrnehmen, da es geschätzt wird!

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