Hin und her…

Das ganze Konzert hier ist schon ein besonderes Erlebnis. Es ist viel zu eng, so dass man sich fast auf den Füßen steht, aber ja, auf den Füßen und nicht auf den Schuhen, denn es ist im gemütlichen Wohnzimmer. Die Sängerin steht keinen halben Meter neben mir, ihrem Keyboarder könnte ich dazwischenfunken, wenn ich es wollte, aber wer wäre so vermessen, diesen Magier der elektronischen Musik beim Zaubern zu stören. Die Musik ist so nah an uns, geht durch unsere Körper und lässt uns bewegen. Es ist kaum mehr möglich, als ein wenig hin und her zu schaukeln, aber da, ebenfalls in der ersten Reihe finde ich dich. Du schaust zu mir herüber und grinst, ich lächle zurück. Die Songs laufen und jeder ist lang genug, um sich Zeit für eine Entwicklung zu nehmen. Hier gibt es keine Standardpopsongs, die weniger als vier Minuten dauern dürfen und sich alle zehn Sekunden wiederholen müssen. Nein, hier haben Menschen die Musik geschrieben, die wissen, dass das Leben auf- und abwärts geht – dass man lacht und weint. Da ist ein Kerl neben dir, der seinen Arm um dich legt, aber du weist ihn freundlich zurück. Später ein anderer Mann, er darf dir näher kommen.

Mein Fokus verlagert sich wieder auf die vier Musiker und besonders auf die zuckenden Armbewegungen der süßen Sängerin, so hätte sich Herr Cocker wohl zu bewegen gewünscht, als er auf der Bühne stand. Der letzte Song läuft und ich spüre den Blick von der Tänzerin aus der ersten Reihe auf mir ruhen. Ein anhaltender Blick und ein eindeutiges Lachen in deine Richtung zaubert das breite Grinsen in dein Gesicht, das so natürlich und ehrlich ist. Du schaust zu Boden, doch deine Mundwinkel verraten, dass es dir gefällt. Nach dem Konzert sprechen wir mit Freunden und für einen kurzen Moment stehen wir Rücken an Rücken, dann zerrt dich ein Freund davon. Immer wieder gehen wir aneinander vorbei, doch nur Blicke werden getauscht, bis wir plötzlich in diesem stillen Zwischenraum aufeinandertreffen. Jeder für sich und wir reden. Endlich. Du wirst in nicht einmal drei Wochen auf der anderen Seite der Welt sein, dann wieder zurück, aber nach Berlin und irgendwann auch wieder hier sein, aber es werden noch Monate bis dahin verstreichen. Dann herrscht kurze Stille. Der perfekte Moment, dich zu küssen, doch ich zögere. Niemals würde ich jetzt zögern, doch das Herz ist noch angeschlagen und will sich nicht darauf einlassen, will nicht wieder die Süße küssen und sich danach verzehren. Dann ruft dich jemand, denn ein Freund spielt im Wohnzimmer. Du willst dort hin und ich sage dir, dass es eine gute Idee ist, bevor ich was Blödes mache. Du fragst nach und ich sage, dass ich dich sonst küssen würde und du schüttelst deine Hand, als wolltest du mich warnen, aber die Warnung habe ich selbst schon innerlich ausgesprochen.

Eine halbe Stunde vergeht, dann sehe ich meine mitgenommene Bekannte, die sich langweilt. Wir beschließen zu gehen und ich sehe dich noch einmal. Gehe auf dich zu und verabschiede mich. Du fragst, warum ich jetzt schon gehen will – das sind auch meine Gedanken und wieder stehen wir wortlos einander gegenüber, nur ein Grinsen auf unseren Lippen, aber mitten zwischen unseren Freunden. Hier würden wir uns niemals küssen, ganz besonders nicht, wenn der eine Freund dein Freund sein könnte. Dein Gesicht kommt mir bekannt vor, doch ich weiß nicht woher, vermutlich werde ich es niemals erfahren. Ich wünsche dir vielfältige Eindrücke vom Dach der Welt.

Luftikuss

Du bist mir gar nicht so unähnlich in deiner Art. So unstetig und doch so verlässlich. Mal wütest du, da will sich niemand in deiner Nähe befinden und mal bist du ruhig wie die tiefste Nacht. Du liebst das Meer ebenso wie ich, bist wohl auch dort geboren und gebärst dort neues Leben in den heftigsten Stürmen und im kurzen Schaum auf den Wellen. Magst du das Salz auf deiner Haut so wie ich? Seinen Geruch? Seinen Geschmack? Fehlt es dir nicht ebenso sehr wie mir, wenn wir übers Land ziehen oder verweilen? Es wird Zeit für uns, zu neuen Ufern aufzubrechen: Einmal über den Ozean ohne Rückreise, bitte! Du könntest mich mitnehmen und mir Geschichten ins Ohr säuseln. Geschichten von fernen Ländern, von Freud und Leid. Geschichten, die du selbst schriebst mit deiner lebenslustigen Miene. Ob du Anderen wie mir begegnet bist, die dich verfluchten, wenn du ihnen Sand ins Gesicht bliest und dich liebten, wenn du eine dünne Zypresse auf einem kargen Felsen hin- und herschaukeltest und ihnen der Geschmack des Meeres in die Nase stieg? Oh du liebste Naturgewalt, wir bemerken dich halt oft erst, wenn du mächtig über uns kommst. Nicht Gottes Zorn bist du, sondern einfach nur du selbst in deiner unverbesserlichen Art, ganz ähnlich wie ich.

Zeiterleben

Wann dauert eine Bahnfahrt eigentlich länger, wenn man mit oder wenn man gegen die Fahrtrichtung fährt? Einigen Leuten wird ja übel, wenn ihr Rücken nach vorn blickt, aber ich habe das Talent, immer wieder auf diese Weise meine Reisen zu verbringen.

Sollte man nun gebannt auf die Zukunft schauen oder das Geschehene von hinten betrachten? Klingt schon fast nach einer Lebensphilosophie und womöglich erwartet das so manch einer von mir, aber das überlasse ich dieses Mal euch selbst, denn ehrlich gesagt, wollte ich euch nur mitteilen, dass meine Reisen mit dem Blick nach hinten schneller verlaufen…. 😉

Einmal Griechisch zum Mitnehmen, bitte!

Heiß aber nicht fettig! Das war jetzt schon das dritte Menü in kürzester Zeit, aber ich kann der gewissen Schärfe einfach nicht widerstehen, dafür ist’s einfach zu lecker. Genug geschwärmt! Schon früher faszinierte mich jenes warme Land, das doch vielmehr wie zufällig hingetropfte Farbkleckser anmutet. Wie gern hätte ich die Worte großer Philosophen vernommen. Hätte Aufstieg und Fall der Hellenen erlebt. Oder die kriegsfreien Feierlichkeiten zu den olympischen Wettkämpfen bewundert und so schon damals gewusst, dass sich Schlachten stoppen lassen, wenn man es nur will. Und so hoffe ich auf weitere Ausflüge zur griechischen Muse.

Grausam grau – Teil 2

Es musste gegen Null Uhr gewesen sein, als Henry ein Nebelhorn vernahm, es fuhr ihm bis in die Knochen. Er ging zum Fenster und sah über den Marktplatz zu den anderen Hütten hinüber, doch war nichts zu sehen. Dann bemerkte er eine Bewegung, es war die Haustür seines besten Freundes Olaf. Der Nebel war sehr dicht in dem Moment, aber es war niemand zu sehen und die Tür war nur Augenblicke später wieder geschlossen. Er setzte sich auf den Stuhl in der Küche und sah weiter in die Nacht hinaus. Er erblickte den Mond, der ihm durch einen rötlichen Stich auffiel, doch das lag sicherlich am Nebel, so vermutete es Henry. Ihm wurden die Augen schwer und er legte sich hin, in der Hoffnung, dass er diese Nacht durchschlafen würde. Am nächsten Morgen hatte er sich mit Olaf zur Jagd verabredet und dafür musste er fit sein, alle im Dorf verließen sich auf die guten Freunde.

es gab gestern bereits einen zweiten Teil, den ich wieder zurücknahm, weil nicht wirklich etwas passierte. Ich hatte selbst schon gezweifelt und wurde durch eine Kritik bestärkt, die ich tatsächlich als hilfreich empfand. Der letzte Punkt ist an jene Kritikerin gerichtet, damit sie weiß, dass ich ihre Kritik hilfreich fand.

Ein Flohmarkt und schräge Vögel

So ein Sonntag ist schon eine tolle Sache, selbst wenn es nicht nur sonnt, sondern auch regnet. Da kann man mal durch einen kleinen Flohmarkt wandert. Nun fragt ihr euch, warum ich durch und nicht über einen wanderte. Nun, dieser war in einem größeren Saal aufgebaut und da erscheint mir „durch“ passender“ als „darüber“. Zum Großteil gab es leider nur billiges Spielzeug und keine schönen Schatullen oder andere kunstvolle Gegenstände, die etliche Jahrzehnte in einer geheimen Ecke verstaubten. Es gab also nichts, bis auf jene zwei Bücher, über die ich einfach Schmunzeln musste. Ich bezweifle, dass ich sie jemals wirklich lesen werde, aber bei 1,50€ für beide konnte ich einfach nicht nein sagen (und gab der Verkäuferin sogar 33% Trinkgeld).

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Von Männern und Vögeln

Entdecke die Ornithologin in dir!

Was für ein Vogel ist Mr. Right? Ein Paradiesvogel, ein Brillenkauz, ein echter Dreckspatz – oder gar ein Raubvogel, den es zu zähmen gilt? Dieses Buch weiß alles über Lockrufe und Dressurtechniken, erklärt, warum >>Nein.<< ein vollständiger Satz ist, und es warnt vor dem romantischen Tunnelblick, wenn schon längst gilt: >>Hören Sie auf zu hoffen und fangen Sie an zu hassen!<<

Die Kunst, sich schlecht zu fühlen

Fühlen Sie sich schuldig, wissen aber nicht, wie Sie sich bestrafen können? Führen Sie hartnäckig eine glückliche Beziehung? Mangelt es Ihnen an Ideen, wenn es darum geht, ein wirklich jämmerliches Dasein zu fristen? Haben Sie immer noch Freunde?

Ihnen kann geholfen werden:

Dan Greenburg zeigt Ihnen Schritt für Schritt den Weg zu einem wirklich unangenehmen, bedeutungslosen und unglücklichen Leben!

Die sind die Texte auf der Rückseite und ich bin überrascht, wie viele Ausrufe- und Fragezeichen da vorkommen. Nun denn, vielleicht werde ich mal das ein oder andere Kapitel durchblättern und wenn ich was amüsantes entdecke, dann teile ich es gern mit euch. Ansonsten würde ich diese Prachtexemplare der Weltliteratur auch gern an geneigte Blogger verschenken, wer da wirklich Interesse hat, darf sich gern bei mir melden.

Achso und da schräge Vögel nicht nur männlich sind, möchte ich noch von einer berichten, die mich vorhin anmotzte: „wie wärs mal mit Absteigen?“ Nun, der Weg bot Platz für zehn Leute nebeneinander, wir kamen an jener Stelle auf fünf und sie beanspruchte mit ihrer weiten Hüften den Platz für drei und ging sogar noch einen Schritt auf mich zu, als ich ihr entgegen kam, es war also pure Provokation, die ich nur mit einem „wie wärs mal mit Abnehmen?“ konterte. Das war keine Heldentat, aber es schoss mir durch den Kopf und somit auch schnell aus dem Mund und erschien mir verdient, zumal ich an der Stelle fahren darf. Ansonsten halte ich mich mit Ratschlägen diesbezüglich immer zurück, denn jeder hat sein Päckchen zu tragen und das muss man ihm oder ihr ja nicht noch vorhalten.

In diesem Sinne werde ich auch weiterhin nicht absteigen, wenn keine Menschenmasse oder ein Verbot es von mir fordert und in die Sonne radeln. 😀

Grausam grau – Teil 1

Grausam grau war es den ganzen Tag schon gewesen, aber was bei verdecktem Tageslicht schon zur Qual wurde, war des Nachts noch unbehaglicher. Es begann vor zwei Monaten und anfangs schien es nur ein bewölkter Himmel zu sein, aber immer tiefer sanken die Wolken und so legte sich mittlerweile jede Nacht an schwerer Nebel übers Land. Wagte man sich nach draußen, so brauchte es nur wenige Minuten und man war bis auf die Haut durchnässt. Aber so richtig unheimlich wurde es, als die alte Witwe von Svensson anfing zu berichten, dass sie des Nachts leise das Signal eines Bootes hörte. Zuerst gingen wir davon aus, dass es nur die Erinnerung an ihren verstorbenen Mann war, in der sie halluzinierte, aber als sie vor eine Woche verschwand und auch einige Andere aus dem Dorf das Klingeln einer Schiffsglocke hörten, begannen wir Nachts nicht mehr das Haus zu verlassen, obgleich an Schlaf nicht zu denken war. Vorgestern berichtete Olaf von schweren Schritten vor seiner Haustür und drei Schlägen gegen seine Tür. Als er sie öffnete, war niemand zu sehen…