Ein Moment am See

Und wieder zerstachst du eine Seifenblase mit dem rechten Zeigefinger. Das war dir ein ebenso großer Spaß, wie es mir war, sie in die Luft zu pusten. Im Schneidersitz saß ich dir gegenüber und blickte in deine strahlend blauen Augen, die freudig glänzten. Nur einen Moment später lagen wir nebeneinander. Jeder auf dem eigenen Badetuch und einige Grashalme versuchten mir den Blick zu verstellen, doch sie verschwammen, weil der Fokus so klar auf diesem Gemälde lag, das dein Gesicht war. Unsere Freunde jagten sich nur weniger Meter entfernt im Wasser, aber die waren ebenso unkenntlich verschwommen, wie die grünen Halme. Nur dich sah ich, deine gelockten Haare, deine geschwungenen Lippen, die leicht geöffnet waren. Nur zu gern hätte ich dich berührt, doch es wäre zu viel gewesen. Das war die stillschweigende Vereinbarung, die ich für den Moment des Glücks eingehen musste. Lieben durfte ich dich nicht, es war wohl besser so, denn lieben konntest du mich nicht, dafür war dein Leben zu sehr durcheinander gewirbelt worden. Was du brauchtest, das war der Halt einer guten Freundschaft und nicht das unbändige Verlangen der Frühlingsgefühle. Und so war ich dir ein Freund. Womöglich auch ein Lügner, weil ich so gern mehr gewesen wäre, aber belog ich doch nur mich, denn niemals verlangte ich mehr von dir, als Freundschaft und niemals gab ich dir mehr als Freundschaft. Du brauchtest diese Hilfe für eine Weile und es war gut, dass du wieder in dein Leben fandst und deinen Weg gingst, damit ich auch meinen wieder aufnehmen konnte. Barfuß durch frisches Gras an einem See. Meine Freunde schwimmen im Wasser, während ich für einen Moment inne halte und aufnehme, was aufzunehmen ist. Die Wärme der Sonne auf meiner Haut, die Weichheit des Bodens und das kitzlige Kribbeln an den Füßen. Das Zirpen der liebeshungrigen Insekten und ein strahlend blauer Himmel. Ein kaltnasser Ball knallt mir gegen den Rücken. Das ist mein Zeichen, zu meinen Freunden zu stoßen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

95 Kommentare zu „Ein Moment am See“

  1. Hmm, der Text ist wunderschön, aber irgendwie auch sehr traurig… wahrscheinlich macht es schon einen Sinn, dass man mit manchen Menschen nur wenig Zeit teilt, aber es gibt genug, mit denen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte, bevor sich dann die Wege trennen und wo ich mich noch heute frage, wann genau der Weg auseinander ging… aber dein Text lässt auch solche Erfahrungen im schönen Licht da stehen 🙂

    1. Vergänglichkeit…sie gehört wohl auch zu unseren Beziehungen. Das ist ganz ohne Frage traurig und deswegen ist es umso wichtiger, sich die Lichtblicke aus so einem Verlust in Erinnerung zu rufen.

      1. Es sind die romantischen Phantasien, die man im Kopf behält und sie verursachen die Schmerzen und Qualen. Ein ungetrübter Blick wäre da sehr hilfreich und der scheint, wie das eben so mit dem Augenlicht und dem Alter so ist, sich immer mehr zu trüben… 😉

      2. Oh jeh, wird man dann im Alter etwa immer romantischer? Oder sturer? Eine getrübte sture Romantik… irgendwie hat das was ulkiges an sich… ach, immer diese alten Menschen 😉

      3. Spricht da der Herr etwa aus Erfahrung? 😉
        Das gibt zumindest Hoffnung, stur bin ich schon, aber mein romatischer Blick ist noch sehr ausbaufähig… das Alter muss was tolles sein 😀

      4. Noch einmal, für die Sturheit braucht es das Alter, aber für die Romantik braucht es Zeit, dafür muss man aber nicht „alt“ sein. Und nunja, wer die Erfahrung gesammelt hat, der darf auch aus ihr sprechen 😉

      5. das Gras? oder das andere Gras? Oder das richtige Gras? Na egal, bei grünem Star ist Gras genau das richtige Heilmittel- vielleicht sieht man dann die grüne Wiese von oben? 😀

      6. Und vergiss nicht, was erst daraus wird, wenn ich dann noch grün vor Neid werde. Mir wäre gelb zwar lieber, aber da sind sich die Leute nicht einig.

      7. Aber der Star ist doch der Star und wieso eigentlich Ben-Star und nicht Star-Ben 😉 welche Rolle übernimmst du dann? Die sexy Untergebene oder die nicht minder sexyere Krankenhausleiterin? 😉

      8. Na bei house passierte es ja häufiger, dass die Patienten auch mal Star-Ben…ich kann mich nicht entscheiden…und als grauer Star verkaufst du dich aber unter Wert und dann wär ich ja eher der weiße Star.

      9. Es gibt keinen weißen Star- den muss man erst noch entdecken- es gibt nur die Rolle des grünen und des grauen Stars zu bestzen und da hab ich eindeutig mehr grau in die Wagschale zu werfen 😛 (nach deinen eigen Angaben hast du noch kein einziges graues Haar entdeckt…)

      10. Nein, das stimmt nicht, ich berichtete dir von einem weißen Haar, welches an der Stelle mit der Pigmentstörung hervorschaut. Ein Albinohaar sozusagen. Nun denn, dann bist du eben der graue und ich der grüne Star et voila (oder Viola?) aber sexy undzwar wir beide, darauf bestehe ich!

      11. Dann eben ein gesundes Maß an Überheblichkeit und gutes Ellenbogengefühl … Ich nenne es ein übereifriges Selbstbewusstsein- das wird auch dazu helfen jegliche Anforderung zum eigenen gutdüngen zu erfüllen 😉

      12. Naja, eine hab ich schon ziemlich oft in Schlafklamotten gesehen…und bei dir liegen immer dicke Wälzer auf dem Boden und auf dem Tisch…da ist es doch naheliegend.

      13. Blaue Flecken? Vielleicht gibt es dafür ja ganz andere Erklärungen…ich erinnere mich da an einen gar nicht allzu weit vergangenen Text, bei dem ein roter Fleck zurückblieb…

      14. Das darfst du- ich würde in dem unwahrscheinlichen Fall, dass ich jemals welche backe gleich eine Rundnachricht an sämtliche Freunde schicken und zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen einladen 😀

      1. Genau. Risikogewichtet müsste das Mehr so sensationell sein, damit es das Weniger ausgleicht. Kann sein, aber ist eher unwahrscheinlich. Kann einem aber lange hinterher hängen, egal was man macht.

      2. Ja, jene Geschichte ist schon eine gute Weile her und war tatsächlich schon in Vergessenheit geraten, wenn mich nicht eine Freundin erinnert hätte. 😀

      3. Das ist dann so eine „Na, vielen Dank“-Erinnerung. Schlummerte still und friedlich vor sich hin und auf einmal ist sie wieder präsent.

      4. Es war schon sehr krass, weil sie immer wieder von dieser einen Freundin erzählte und ich hab überlegt…und dann plötzlich…ja, da war sie wieder präsent, aber nicht schmerzlich. 🙂

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