Für Ina und Abayomi

Als ich dich kennenlernte, war ich ein verängstigter Junge und gerade vor Deinesgleichen lief nicht selten davon oder überquerte frühzeitig die Straße, wenn ich euch in der Ferne sah. Aber dann kamst du, Javor, und standest friedlich da. Womöglich spürtest du meine Angst, aber die daraus resultierende Ablehnung interessierte dich nicht. Nur zu gern belltest du uns des Nachts aus dem Bett und gabst erst wieder Ruhe, wenn wir nach dir riefen, ja wir hatten schon unseren Spaß miteinander. Angeknurrt hast du mich auch einmal. Ich gab dir mein Mittagsbrot und machte den Fehler, noch einmal auf dich zuzugehen, aber da kanntest du keinen Spaß, das war nun dein Essen und darum würdest du kämpfen. Ich erinnere mich, wie du mir mit deinem Kopf in die Seite stießt, damit ich dich kraule und dann denke ich zurück, wie ich dich heimlich beobachtete, wenn du draußen auf der Wiese saßt und in den roten Abendhimmel geschaut hast, der so wunderbar zu dem weißen Kalkberg im Gegensatz stand, hach, du alter Romantiker. Du hast es immer gut mit mir gemeint, das vergesse ich nie.

Ein Hund kann wirklich der beste Freund eines Menschen sein und das Schicksal von Ina und Abayomi habe ich in den letzten Wochen mitverfolgt. Ina ist Autistin und man verschrieb ihr verschiedenste Medikamente, die ihr nicht halfen, sondern sie nur noch schwächten. Dann bekam sie Abayomi. Er begleitet sie seit einigen Jahren und mit ihm fällt ihr das Leben leichter. Nun wird er nicht mehr lange leben und Ina hoffte darauf, dass ihre Krankenkasse ihr einen neuen Therapiehund zur Seite stellt. Das geschah leider nicht. Zugegeben, 3000 Euro sind nicht wenig Geld, aber wie viel Geld kostet wohl ihre Behandlung mit Therapeuten und Medikamenten über die Jahre? Die Natur stellt uns den besten Medizinschrank zur Seite, also sollten wir ihn auch nutzen. Ina bekommt nun von einem Verein Beschützerinstinkte e.V. einen Therapiehund bezahlt, aber sie wird weiterhin dafür kämpfen, dass Krankenkassen die Kosten für solch einen Therapiehund übernehmen. Dafür wünsche ich ihr alle Kraft und hoffe sehr, dass man zukünftig eine Chance auf einen solchen Helfer bekommt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr ein treuer Begleiter einem im alltäglichen Leben eine Stütze sein kann. Nie muss man sich erklären, sondern meist merkte mir Javor schon an, wenn es mir nicht gut ging und kuschelte sich dann an mich. Das war mehr, als ich jemals von ihm erwartet habe. Wo auch immer du sein magst, lieber Javor, ich hoffe, du tollst nun schmerzfrei umher und bekommst endlos viele getrocknete Schweinsohren, die dir so gut schmeckten und die du immer so gern geknuspert hast.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

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