…und blind laufen wir hinterher…

Ja, wir Deutschen haben es ja gelernt. Zwei Weltkriege und besonders der blinde Gehorsam, das haben wir ja jetzt endlich überwunden. Ja, wir werden nicht mehr blind den hohlen Phrasen einer Person folgen und sie begeistert glauben…niemals wieder. Ein Sozialdemokrat darf natürlich auch mal gegen die Richtung schießen, das ist nicht weiter wild, das war nur ein Ausrutscher. Nein…wobei, wir sagen ja auch gar nichts gegen unser System, das überlassen wir gern Menschen mit Migrationshintergrund, das ist ja im Prinzip so, als würde ein Jude einen Judenwitz machen, der darf das, dann ist das natürlich weder antisemitisch noch rassistisch. Also ja, kaufen wir uns „Mein Kampf“ ähm… „Deutschland schafft sich ab“ ähm… „Deutschland von Sinnen“…denn ja, das stimmt ja schon irgendwie auch so ein wenig, hie und da. Lassen wir uns doch einfach einreden, dass hier in Deutschland alles falsch läuft und wir Deutschen dem Untergang geweiht sind. Wir werden alt und homosexuell und deswegen sterben wir in den nächsten Jahrzehnten aus…

Ja es gibt Probleme in diesem Land. Wie könnte es auch anders sein, das hier ist nicht Schlumpfhausen (und nein, eine Diskussion über den offensichtlichen Antisemitismus bei den Schlümpfen will ich nicht starten). Wir leben in einem Land, dem es gut geht. Wir profitieren von einem System, welches die Armen ärmerer Länder dazu nutzt, uns zu versorgen und wir profitieren von den Reichen ärmerer Länder, die unsere teuren Güter haben wollen. Und nun fürchten wir uns davor, dass manche der Armen zu uns kommen? Wir fürchten uns davor, dass sie auch weiterhin die Arbeit für uns erledigen, die wir nicht tun wollen? Aber nein, wir fürchten uns nur vor denen, die unser Sozialsystem ausnehmen wollen. Haben wir uns endlich mal wieder ein Feindbild geschaffen. Deutschland wird untergehen.

Mir ist egal, ob es Wahrheiten in den Worten irgendwelcher Blender gibt, denn ich brauche ihre Wut und ihren Hass nicht. Haben wir ein Problem mit der Demokratie? Nein, haben wir nicht, die ist in ständiger Gefahr, verloren zu gehen, aber das liegt in ihrem Wesen. Jede Staatsform hat einen Punkt, an dem sie angreifbar ist und es liegt allein an uns, ob wir das zulassen oder etwas dagegen unternehmen. Es gibt genug zu tun. Wenn ihr den Parteien und Politikern nicht vertrauen wollt, weil ihr sie für Lobbyisten haltet, dann schaut eben in regionaler Sicht, was ihr verändern könnt. Aber viel wichtiger ist es, wieder zu hinterfragen, was man liest und zu hören bekommt. Was will ein Mensch, der offen gegen das System schimpft, das ihn zu Wohlstand brachte? Muss ich einer solchen Person (meinen) Glauben schenken?

Dies ist meine Meinung und auch diese sollte und muss hinterfragt werden. Widersprüche sind erlaubt und auch erwünscht, ja sogar hitzige Diskussionen. Aber nur zu einem Ziel: neue Gedanken zu entwickeln und sich zu hinterfragen. Und nur unter einer Prämisse: sich zuhören zu wollen. Wer sich angegriffen fühlt und einfach nur zurückschlagen will, der darf sich erst eingeladen fühlen, wenn er zehnmal tief einatmet, bevor der erste Buchstabe getippt wird, das sollte genügen, um die Gedanken ordnen zu können und einen Blick auf sich selbst zu werfen.

 

und noch ein kleines Post Scriptum:

natürlich könnte man nun sagen, dass solche Bücher ja ebenso ein Denkanstoß sein können und vermutlich könnten sie das auch, aber hauptsächlich tun sie eines, nämlich Lager zu schaffen und zu spalten und genau deswegen habe ich so ein Problem mit ihnen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

4 Kommentare zu „…und blind laufen wir hinterher…“

  1. Lass uns eine Partei gründen.

    Nein, ich hatte aber wirklich schon überlegt, einzutreten in eine Partei. Nur: Welche?! Vieles, was die Parteien in den letzten 15 Jahren taten, waren sie an der Macht, hätte nicht meine Unterstützung gefunden. Also weder CDU, noch SPD und schon gar nicht die Grünen mit ihren wundervollen Erfindungen wie dem Dosenpfand…

    1. Also einer Partei beizutreten, ist eine Überlegung, die mir auch schon mehrmals kam. Aber eigentlich ist das ja auch wieder so ein Denkfehler, den ich bei uns Deutschen sehe. Also nicht den Eintritt, sondern das Bestehen auf eine Partei, denn eigentlich braucht es solch eine gar nicht, aber wer ohne Partei antritt, hat schlechte Karten, solch eine Person wird nicht oder kaum gewählt, das ist schade. Somit ist die Idee, eine eigene Partei zu gründen schon recht naheliegend, aber auch da stellt sich die Frage, wie man es schafft, jedes Mitglied mitwirken zu lassen? Wie schafft man es, dass jeder den Diskurs vorantreibt, ohne dass die Masse an Stimmen eine Diskussion erdrückt? Eine Frage, die ich mir stelle, seitdem ich mich politisch interessiere…aber bleiben wir bei der Idee und hängen uns nicht an Problemen auf. Hast du schon einen Namen? Wie wär es mit „freier Wille“? 😀

      Zu deiner Anmerkung zum Dosenpfand: Ich habe mich damit nie auseinandergesetzt, daher bin ich kein Gegner jenes Dosenpfands. Aber da ist es eben wieder meine Unwissenheit, die mich dazu verleitet, es gut zu finden. Für mich gibt es zwei Punkte, die dafür sprechen:
      1. keine Dosen, die rumliegen (ich kenne das Bild tatsächlich nur zu gut und erinnere mich an den Unterschied, denn auf meinem Schulweg sah ich ständig Dosen auf irgendwelchen Rasen (gibts davon einen Plural?) liegen.
      2. durch den Pfand sind weniger Dosen im Umlauf und somit wird auch weniger Alu durch solche Dosen aufgenommen, welches nach neuesten Erkenntnissen (ja, das darf man natürlich auch anzweifeln) eines der Gründe für Knochen- und Blutkrebs ist.
      Dies sind für mich klare Punkte, warum der Dosenpfand für mein Verständnis gut ist und wenn dadurch mehr Kosten entstanden sind, dann fände ich die gerechtfertigt, aber wie gesagt, ich bin da auch nicht weiter informiert und habe vermutlich einen blinden Fleck, den ich mir gern „erleuchten“ lasse 😀

      1. Also erleuchten ist nicht so mein Ding, aber Tatsache ist wohl, dass durch das Einwegpfand die Einwegflaschen große Beliebtheit erlangten und der Kauf von Pfandglasflaschen zurückging. Hier nur mal Zahlen zu den Glasflaschen: http://www.vku.de/abfallwirtschaft/klima-umwelt-und-ressourcenschutz/abfallvermeidung/beispiele-fuer-indirekte-abfallvermeidung.html?p=1

        Und ein Artikel generell: http://www.welt.de/wirtschaft/article112294412/Zehn-Jahre-Dosenpfand-brachten-Hass-in-Flaschen.html

      2. Nun, da gäbe es also nun ein weiteres Problem, das man angehen müsste. Aber auch da könnte man regulativ eingreifen. Oder man appelliert an die Vernunft der Verbraucher, denn ich schaue, dass ich Glasflaschen kaufe, soweit es möglich ist, für die andere Seite wäre politisches Handeln nötig. Mehr Müll kann nicht der Sinn sein und besonders PET, welches sich weitaus schlechter recyclen lässt, als allgemein bekannt, ist Unsinn, da bin ich ganz auf deiner Seite, aber es wird natürlich gern genommen, da wir Öl noch immer als billiges Gut betrachten, aus dem wir alles herstellen können, was wir brauchen. Die grundsätzliche Idee, mit dem Dosenpfand den achtlos weggeschmissenen Dosen Herr zu werden, hat durchaus funktioniert und eben ein weiteres Problem erzeugt, das nun wieder angegangen werden muss.
        Genau das ist ja Politik. Eine Veränderung herbeizuführen und dann die Konsequenzen zu beobachten, um dadurch entstehende Probleme wieder anzugehen.
        Danke für die Links, das war mir, wie bereits geschrieben, nicht bewusst.

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