Puppenspiel

Der kleine Junge hat einen schönen Tag. Es ist warm und er spielt, womöglich nicht ganz typisch mit Puppen. Die Hauptfigur scheint ein Mann zu sein, der Abenteuer erlebt. Eine Geschichte reiht sich an die nächste, bis die schönste Puppe an einen Stuhl gefesselt wird und das Opfer einer Vergewaltigung wird. Die Oma schimpft mit dem Jungen und er beendet das Spiel, begreift er doch, das er etwas falsch gemacht hat. Doch woher kam die Idee dazu? Sah er es im Fernsehen oder im Netz, oder gar in der wahren Welt? Die Frage ist unerheblich, denn sie zeigt, dass man überall fragen muss, jeden von uns.

Nein, mich natürlich nicht, ich vergewaltige doch keine Frauen, wird nun hoffentlich jeder Leser hier denken, aber dann halten wir mal inne. Und ich schreibe von mir: Nehme ich nicht ein Plakat stärker wahr, wenn eine nackte, junge Schönheit in verletzlicher Pose darauf präsentiert wird? Doch, das tue ich. Und möchte ich nicht Dinge besitzen, die mit ihrem Sexappeal werben? Doch, das möchte ich. Wenn die Frau also nur noch sexy sein muss und Geräte das ebenso sind, warum darf ich dann nicht eine Frau ebenso behandeln? Soll ich sie nicht ebenso „lieben“, wie das neue Smartphone, welches manchmal dann doch nervt, weil es nicht schnell, nicht dünn, nicht schön genug ist? Und wenn jemand mein Spielzeug auch nur anschaut, dann zerre ich es an mich und verstecke es, womöglich will man es mir wegnehmen, denn ja, das ist doch die wahre Liebe oder etwa nicht? Soll ich meine Frau nicht gegen eine neuere, jüngere Version austauschen und die alte wegwerfen? Wo ist die Oma, die wieder ermahnt, wenn man das falsche Handeln gar nicht bemerkt?

Wir sollten uns schon fragen, wann etwas sexy und wann etwas Sexismus ist. Ist nun jeder iPhone-Besitzer ein pädophiler Vergewaltiger, nur weil er sein Handy toll findet? Mit absoluter Sicherheit nicht. Aber wir sollten doch aufpassen, wann wir einen Gegenstand lieben und wann wir einen Menschen benutzen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

18 Kommentare zu „Puppenspiel“

  1. Daumen hoch für diesen Satz und seinen tieferen Sinn: „Aber wir sollten doch aufpassen, wann wir einen Gegenstand lieben und wann wir einen Menschen benutzen.“

    1. Vielen Dank, der kullerte einfach so heraus und stand erst mitten im Text, bis ich ihn selbst so wirklich wahrnahm und er ein abschließender und aussagekräftiger Satz werden konnte.

  2. Und wieder hat sich geduldiges Warten gelohnt. Ein sehr feinsinniger, hinterfragender Text, lieber Ben. Frau traut sich ja schon gar nicht mehr zuzugeben, daß sie auf härteren Sex steht, aus Sorge, ein Klischee zu befeuern. Hier bin ich auf die folgende Disskusion gespannt. Herzlichst, Käthe.

    1. Dieser Text schießt nicht gegen härteren Sex oder Dominanz im Bett, sondern gegen die Alltäglichkeit von Sex und die Gefahr, die ich darin sehe. Es geht ums Hinterfragen vom Gefühl der Liebe, welches heutzutage ja überall zu finden ist. Man liebt sein Auto, sein Handy, sein schönes Haus, seinen Fernseher. Womöglich liebt man sich selbst und natürlich liebt man auch den eigenen Partner, aber oftmals ist es keinen Lieben, sondern ein Besitzergreifen, weil man heutzutage besitzt und nicht liebt.

      1. Dann hat mich der erste Absatz zu sehr getriggert. Und ich habe den Rest unter einem falschen Gesichtspunkt gelesen. Was heißt falsch? Anders, als Dir es anlag. Finde ich aber nicht schlimm.

      2. Nein, es ist auch nicht schlimm. Das Liebesspiel zwischen zwei Menschen, die wissen was sie wollen und das auch ausleben, werde ich niemals kritisieren oder anklagen. Da sollen sich die Menschen schon frei ausleben können. Ich behaupte nur, dass der kleine Junge nicht von sich aus auf solche Vergewaltigungsphantasien kam und da möchte ich ansetzen. Er selbst hatte gar keine Chance seine eigene Sexualität zu ergründen, bevor er von einer „fremden“ stark beeinflusst wurde.

      3. Ich habe doch keine Kritik Deinerseits herausgelesen, sondern einfach einen Deiner Denkanstöße aufgenommen und in meinem Sinne weitergedacht. Aber das war wohl nicht in Deinem Sinne. Natürlich bin ich ganz bei Dir, wenn Du feststellst, daß man Besitztum und Liebe nicht verwechseln darf und die Grenzen leicht verwischbar sind. Wir alle müssen Obacht geben und achtsam mit der Liebe umgehen.

      4. Joa, das ist ja auch gar nicht schlimm, ich wollte mich eben nur rechtfertigen, weil ich doch niemandem seine Sexualität vorschreiben möchte und ich ja selbst schon verschiedenste sexuelle Praktiken ausprobiert und ausgelebt habe 😉

      5. Keiner, der schon länger bei Dir mitliest, würde Dir irgendeine Engstirnigkeit unterstellen, mein lieber Ben. Und wenn, dann wäre das ein stattlicher Vollpfosten. Oder halt eine Vollpfosteline.

  3. Ich applaudiere mal 1,5-händig – besonders der letzte Absatz regt zum Nachdenken an! Dankeschön! 🙂
    Und mach nicht immer so lange Pause *quengel* 🙂

    1. Danke sehr. Und was das Warten betrifft, so gibt es eben solche und solche Phasen und an den letzten Wochenenden war ich immer unterwegs (Snowboarden und Theaterworkshop), also blieb mir gar nicht so viel Zeit…oh und außerdem magst du es doch, wenn man dich ein wenig quält 😛

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