Wer nur?

Mag sich eigentlich die österreichische Person zu erkennen geben, die die Zahl der Aufrufe in den letzten Tagen so sprengt? Ich fühle mich wirklich geehrt und freue mich, dass die Beiträge so interessant sind, aber keine Likes und keine Kommentare, da tappe ich ja vollkommen im Dunkeln. 😀

Wiedersehen

Nur ein Blick – und man erkennt ein bekanntes Gesicht hinter der Autoscheibe.

Nur eine Umdrehung – und das Auto ist geparkt.

Nur einige Sekunden – und alle anderen wurden begrüßt.

Nur eine Umarmung – und die Tränen laufen uns vor Freude die Wangen herab, während die Zeit still steht und die Welt herum verschwindet.

Stumm

Vor einigen Tagen verlor ich meine Stimme,

der Grund war ganz einfach, dass etwas nicht stimmte.

Verstimmt war ich, nicht in der Laune und nicht im Magen,

etwas bereitete meiner Gesundheit unbehagen.

So lag ich also und stimmte den Tod fröhlich,

aber es war nur eine Erkältung, wie gewöhnlich.

Und so stimme

ich meine Stimme,

bis der Ton wieder stimmt

den sie nimmt.

Denn ohne Stimme verliert man Versmaß, Reim und Metrum

und so macht ein Gedicht niemanden stumm.

verirrt

Hallo du kleiner Spatz,

du bist wohl vollkommen wahnsinnig, dich auch meinem kahlen Balkon niederzulassen. Klar, es regnet und stürmt, aber auch wenn du hier Schutz vor den dicken, nassen Tropfen findest, was machst du gegen den eiskalten Wind, der deinen Flaum und deine kleinen Federn emporbläst, der dich so frieren lässt? Wie gern würde ich dir jetzt eine kleine Hütte hinstellen, aber damit würde ich dich sofort verscheuchen und das will ich nicht. Ich will dich doch später wieder meckern hören, du kleiner Spatz.

…und blind laufen wir hinterher…

Ja, wir Deutschen haben es ja gelernt. Zwei Weltkriege und besonders der blinde Gehorsam, das haben wir ja jetzt endlich überwunden. Ja, wir werden nicht mehr blind den hohlen Phrasen einer Person folgen und sie begeistert glauben…niemals wieder. Ein Sozialdemokrat darf natürlich auch mal gegen die Richtung schießen, das ist nicht weiter wild, das war nur ein Ausrutscher. Nein…wobei, wir sagen ja auch gar nichts gegen unser System, das überlassen wir gern Menschen mit Migrationshintergrund, das ist ja im Prinzip so, als würde ein Jude einen Judenwitz machen, der darf das, dann ist das natürlich weder antisemitisch noch rassistisch. Also ja, kaufen wir uns „Mein Kampf“ ähm… „Deutschland schafft sich ab“ ähm… „Deutschland von Sinnen“…denn ja, das stimmt ja schon irgendwie auch so ein wenig, hie und da. Lassen wir uns doch einfach einreden, dass hier in Deutschland alles falsch läuft und wir Deutschen dem Untergang geweiht sind. Wir werden alt und homosexuell und deswegen sterben wir in den nächsten Jahrzehnten aus…

Ja es gibt Probleme in diesem Land. Wie könnte es auch anders sein, das hier ist nicht Schlumpfhausen (und nein, eine Diskussion über den offensichtlichen Antisemitismus bei den Schlümpfen will ich nicht starten). Wir leben in einem Land, dem es gut geht. Wir profitieren von einem System, welches die Armen ärmerer Länder dazu nutzt, uns zu versorgen und wir profitieren von den Reichen ärmerer Länder, die unsere teuren Güter haben wollen. Und nun fürchten wir uns davor, dass manche der Armen zu uns kommen? Wir fürchten uns davor, dass sie auch weiterhin die Arbeit für uns erledigen, die wir nicht tun wollen? Aber nein, wir fürchten uns nur vor denen, die unser Sozialsystem ausnehmen wollen. Haben wir uns endlich mal wieder ein Feindbild geschaffen. Deutschland wird untergehen.

Mir ist egal, ob es Wahrheiten in den Worten irgendwelcher Blender gibt, denn ich brauche ihre Wut und ihren Hass nicht. Haben wir ein Problem mit der Demokratie? Nein, haben wir nicht, die ist in ständiger Gefahr, verloren zu gehen, aber das liegt in ihrem Wesen. Jede Staatsform hat einen Punkt, an dem sie angreifbar ist und es liegt allein an uns, ob wir das zulassen oder etwas dagegen unternehmen. Es gibt genug zu tun. Wenn ihr den Parteien und Politikern nicht vertrauen wollt, weil ihr sie für Lobbyisten haltet, dann schaut eben in regionaler Sicht, was ihr verändern könnt. Aber viel wichtiger ist es, wieder zu hinterfragen, was man liest und zu hören bekommt. Was will ein Mensch, der offen gegen das System schimpft, das ihn zu Wohlstand brachte? Muss ich einer solchen Person (meinen) Glauben schenken?

Dies ist meine Meinung und auch diese sollte und muss hinterfragt werden. Widersprüche sind erlaubt und auch erwünscht, ja sogar hitzige Diskussionen. Aber nur zu einem Ziel: neue Gedanken zu entwickeln und sich zu hinterfragen. Und nur unter einer Prämisse: sich zuhören zu wollen. Wer sich angegriffen fühlt und einfach nur zurückschlagen will, der darf sich erst eingeladen fühlen, wenn er zehnmal tief einatmet, bevor der erste Buchstabe getippt wird, das sollte genügen, um die Gedanken ordnen zu können und einen Blick auf sich selbst zu werfen.

 

und noch ein kleines Post Scriptum:

natürlich könnte man nun sagen, dass solche Bücher ja ebenso ein Denkanstoß sein können und vermutlich könnten sie das auch, aber hauptsächlich tun sie eines, nämlich Lager zu schaffen und zu spalten und genau deswegen habe ich so ein Problem mit ihnen.

Gute Idee = üble Idee

Es war eine großartige Idee, hatte ich gedacht. Ein Freund hatte mich mit auf den Fischkutter seines Vaters mitnehmen wollen. Ich liebte das Meer schon immer und die Frage, ob ich seekrank werden würde, verneinte ich sofort, wenngleich ich mich an mein jüngeres Ich erinnerte, welches die Kirschen über die Reling spie, die es zuvor gegessen hatte. Kein Filmeffekt sah jemals so blutig aus, wie jene vorverdauten Stückchen, die sich im Meer verteilten. Aber das war Jahre her und meine Liebe zum Meer würde doch wohl über meinem Magen stehen, so dachte ich.

Als wir ausliefen, schien die Sonne und das Meer war ruhig. Ich hatte nicht geahnt, wie lang man unterwegs ist, bis man die Netze auswirft, aber dafür wurde ich mit einer der dunkelsten Nächte meines Lebens belohnt. Ich hatte bereits zuvor die Milchstraße sehen können, aber nie in der Größe. Niemals hatte ich all die kleinen Lichter sehen können. Die Netze waren bereits ausgeworfen, wobei ich dabei nicht mithelfen durfte, der Kapitän hatte Angst, dass es mich dabei über das Geländer werfen würde. Auch das Einholen ging ohne mich vonstatten, dafür half ich beim Ausnehmen der Fische und war ganz stolz auf mich selbst, dass es mich nicht anekelte.

Und nun sitzen wir fest in diesem Sturm. Wobei von fest und sitzen eigentlich nicht die Rede sein kann. Das Wasser spritzt gegen die Scheibe und das Boot rollt von links nach rechts und wieder nach links…dieses Mal hing ich nicht über der Reling, der Kapitän hatte es mir verboten, er wusste, dass ich Landrate mich nicht halten können würde. Die Anderen auf dem Boot hatten etwas zu lachen, während mein Mageninhalt in die durchsichtig weiße Plastiktüte wanderte, dieses Mal nicht blutrot.

Heilfroh verließ ich das Boot. Das weite Meer würde wohl nicht so schnell mein Freund werden, aber in Küstennähe würde ich nur zu gern bleiben. Die nächsten Tage verbrachte ich geschwächt in dem alten Holzhaus meines Freundes. Ein Haus, wie ich es schöner nicht finden könnte. Die Maserung war zu deutlich unter dem abgeblätterten und ausgeblichenen Lack zu erkennen. Das Leben meint es gut…

Joggingrunde – Teil 5

Ja, hier war ein Kuss gefordert, doch so nah sich unsere Köpfe auch waren, es fehlten wenige Zentimeter oder eine biegbarere Wirbelsäule. Wir lösten uns nur für einen Moment, doch genau da erfasste uns die Unruhe der aufstehenden und verlassenden Leute, was auch uns dazu bewegte, aus dem Raum zu verschwinden.

Draußen sprach ein Mädchen Julia an und ich lief noch ein paar Meter weiter, wo ich mich dann umdrehte, so dass jenes Mädchen zwischen uns stand. Unsere Blicke wechselten heimlich aber ständig. Diese Blicke, die mehr sagten, als alles, was wir bis dahin jemals auszusprechen gewagt hätten. Julia wurde eingeladen noch mit in den Innenhof zu kommen, wo ein paar Leute Musik machten.

Man sah kaum mehr als die Konturen der Menschen, da es nur eine schwache Lampe bei den Musikern gab. Die meisten Zuhörer saßen auf dem kühlen Rasen und einige standen und bewegten sich, als würden sie im Wind wiegen. Julia war schneller als ich und stand bereits in der Runde, so dass ich mich ihr von hinten her nähern konnte, mit meinen Armen die ihrigen griff und diese um ihren Bauch legte, während ich meine Brust an ihren Rücken schmiegte.

Die Musik wurde lebhafter und wir gingen mehr ins Tanzen über. Gesicht sah in Gesicht, Hüfte berührte Hüfte und wieder war er da, der ewig langsame Moment, der nur zu gern ein ganzes Leben lang dauern dürfte. Endlich fanden sich unsere Lippen und so wie wir, tanzten nun auch unsere Zungen sanft umschlungen miteinander.

Es war mal wieder die Kälte, die uns nach einem Moment, der wohl mehrere Lieder lang war, wieder zu uns brachte. Es brauchte nicht viele Worte, bis wir beschlossen, nach Hause zu radeln. Wir nahmen den Weg durch den Park, weil Julia kein Licht am Rad hatte. Irgendwer rief uns auf der Fahrt mal etwas zu, aber außer ein paar dunklen Gestalten bemerkte ich nichts und ließ mich auch nicht beirren.

Es war ein dünner Durchgang in den hinteren Teil des Hauses, wo Julia ihr Rad abstellte. Wir küssten uns wieder und sie löste sich. Ihr Blick drückte eine Entschuldigung aus, die sofort folgte. Sie hatte Besuch von ihrer Schwester, sonst hätte sie mich mit nach oben genommen. Ich grinste über ihre Worte. Nicht, dass ich es mir nicht gewünscht hätte, ihr nach oben zu folgen, aber ich hatte gar nicht damit gerechnet. Dieser Abend war perfekt und sollte sich erst einmal in unserem eigenen Inneren ausbreiten, uns selbst einnehmen. Das Grinsen verließ mich nicht mehr, bis ich selig in meinem eigenen Bett einschlief.

Joggingrunde – Teil 4

Beim Abräumen des Tisches kamen wir endlich auf die Idee, Julias Mitbewohnerin eine Mail zu schreiben und so kümmerte ich mich um den Abwasch, während im Wohnzimmer leise die Tasten klapperten und meine Telefonnummer einer weiteren Person bekannt gegeben wurde. Früher wäre das keine Möglichkeit gewesen, also wie hat man damals so ein Problem gelöst? Klar, man merkte sich einfach die Telefonnummern und das Frühstück hätte man dann umso mehr genießen können.

Es dauerte nicht lang, bis mein Handy klingelte und Julia mit ihrer Mitbewohnerin telefonierte, welche sie direkt bei mir abholen würde, was für mein Empfinden viel zu schnell geschah. Den Rest des Sonntags hatte ich ebenso wie sie verplant und so tauschten wir außer einigen Kurznachrichten auch die darauffolgenden Tage nichts aus bis wir uns am Freitag wiedersehen sollten.

Wir trafen uns im Dachgeschoss eines Wohnblocks zu einer Filmvorführung. In den Wohnungen dieses Hauses tummelten sich Studenten und Althippies, was seinen ganz eigenen, angenehmen Charme hat. Die meisten dieser ergrauten und faltig gewordenen Blumenkinder scheinen irgendwo in den 60ern hängen geblieben zu sein und erzählen gleich einer hängengebliebenen Schallplatte von ihren Ideen und Idealen, die sie dann eben leider doch nicht verwirklichen. Aber dennoch habe ich sie ungemein gern und viel lieber als die, die ich gern die Neo-Hippies nenne. Leute, die mit Regenbogenmütze auf Bob Marley machen und dich dabei abschätzig anschauen. Die Liebe ist ihnen abhanden gekommen und die Kleidung scheint das zu sein, worum es ihnen geht. Man trägt lieber das Profil eines Freiheitskämpfers auf dem T-Shirt, als die Welt verbessern zu wollen. Die Neo-Hippies sind mir deswegen ebenso suspekt wie das Gros der Linken, die sich für ach so offen und aufgeklärt hält, aber eben doch nur die ewig gleichen Slogans raushaut und alle Anderen abschätzig betrachtet.

Im Dachgeschoss war außer einem Althippie nur ein paar lässig gekleidete Studenten unterwegs und eben Julia. Mein Blick fiel auf ihre eigentlich unauffälligen Sneaker. Keine Stiefel oder gar hochhackige Schuhe, die hätten hier zwar eh nicht reingepasst, aber was ich daran zu schätzen weiß, ist die Tatsache, dass sie sich ihrer Ausstrahlung bewusst ist und sich an keine Hilfsmittel klammern muss, um Eindruck zu schinden. Wenn wir jetzt vor der Welt davonlaufen müssten, dann wäre sie womöglich die schnellere von uns beiden.

Wir schnappten uns die bis dahin noch leere Couch, bevor sie jemand anderes in Beschlag nehmen konnte und warteten bei einem Glas Weißwein darauf, dass der Projektor endlich den Film auf das weiße Bettlaken warf, das an der Dachschräge hing. Der Film handelte von einem Fuchs, der seinen verlorenen Schwanz zurückbekommen wollte. Die animierten Figuren sprachen auf Englisch und der Hauptfigur wurde von George Clooney die Stimme geliehen. Er hat einen beruhigenden Ton und es ließ mich schmunzeln, was Julia bemerkte, doch ich flüsterte ihr nur zu, dass ich es ihr später erklären würde.

Was mich dann irgendwann aus dem Film riss, war die Kälte, die plötzlich ins Dachgeschoss zog. Der Althippie hatte zu Beginn das Fenster aufgerissen und vergessen es zu schließen. Auch Julia schien zu frieren und so bot ich ihr an, sich an mich zu kuscheln. Es war als würden wir uns schon ewig kennen, denn sie nahm ohne mit der Wimper zu zucken eine Position zwischen meinem linken Arm und meiner Brust ein und ebenso natürlich landete danach ein Kuss auf ihrem braunen Haar.

Der Film war dann doch recht schnell vorbei, doch wir verharrten noch in dieser Position, bei der ich mich fragte, wie bequem sie eigentlich für Julia war. Ich streichelte kaum spürbar über ihren Arm und sie drehte den Kopf in Richtung meines Gesichts. Das ist so ein Moment, in dem es sich anfühlt, als würden unsere Lippen an eine unsichtbare Kugel geheftet sein, die in Zeitlupe implodiert.