Spielzeug

Wie selten begegnet man einem Menschen wie Sengo. Er versteckt sich ein wenig, aber das macht ihn kein Stück weniger interessant und er liebt die Frauen, vielleicht ein wenig zu sehr. Da ist er mit sich selbst im Zwist, denn meist ist es sein Herz, das nach mehr schreit und dann doch getreten am Boden liegt. Aber das Beachtliche daran ist, dass er das mit einer geradezu stoischen Ruhe hinnimmt. Innerlich mag es ihn treffen, aber er setzt dann einfach sein Lächeln wieder auf und zieht weiter. Immer weiter. Vermutlich längst mit der Gewissheit, niemals anzukommen. Wo eigentlich ankommen? Somit lebt er wohl nun in einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber er hat wohl genügend Taschenspielertricks übrig, um auch über die weiteren Runden zu kommen.

Sein Geheimnis ist wohl die Erinnerung. Immer wenn er am Boden liegt, dann erinnert er sich und versackt dabei nicht, sondern zieht den damals gefühlten Genuss heraus. So wie bei Maraka. Sie war gute zehn Jahre jünger als er, aber eben doch schon volljährig, als sie sich kennenlernten. Amüsanterweise war er es, der von ihr lernte und nicht umgekehrt. Er war schon immer sehr lernwillig und wenn er dabei einer anderen Person Freuden bereiten konnte, dann ließ er sich von einem Wort wie Analingus nicht stoppen, sondern hörte in seinem inneren Ohr stattdessen die Worte von Samuel Jackson, der zu seiner Begleitung ein „It’s my duty to please that booty“ raunte. Diese Erinnerung schob er vor, als die Liebe mal wieder einen Anderen gefunden hatte.

Es war weniger die Erotik in der Erinnerung als viel mehr die Einsicht, dass ihm das Leben so viele verschiedene Eindrücke geschenkt hatte und er immer offen dafür war. Kein angewiderter Blick, sondern die pure Neugier und den Wunsch, die eigene Lust mit der Lust einer Gespielin zu paaren. Womöglich muss es Menschen wie Sengo geben, die sich ihrem Schicksal ergeben. Sie sind wohl mehr ein Spielzeug, aber wenn man sich dieser Rolle bewusst ist und sie akzeptiert, dann gibt einem das Leben viele Momente des Schmunzelns. Es ist eigentlich die einfachste Form des Lebens, denn man muss sich keiner Pflicht hingeben und man darf dennoch genießen. Nur die Einsamkeit, die muss man lernen zu ertragen, aber müssen wir das nicht alle?

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

25 Kommentare zu „Spielzeug“

  1. Kann man denn Alleinsein mit Einsamkeit gleich setzen? Für mich sind die stärksten Menschen diejenigen, die es aushalten können, allein zu sein- auch wenn natürlich jede Liebe ihre Vorzüge hat…

  2. hmm, wahrscheinlich war das dann nur bei mir eine erste Assoziation, die der Text über Sengo hervorgerufen hat… und beim nochmaligen Durchlesen hab ich auch mehr die Art Einsamkeit verstanden, die du meinst…

    1. Ist vermutlich einfach die unterschiedliche Auffassung von Alleinsein und Einsamkeit gewesen, die da problematisch war. Hab mich auch gefragt, ob ich das falsche Wort benutzt habe, aber ich bin mir doch sehr sicher 😉

      1. Ne das passt schon super…da waren nur in meinem Kopf ein paar Knoten 😉 Ich glaub das Alleinsein irgendwie in Einsamkeit drin steckt, wobei Einsamkeit noch viel mehr umfasst:Einsamkeit ist für mich eher subjektiv, und Alleinsein kann man auch objektiv betrachten… naja egal, das geht jetzt zu weit 😉 Aber in deinem text passt Einsamkeit doch sehr gut.

  3. Ist Einsamkeit von Angst zu trennen? Wenn ich Angst habe ist es doch meist die Angst Einsam zu sein. Die Angst verlassen zu werden, weil ich dann Einsam wäre. Es mag nicht immer zutreffen, aber Einsamkeit ist doch die größte Angst und manchmal blicke ich zurück und frage mich, ob ich nicht die ganze Zeit schon einsam war, oder einsam bin oder eben doch irgendwie einsam sein werde.
    Da hilft nichts, als sich aufzuraffen und weiter zu gehen, sage ich mir dann, aber wer außer einem selbst vertreibt dann die Einsamkeit. Und überhaupt, sind es im Grunde nicht nur wir selbst die uns einsam machen?

    1. Also Angst und Einsamkeit sind für mich doch zwei unterschiedliche Dinge. Meine höchste Angst könnte ich dir gar nicht benennen. Einsamkeit mag schon eine Form von Angst sein, aber es ist für mich vor allem ein Gefühl, das ich bekomme, wenn ich plötzlich allein bin. Also als Gegenbeispiel: ich fühle mich nicht einsam, wenn ich morgens allein aufwache, weil ich das gewohnt bin. Aber ich fühle mich durchaus einsam, wenn ich eben noch mit guten Freunden tanzte und sie dann pärchenweise verabschiedete, bis ich mich allein auf meinem Heimweg befinde. Dann kann jenes Gefühl der Einsamkeit entstehen. Man ist also nicht einsam, nur weil man allein ist und ja, da ist natürlich eine Angst zugange, eine Angst vor dem Alleinsein vermutlich. Dennoch ist es (für mich) eben nur ein temporärer Zustand, mit dem ich umzugehen gelernt habe.

      1. Diesen temporären Zustand kenne ich und ich versuche stets auf Neue mit ihm umzugehen, doch da ist auch diese Grundlegende Angst zu bemerken, dass ich einsam bin, auch wenn ich es gar nicht bin. Es ist schwer zu erklären, aber es ist so ähnlich, wie als ob das Glück ein Lied trällern würde und dort stets so ein misstönender Klang, einem Tinitus gleich, die Melodie verunglimpfen würde. Mag nur mir so gehen, und tritt auch nicht immer auf, doch häufig höre ich solch einen Ton und dann kommt die Angst…

      2. Was du beschreibst erinnert mich an den Zustand, den ich nach einer ganz besonderen Beziehung hatte. Es gab Momente, in denen erinnerte ich mich an sie. Es wurde irgendwie ausgelöst und es war, als konnte ich direkt spüren, wie ich gleich wieder mittendrin sein würde in jenem Gefühl des Verlustes und der Einsamkeit. Ganz selten gibt es das sogar noch immer auf jene besondere Lady bezogen, aber mittlerweile habe ich keine Angst mehr von jenen Situationen, weil sie nun vergangen ist und ich das auch tatsächlich verstanden habe, wenngleich ich nicht genau weiß, warum und wann das geschah, aber es brauchte eine lange Zeit, das weiß ich noch.

  4. Genau zu dieser Thematik habe ich mich vor kurzem mit einer Reiki-Meisterin unterhalten. Sie bezog sich auf das Buch „Das Geheimnis des Herzmagneten“. Auf Deine Story bezogen würde ihre Erklärung aussagen, dass er ein Mensch ist, der sich zwar nach Nähe und echter Liebe sehnt, aber nicht in der Lage ist, Nähe zuzulassen. Da man das anzieht, was man nach außen (unterbewusst) ausstrahlt, zieht er genauso Menschen an, die gern Nähe hätten, aber Angst davor haben. So hat er tollen Sex, viele Bekanntschaften, aber keine tiefen Gefühle… Er muss einen Weg finden, seine Schutzmauern einzureissen, wenn er an den Begegnungen etwas ändern möchte…

  5. „…meist ist es sein Herz, das nach mehr schreit und dann doch getreten am Boden liegt“… Er WILL es anders 😉 Er könnte damit anfangen nach den Ursachen zu forschen, warum er sein Herz irgendwann verschlossen hat, um es zu schützen, die Situation(en) bearbeiten und dann verarbeiten. Sie aus der Schublade holen, in welche er die Ereignisse weggeschlossen hatte und sie bewusst ansehen… Das könnte ein erster Schritt sein…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s