Augenblicke

Hier so zwischen euch, das dürfte so gemütlich sein, wie ich vor euren Augen tanze und dabei eure Gedanken lese, denn ihr blickt nicht auf mich, sondern auf euch und gebt mir dabei einen Blick in eure Seelen.

Oh Mädchen, dich würde ich so gern darum bitten, ihn nicht so anzulächeln, denn du erinnerst ihn an diese eine besondere Liebe. Wenn er dich ansieht, dann sieht er sie und wenn du herumalberst, dann sieht er sie herumalbern und sein Herz bricht und springt zur gleichen Zeit. Er kann sich nicht von dir lösen, hatte er sie doch verbannt und nun so unverhofft in dir wiedergefunden. Wäre er nur stärker, er würde es besser wissen oder gar nicht in der Vergangenheit verhangen sein.

Oh Junge, du wirst euch beiden Schmerzen zufügen. Dir, weil du leidest in einer Erinnerung an etwas, das so nie war. Und sie, weil sie begonnen hat, sich in dich zu verlieben, das verrät ihr Lachen, bei dem sie den Blick senkt, dich aber doch nie ganz aus den Augen verliert. Ja, ihr passt zusammen, wärt gar ein perfekte Paar. Ich weiß es, denn ich kenne euer Wesen. Aber die Geschichte führte euch zu einem schlechten Zeitpunkt zusammen. Laufe noch weg und rette euch beide. Dir fällt es schwer, aber dafür bekommst du ein Geschenk. Das Geschenk dich von der Erinnerung befreit zu haben.

Ich habe versucht zu schreien, aber ich bin unhörbar. Ich strahlte mit aller Kraft, dass ihr euch in der Nähe zu mir verbrennt und euch löst, aber es brachte nichts, außer dass mein Licht nun früher erlischt. Es ist mein letzter Tanz, mein Todestanz, den ich zuckend verbringe. Ich wünschte, dass ich in meinem Leid das eure zukünftige aufnehmen könnte.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

35 Kommentare zu „Augenblicke“

  1. Das gibt es leider, ja. Diese schmerzhaften Verwechslungen, Verirrungen, Verwirrungen. Dieses Hoffen auf etwas, das es so nicht geben kann. Gut ge-/beschrieben, berührend. Hitchcock hat darüber doch einen Film gemacht, – wie hieß der noch gleich?

    Ich wünsche ein schönes Wochenende und schicke liebe Grüße.

    1. Na vermutlich gibt es da noch einige weitere filmische Umsetzungen von 😉 aber die von Hitchcock hab ich mit Sicherheit nicht gesehen, da er mich bisher nicht fesseln konnte 😉

      Auch dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße 😀

  2. Obwohl der Text auf mich wirr wirkt, undurchsichtig, fühle ich unerklärlicherweise Gänsehaut und Tränen aufkommen. Das gibt’s nicht oft, und ich bereue es nicht öfter bei deinem Blog vorbei zu schauen. Das wird sich nun ändern.
    Danke für die Gefühle, danke für die Tränen und die Gänsehaut.

    1. Es ist meine Art, solche Leerstellen zu hinterlassen und den Leser zum Rätseln zu bringen. Ich sehe es also durchaus als Kompliment, wenn du es wirr und undurchsichtig findest, auch wenn es nicht so gemeint war. Aber ich mag direkte und ehrliche Reaktionen, weil ich damit etwas anfangen kann.

      Dann freue ich mich über eine weitere Leserin und bin überrascht, wie gut dieser Text ankommt, wenngleich es mir ein Lächeln ins Gesicht treibt. Vielen Dank also dafür.

      1. Ich habe wirklich wirklich lange überlegt, das mit wirr und undurchsichtig reinzuschreiben. Habe mich dann aber dafür entschieden, weil ich finde, dass es meine Sicht darauf gut darstellt. Allerdings sollte es ein Kompliment sein. Ich finde den Text wirklich gut, diese Mischung, die zum einen eben verwirrend ist und zum anderen, obwohl man keinen wirklichen Durchblick hat, (finde zumindest ich 😉 ) so viel Gefühl rüberbringt. Unglaublich. Auf jeden Fall meine ich das sehr positiv 🙂

      2. Ah okay, na dann ist es ja noch besser und ich kann es sogar mit bestem Gewissen als Kompliment auffassen. 😀 Warum so viel Gefühl dabei rüberkommt, war das, was mich verwundert…da hab ich schon so viele Texte mit so viel Herz geschrieben und die blieben kaum beachtet und dann jener Text, der gar keinen wirklichen Hintergrund hatte, sondern einfach herausploppte, der ist es dann auf einmal.

  3. Leider sind Erinnerungen manchmal sehr verzerrt… Es gibt diese Phase, in welcher mit räumlichen und zeitlichen Abstand in den Erinnerungen alles toll war. Ein körpereigener Schutzmechanismus gepaart mit der Hoffnung, es doch noch zu einem guten Ende bringen zu können. Wenn es für das eigene Leben sehr bedeutend war, begibt man sich unterbewusst in Wiederholungsschleifen, zieht die gleichen Menschen und Situationen immer und immer wieder an…

  4. Vernunft findet ausschließlich im Kopf statt, Erinnerungen sind zwar auch da gespeichert, gefühlt werden sie jedoch im Herzen bzw. in der Seele. Ich glaube, dass man nicht sagen kann, dass sie zu „unvernünftig“ sind. Die Gefühle, die mit den Erinnerungen verbunden sind, sind einfach zu stark. Ein Raucher weiss beispielsweise auch, dass das Rauchen ungesund ist und viel Geld kostet, es also eigentlich keinen Sinn macht zu rauchen, sagt die Vernunft. Die Gefühle, die dabei erzeugt werden, sind aber so stark, dass die Raucher es oftmals nicht schaffen, es loszulassen. Das hat viele komplexe emotionale Gründe und bevor man für sich selbst nicht herausgefunden hat, warum man diese Gefühle nicht loslassen kann, wird es einem nicht gelingen. Man muss sich ganz konkret mit sich selbst beschäftigen und dazu gehört viel Mut!

    1. Eigentlich ist gerade das Rauchen ein Beispiel, welches zeigt, wie schnell man es eben doch ablegen kann, wenn es nur darauf ankommt. Denn du kennst sie sicherlich auch, die werdenden Mütter, die keine Kippe mehr anrühren, sobald sie wissen, dass da ein Kind kommt. Klar, es gibt auch andere Verhaltensweisen, aber es zeigt doch, dass man ganz rational werden kann, wenn es nicht nur das eigene Wohl ist, welches gefährdet ist. Gut, ein Embryo kann sich absolut nicht wehren, was ein Liebender natürlich kann, das muss ich zugeben, aber dennoch sieht man, dass eine Veränderung möglich ist.

  5. Sag ich doch: man kann es ablegen, wenn man sich mit der Thematik bewusst beschäftigt und damit auseinandersetzt. Um auf Dein Beispiel einzugehen mit der Mutter: die hat sich hingesetzt und bewusst überlegt, ob sie ihrem ungeborenen Kind Nikotin zumuten will oder nicht mit dem Risiko beim Weiterrauchen die Gesundheit des Kindes zu gefährden, welches sich nicht wehren kann. In dem Moment, wo sie sich für das Aufgeben des Rauchens entscheidet, stellt sie ersteinmal ihre eigenen persönlichen Glücksgefühle, die das Rauchen in ihr bislang hervorgerufen hat, hinten an. In dieser Situation liegt jedoch die Vermutung nahe, dass die Tatsache schwanger zu sein, ein völlig neues Glücksgefühl in der Mutter hervorgerufen hat, so dass sie den „Entzug“ damit leichter überstehen wird und rauchfrei sowieso früher oder später feststellen wird, dass es ihr ohne das Rauchen besser geht. Ich glaube nach wie vor auf jeden Fall, dass man in Liebesangelegenheiten, sei ein Mensch/eine Beziehung nun gut für einen oder nicht, nur sehr schwer rational agieren kann, weil Liebe=Gefühl und Vernunft sich nunmal ausschließen. Man(n) und Frau lieben mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf! Und selbst, wenn man sich eine eigene Schranke auferlegt und zu sich sagt: „Du triffst ab sofort XY nicht mehr, weil er/sie ist nicht gut für Dich“ und hält sich auch daran, aber XY ist trotzdem den ganzen Tag in den eigenen Gedanken dominant und man wird ihn/sie nicht los, was hat dann die Tatsache gebracht, dass man sich persönlich nicht sieht?!? Gedanken und Erinnerungen können manchmal mehr Gefühle produzieren und auslösen als die Realität. Frag mich, ich bin so häufig in „meiner Welt“, in meinen Gedanken 😉

    1. Es ist ja auch nicht so, dass ich von Liebenden erwarte, diesen Punkt ehrlich zu reflektieren und es umzusetzen. Ich möchte nur auf den Fehler aufmerksam machen, den man da begeht. Aber im Endeffekt bin ich hier edler in meiner Schreibe, als in der Realität… 😉

    1. Werteste Brüllmaus,

      ich fühle mich wirklich geehrt und allein deswegen ist dieser Award auch eine tolle Sache, aber ich verweigere mich doch dem Weitergeben. Meine Kritik ist dabei, dass ihn doch irgendwann jeder erhält und er somit keine Auszeichnung ist. Der Sinn dahinter, weniger bekannte Blogs bekannter zu machen bzw. miteinander zu vernetzen, ist keine schlechte Idee, weshalb ich mir bereits vorgenommen habe, einen ganz eigenen Award zu kreieren. Lass dich überraschen, es wird in baldigster Zeit ein Eintrag zu finden sein. 😀

      Liebe Grüße,
      Ben

      1. Lieber Ben,

        was für eine Antwort! Du hast Recht, der Award verliert bei exzessivem Weiterreichen an Bedeutung. Doch für den Zweck, Blogs die ich mag einmal in den Fokus zu rücken, war er eine prima Gelegenheit. 🙂
        Ich freue mich schon auf den Eintrag und bin sehr gespannt. 😀

        Liebe Grüße,
        nickel

  6. Ich möchte dich hassen, weil du so gekonnt mein Wesen berührst, dass ich direkt eine Erinnerung vor Augen habe, die ich selbst noch nicht verwunden zu haben scheine. Dafür möchte ich dich hassen und doch drängt sich mir eine Dankbarkeit auf.
    Versteh es nicht falsch, der Text ist wunderbar, nur hast du mich aus meinem Kaninchenbau gezogen, alles verstecken zunichte gemacht, mit diesen so wundervoll aneinander gereihten Zeilen.
    LG

    1. Ach weißt du, das ist dann durchaus ein Hass, den ich bereit bin zu ertragen. Und sieh du es als einen Schritt in einem Lernprozess an. Ob du nun heute über jenes Unverwundene stolperst oder erst dann, wenn da ein wundervoller Mensch dir gegenüber sitzt, das ist doch ein gewaltiger Unterschied. Und im Endeffekt kann man mit manchen Sachen nie ganz abschließen, nur anders umgehen.

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