Liebster-Blog-Award

Seit einiger Zeit geistert ja der Liebster-Award umher und auch ich kam in den Genuss, diese Auszeichnung zu erhalten. Ich möchte mich daher bei Perlenmama, bei Ani und bei der Brüllmaus bedanken (wenn ich eine Nominierung hier nicht erwähnt haben sollte, so bitte ich um einen Hinweis, denn mir sind nur diese drei bekannt).

Es wäre nun an mir, ihre elf Fragen zu beantworten und weitere elf Blogs unter 200 Lesern zu benennen und auch diesen wieder elf Fragen zu stellen. Mein erster Gedanke war dabei, dass das eben nichts anderes als die Blogform eines Kettenbriefes ist und dem kann ich nichts abgewinnen. Wenn man jedoch genauer überlegt, dann hat dieser Award auch die Eigenschaft, weniger stark frequentierte Blogs miteinander zu verknüpfen. Es gibt für mich aber ein ganz großes Manko bei der Sache, nämlich die informationslose Verlinkung. Warum sollte irgendjemand auf meinen Blog klicken, nur weil ich bei einem Award erwähnt wurde?

Ich möchte aber diese eigentlich sehr schöne Idee nicht kaputt-motzen, sondern stattdessen eine ganz eigene und abgewandelte Form davon ableiten (fast hätte ich kreieren geschrieben).

Hier drei Blogs und warum ich ihnen folge:

1. http://denkendertraum.wordpress.com/

Ich kenne ihn von einem anderen Portal und ihm zu folgen hat mir schon einige schöne Momente bereitet. Er hatte einen ganz eigenen Weihnachtskalender 2012, den man lesen oder gar auf Youtube von einer geschichtenerzählenden Schildkröte anhören durfte. Zwei Freunde durchlebten Abenteuer und man begleitete sie dabei. Er ist für mich eine aufklärende Adresse, wenn es um Autismus geht, denn er ist selbst Autist und zeigt immer wieder kleine Einblicke in die zwischenmenschlichen Probleme, denen er begegnet. Mein Lieblingszitat von ihm ist: „Kennt man einen Autisten, dann kennt man genau einen Autisten.“

2. http://thrillerbraut.wordpress.com/

Blogger schreiben ja gern und einige sogar Bücher. Auch wir kennen uns von einer anderen Plattform und dieser Blog gibt manches Mal Einblicke in das Leben einer Selbstverlegerin und natürlich auch Werbung für die neuesten Erscheinungen. Sie war für mich immer ein Anreiz, meine Kunstfertigkeit herauszufordern und weiße Seiten zu füllen.

3. http://realitystream.wordpress.com/

Die Lebensmoral mal ein wenig entspannter betrachten. Das sind die Worte, die mir sofort durch den Kopf schießen, bei dem Blog. Es gibt hier mal einen aufgeklärten Blick auf das Thema Liebe und Drogen. Man sollte schon genauer lesen, denn es soll nicht als eine Aufforderung verstanden werden, sich lustige Pillen hinter die Binde zu kippen und danach wild herumzuvögeln, sondern es geht hier um Erkenntnisse in der Wirkung von Psychopharmaka und um das Infragestellen unserer gesellschaftlichen Normen.

 

Diese Blogs sind vermutlich nicht so stark besucht, wie die meisten Blogs aus meiner Lese- und Followerliste, aber sie haben einen ganz eigenen Charme, den ich nicht missen möchte. Ich könnte noch einige andere Blogs erwähnen, gerade von Bloggern, die ich schon persönlich traf, aber vermutlich werde ich dieser Idee einen eigenen Eintrag widmen und erst nach Absprache mit jenen Personen.

Spielzeug

Wie selten begegnet man einem Menschen wie Sengo. Er versteckt sich ein wenig, aber das macht ihn kein Stück weniger interessant und er liebt die Frauen, vielleicht ein wenig zu sehr. Da ist er mit sich selbst im Zwist, denn meist ist es sein Herz, das nach mehr schreit und dann doch getreten am Boden liegt. Aber das Beachtliche daran ist, dass er das mit einer geradezu stoischen Ruhe hinnimmt. Innerlich mag es ihn treffen, aber er setzt dann einfach sein Lächeln wieder auf und zieht weiter. Immer weiter. Vermutlich längst mit der Gewissheit, niemals anzukommen. Wo eigentlich ankommen? Somit lebt er wohl nun in einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber er hat wohl genügend Taschenspielertricks übrig, um auch über die weiteren Runden zu kommen.

Sein Geheimnis ist wohl die Erinnerung. Immer wenn er am Boden liegt, dann erinnert er sich und versackt dabei nicht, sondern zieht den damals gefühlten Genuss heraus. So wie bei Maraka. Sie war gute zehn Jahre jünger als er, aber eben doch schon volljährig, als sie sich kennenlernten. Amüsanterweise war er es, der von ihr lernte und nicht umgekehrt. Er war schon immer sehr lernwillig und wenn er dabei einer anderen Person Freuden bereiten konnte, dann ließ er sich von einem Wort wie Analingus nicht stoppen, sondern hörte in seinem inneren Ohr stattdessen die Worte von Samuel Jackson, der zu seiner Begleitung ein „It’s my duty to please that booty“ raunte. Diese Erinnerung schob er vor, als die Liebe mal wieder einen Anderen gefunden hatte.

Es war weniger die Erotik in der Erinnerung als viel mehr die Einsicht, dass ihm das Leben so viele verschiedene Eindrücke geschenkt hatte und er immer offen dafür war. Kein angewiderter Blick, sondern die pure Neugier und den Wunsch, die eigene Lust mit der Lust einer Gespielin zu paaren. Womöglich muss es Menschen wie Sengo geben, die sich ihrem Schicksal ergeben. Sie sind wohl mehr ein Spielzeug, aber wenn man sich dieser Rolle bewusst ist und sie akzeptiert, dann gibt einem das Leben viele Momente des Schmunzelns. Es ist eigentlich die einfachste Form des Lebens, denn man muss sich keiner Pflicht hingeben und man darf dennoch genießen. Nur die Einsamkeit, die muss man lernen zu ertragen, aber müssen wir das nicht alle?

Augenblicke

Hier so zwischen euch, das dürfte so gemütlich sein, wie ich vor euren Augen tanze und dabei eure Gedanken lese, denn ihr blickt nicht auf mich, sondern auf euch und gebt mir dabei einen Blick in eure Seelen.

Oh Mädchen, dich würde ich so gern darum bitten, ihn nicht so anzulächeln, denn du erinnerst ihn an diese eine besondere Liebe. Wenn er dich ansieht, dann sieht er sie und wenn du herumalberst, dann sieht er sie herumalbern und sein Herz bricht und springt zur gleichen Zeit. Er kann sich nicht von dir lösen, hatte er sie doch verbannt und nun so unverhofft in dir wiedergefunden. Wäre er nur stärker, er würde es besser wissen oder gar nicht in der Vergangenheit verhangen sein.

Oh Junge, du wirst euch beiden Schmerzen zufügen. Dir, weil du leidest in einer Erinnerung an etwas, das so nie war. Und sie, weil sie begonnen hat, sich in dich zu verlieben, das verrät ihr Lachen, bei dem sie den Blick senkt, dich aber doch nie ganz aus den Augen verliert. Ja, ihr passt zusammen, wärt gar ein perfekte Paar. Ich weiß es, denn ich kenne euer Wesen. Aber die Geschichte führte euch zu einem schlechten Zeitpunkt zusammen. Laufe noch weg und rette euch beide. Dir fällt es schwer, aber dafür bekommst du ein Geschenk. Das Geschenk dich von der Erinnerung befreit zu haben.

Ich habe versucht zu schreien, aber ich bin unhörbar. Ich strahlte mit aller Kraft, dass ihr euch in der Nähe zu mir verbrennt und euch löst, aber es brachte nichts, außer dass mein Licht nun früher erlischt. Es ist mein letzter Tanz, mein Todestanz, den ich zuckend verbringe. Ich wünschte, dass ich in meinem Leid das eure zukünftige aufnehmen könnte.

Puppenspiel

Der kleine Junge hat einen schönen Tag. Es ist warm und er spielt, womöglich nicht ganz typisch mit Puppen. Die Hauptfigur scheint ein Mann zu sein, der Abenteuer erlebt. Eine Geschichte reiht sich an die nächste, bis die schönste Puppe an einen Stuhl gefesselt wird und das Opfer einer Vergewaltigung wird. Die Oma schimpft mit dem Jungen und er beendet das Spiel, begreift er doch, das er etwas falsch gemacht hat. Doch woher kam die Idee dazu? Sah er es im Fernsehen oder im Netz, oder gar in der wahren Welt? Die Frage ist unerheblich, denn sie zeigt, dass man überall fragen muss, jeden von uns.

Nein, mich natürlich nicht, ich vergewaltige doch keine Frauen, wird nun hoffentlich jeder Leser hier denken, aber dann halten wir mal inne. Und ich schreibe von mir: Nehme ich nicht ein Plakat stärker wahr, wenn eine nackte, junge Schönheit in verletzlicher Pose darauf präsentiert wird? Doch, das tue ich. Und möchte ich nicht Dinge besitzen, die mit ihrem Sexappeal werben? Doch, das möchte ich. Wenn die Frau also nur noch sexy sein muss und Geräte das ebenso sind, warum darf ich dann nicht eine Frau ebenso behandeln? Soll ich sie nicht ebenso „lieben“, wie das neue Smartphone, welches manchmal dann doch nervt, weil es nicht schnell, nicht dünn, nicht schön genug ist? Und wenn jemand mein Spielzeug auch nur anschaut, dann zerre ich es an mich und verstecke es, womöglich will man es mir wegnehmen, denn ja, das ist doch die wahre Liebe oder etwa nicht? Soll ich meine Frau nicht gegen eine neuere, jüngere Version austauschen und die alte wegwerfen? Wo ist die Oma, die wieder ermahnt, wenn man das falsche Handeln gar nicht bemerkt?

Wir sollten uns schon fragen, wann etwas sexy und wann etwas Sexismus ist. Ist nun jeder iPhone-Besitzer ein pädophiler Vergewaltiger, nur weil er sein Handy toll findet? Mit absoluter Sicherheit nicht. Aber wir sollten doch aufpassen, wann wir einen Gegenstand lieben und wann wir einen Menschen benutzen.

Enttäuschende, Kinder.

Disputnik

In einem wunderbaren Film erzählt eine junge Frau davon, wie sie von ihrem Vater physisch und psychisch missbraucht wurde, doch sie schildert nicht die Fakten, sondern liest eine kurze Kindergeschichte vor, die sie geschrieben hat, und diese Kindergeschichte, sie handelt von einem Oktopus, der einen Freund sucht und glaubt, diesen in einem Hai gefunden zu haben, und der Hai, er will dem Oktopus durchaus ein Freund sein, verlangt dafür aber, dass er ihm einen Arm abbeißen darf, und der Oktopus, er glaubt, das sei Freundschaft und opfert einen Arm, er denkt, was ist schon ein Arm, das ist nicht schlimm, er hat ja acht davon, aber der Hai, er will immer mehr, und der Oktopus gibt immer mehr, und der Hai beißt dem Oktopus einen Arm nach dem anderen ab, bis kein Arm und auch kein Oktopus mehr übrig ist.

Spätestens in jenem Moment, in welchem Kinder beginnen, uns Fragen…

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Unnatürlich

Die nennen uns unnatürlich, weil wir uns lieben.

Die nennen uns unnatürlich und fahren in ihren Autos.

Die nennen uns unnatürlich und gehen auf asphaltierten Wegen.

Die nennen uns unnatürlich und leben unter geteerten Dächern.

Die nennen uns unnatürlich und essen gezüchtete Massentiere.

Die nennen uns unnatürlich und leben in geheizten Häusern.

Die nennen uns unnatürlich und packen alles in Plastik.

Die nennen uns unnatürlich und tippen auf ihren Hightech-Geräten herum.

Die nennen uns unnatürlich, weil wir uns lieben…

Die – das bin auch ich – leben in einer unnatürlichen Welt und möchten die Annehmlichkeiten nicht missen. Aber warum es unnatürlich ist, wenn man dem eigenen Herzen folgt und nur tut, was Menschen schon immer tun,  dann will mir das nicht einleuchten.

Dann fragt doch die Natur! Kein Kind und kein Tier stören sich an Liebenden, nur die Menschen, die das Künstliche in ihrem Leben nicht erkennen können.

Aussteigen bitte

Es war eine dieser Nächte, in denen man einfach nur glücklich ist, wenn man wieder in sein Bett fällt. Klar nimmt man den Flirt mit, aber belässt es dann dabei, weil die Müdigkeit so tief in einem steckt, dass man die Schwere kaum noch zu ertragen vermag. In diesem Zustand lehnte ich an einem Pfeiler der U-Bahn-Haltestelle. Es waren die üblichen blöden Sprüche darauf zu finden, ebenso hingekritzelte Penisse und Rauten. Keine Ahnung, welcher von diesen „Künstlern“ zuvor einer Frau begegnet war, aber sie besaßen eindeutig mehr Kunstfertigkeit im Zeichnen eines Männergliedes.

Zum Glück kam die Bahn recht schnell und ich nahm den erstbesten Platz. Ich schloss die Augen, doch nur Sekunden später wurde mir klar, dass ich dadurch das Schaukeln des Wagens nur umso stärker wahrnahm. Also wieder ein Blick in die grelle und miefige Welt. Rechts saß auf einem Vierersitz ein Punk, der bereits schlief. Mir gegenüber saß niemand und fast hätte ich geglaubt, mit dem Linken rechts von mir allein zu sein, bis mir der Typ zu meiner Linken bewusst wurde. Er saß mir ein Stück zu nah.

Ihr kennt das sicherlich, wenn ihr betrunken seid, da gibt es immer einen Typen, der dir schon fast einen Kuss ins Gesicht drückt, während er mit dir spricht und man auf dem eigenen Barhocker bereits ein  weites Hohlkreuz bildet und nach hinten umzukippen droht, weil man sich Stück für Stück zu entfernen suchte, doch immer verfolgt von der Fratze des unerträglichen Schwätzers. Ebenso unangenehm nah war mir dieser Typ.

Ich sah ihn nicht direkt an, vermutlich würde er mich sonst vollquatschen und darauf hatte ich absolut keine Lust, aber ich musterte ihn aus dem Augenwinkel. Wie er da saß, ein Wichtigtuer, das merkte ich sofort. Ganz bestimmt so eine dämliche Grinsefresse, die mir bei der kleinsten Regung in seine Richtung sofort was ganz besonders Tolles erzählen musste. Ich kann solche Leute einfach nicht ausstehen und verdammt, warum musste der sich nur so nah neben mich setzen, ich kann es nicht ausstehen.

Ich hatte mich ein wenig vorgebeugt und dieser Spinner wollte ganz offensichtlich mit mir Kontakt aufnehmen, denn auch er beugte sich vor, somit war mir der Weg zum Wiederaufrichten versperrt, denn dabei müsste ich ihn direkt anblicken. Ich hielt kurz inne und setzte das grimmigste Gesicht auf, meine Fäuste ballte ich. So angespannt würde mich doch niemals jemand ansprechen wollen, so glaubte ich.

Dann kam die Erlösung, denn der Lautsprecher verkündete mir meine Haltestelle. Ich stand auf und bemerkte, dass der Kerl neben mir sich ebenfalls aufgerichtet hatte, doch nun war es zu viel, ich drehte mich in seine Richtung, mein Blick war wutentbrannt. Bis ich bemerkte, dass ich in mein Spiegelbild blickte. Nein, dieser Kerl war keine geschwätziger Typ, sondern ein aggressiver Mensch, der Angst vor seinem Spiegelbild hatte.

Es wurde Zeit, diese Bahn zu verlassen.