Joggingrunde – Teil 5

Ja, hier war ein Kuss gefordert, doch so nah sich unsere Köpfe auch waren, es fehlten wenige Zentimeter oder eine biegbarere Wirbelsäule. Wir lösten uns nur für einen Moment, doch genau da erfasste uns die Unruhe der aufstehenden und verlassenden Leute, was auch uns dazu bewegte, aus dem Raum zu verschwinden.

Draußen sprach ein Mädchen Julia an und ich lief noch ein paar Meter weiter, wo ich mich dann umdrehte, so dass jenes Mädchen zwischen uns stand. Unsere Blicke wechselten heimlich aber ständig. Diese Blicke, die mehr sagten, als alles, was wir bis dahin jemals auszusprechen gewagt hätten. Julia wurde eingeladen noch mit in den Innenhof zu kommen, wo ein paar Leute Musik machten.

Man sah kaum mehr als die Konturen der Menschen, da es nur eine schwache Lampe bei den Musikern gab. Die meisten Zuhörer saßen auf dem kühlen Rasen und einige standen und bewegten sich, als würden sie im Wind wiegen. Julia war schneller als ich und stand bereits in der Runde, so dass ich mich ihr von hinten her nähern konnte, mit meinen Armen die ihrigen griff und diese um ihren Bauch legte, während ich meine Brust an ihren Rücken schmiegte.

Die Musik wurde lebhafter und wir gingen mehr ins Tanzen über. Gesicht sah in Gesicht, Hüfte berührte Hüfte und wieder war er da, der ewig langsame Moment, der nur zu gern ein ganzes Leben lang dauern dürfte. Endlich fanden sich unsere Lippen und so wie wir, tanzten nun auch unsere Zungen sanft umschlungen miteinander.

Es war mal wieder die Kälte, die uns nach einem Moment, der wohl mehrere Lieder lang war, wieder zu uns brachte. Es brauchte nicht viele Worte, bis wir beschlossen, nach Hause zu radeln. Wir nahmen den Weg durch den Park, weil Julia kein Licht am Rad hatte. Irgendwer rief uns auf der Fahrt mal etwas zu, aber außer ein paar dunklen Gestalten bemerkte ich nichts und ließ mich auch nicht beirren.

Es war ein dünner Durchgang in den hinteren Teil des Hauses, wo Julia ihr Rad abstellte. Wir küssten uns wieder und sie löste sich. Ihr Blick drückte eine Entschuldigung aus, die sofort folgte. Sie hatte Besuch von ihrer Schwester, sonst hätte sie mich mit nach oben genommen. Ich grinste über ihre Worte. Nicht, dass ich es mir nicht gewünscht hätte, ihr nach oben zu folgen, aber ich hatte gar nicht damit gerechnet. Dieser Abend war perfekt und sollte sich erst einmal in unserem eigenen Inneren ausbreiten, uns selbst einnehmen. Das Grinsen verließ mich nicht mehr, bis ich selig in meinem eigenen Bett einschlief.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

9 Kommentare zu „Joggingrunde – Teil 5“

  1. Wunderbar runde Serie. Gerade nochmal in einem Rutsch alles gelesen. Paßt. Du kehrst genau zu der Stimmung von Teil 1 zurück. Gefällt mir ungemein. Bravo, Ben. macht Spaß, es zu lesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s