Auf der Suche nach Ms Right

oder wie ich meine rechte Hand entdeckte

Die Liebe fürs Leben finden, das ist doch das Ziel, das einem eingeimpft wird. Tja und da steh ich nun in den Klamotten, die meine Mutter mir kaufte. Mein Gesicht ist nicht schön, doch die grüne Hornbrille packt noch einen drauf. So werde ich niemals ein Herz erobern, aber dafür habe ich zumindest einen besten Freund. Der hat so gar kein Problem damit, eine Frau klar zu machen, ebenso wenig, wie mein Vater und mein Bruder. Und meine Mutter, die braucht auch nie nach Blicken der Männer zu suchen, so wie diese ihr zufliegen. Also liegt es an mir. Die Haare sind hinten zu lang und vorn zu kurz, aber das ist gerade im Trend, ebenso wie die Hornbrille. Lerne ich ein Mädchen kennen, dann pocht das Herz und in Gedanken sehe ich uns gemeinsam den Schulweg spazieren. Es bleibt bei den Gedanken. Was wohl mein bester Freund so denkt, wenn er ein Mädchen kennenlernt?

Die Fantasien nehmen andere Bilder an, als mir die Macht meiner Hand bewusst wird. Ein Orgasmus jagt den nächsten, doch zu gutem Sex gehören eben doch zwei Personen und nicht fünf Finger, aber was weiß ich schon, wo es nicht einmal zu einem Kuss kam. Die Hornbrille weicht einem dünnen Gestell und die Haare werden auf einige Millimeter abrasiert. Das mag maskuliner wirken, mich aber nicht mehr zum Mann machen, der ich doch so sehr sein will. Und doch, irgendwie klappt es dann doch. Es ist das süßeste Mädchen der Klasse und ein Kuss ist mir vergönnt, danach wieder Handbetrieb, aber es wäre auch zu krass gewesen, wenn ich all die Level hätte überspringen können. Nö, stattdessen geht es wieder zurück auf Start, bis dann endlich mal doch ein Mädchen ebenso schüchtern wie ich, den Blick hinter all das wirft und erkennt, was da noch so vorhanden ist. Ein Mensch, der so viele Gedanken an die Welt verliert und dabei selbst so verloren wirkt.

Der Sex…ist nicht gut. Die Beziehung…ist noch schlechter. Und so bin ausgerechnet ich es, der ein Herz bricht. Das erste. Die Welt verändert sich, aber ich mich nicht. Es kommen doch immer mal wieder Frauen, aber sie gehen auch wieder. Der Spruch, dass man einfach nur man selbst sein müsste, er klingelt immer wieder und er wird gehasst. Er steht auf einem Zettel im gleichen Glas, in dem man auch „andere Mütter haben auch schöne Töchter“ oder „das wird schon“ findet. Jenes Glas habe ich fest verschlossen und in die dunkelste Ecke gestellt, damit es nicht nervt mit seinen Aussagen. Und irgendwann sind sie egal. Die Frauen? Ja, irgendwie schon, aber eigentlich eher die falschen Wunschträume. Das Leben bietet so vieles an, aber ich konnte es nicht sehen, weil mein Blick nur nach dem einen lächelnden Gesicht suchte, da irgendwo in der Menge.

Mein Leben war plötzlich frei, es wollte sich nicht mehr eines Weges begnügen, den andere beschrieben hatten. Auf diesem Weg begegnen mir plötzlich so viele lächelnde Gesichter, doch wen interessiert es schon, denn andere Mütter haben auch schöne Töchter. Einem gebrochenen Herzen rufe ich hinterher, dass das schon werden wird, während ich gleichzeitig in die Sonne blicke. Aha, so ist das also. Und plötzlich steht da der kleine Junge mit Hornbrille vor mir, die sind schon wieder voll im Trend… „hör nicht auf DIE“, will ich ihm sagen, aber er würde es nicht verstehen. Er findet schon seinen Weg und ist dabei die Person, die er eben ist. Irgendwann. Wenn er bis dahin die Frisur von MacGyver tragen muss, dann ist das eben sein Leidensweg. Aber seine Gedanken, die werden immer die seinen sein.

fernab (Teil 1)

Mit dem letzten Geld hatte ich mir ein Auto gekauft, es vollgetankt und bin einfach verschwunden. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas zurück zu lassen, so ein Gedanke kam mir nie und sie machten es mir auch leicht. Sie, die wussten, wie man sein Leben zu leben hat. Sie, die Vorsorge treffen, Pläne machen und alt werden. Sie, die einen unwohl fühlen lassen, weil man einfach nur lebt. Wenn es darum geht, warum ein Mann mit mehreren Frauen schläft, dann kommen sie dir mit evolutionären Erklärungen, aber wenn es um mein Leben geht, dann gelten diese Erklärungen etwa nicht mehr? Die haben damals doch auch nicht auf der Couch gesessen, sind dick geworden und haben sich den Kopf zerbrochen, wie sie ihren Lebensabend verbringen. Stattdessen waren sie unterwegs, bauten ein neues Zuhause zum Überwintern und zogen weiter. Scheint mir verdammt menschlich zu sein so zu leben. Die Sporttasche mit meinen Klamotten hatte ich auf die Rückbank dieser verrosteten Klapperkiste geschmissen. Eine Karre ohne Dach, die viel mehr Freiheit bot, als es der Balkon tat, wenn man sich darauf in die Sonne legte. Zu sehr engten die Wände ein, selbst wenn man nicht direkt zwischen ihnen saß, denn sie holten einen selbst dort draußen ein.

Neben mir saß dieser süße Engel von letzter Nacht. Sie bezeichnete sich selbst als gestört und für sie würde das hier nichts weiter als ein kurzer Trip sein, von dem sie wieder zurück in ihr Leben kehren würde. Ja, sie war tatsächlich kaputt, vermutlich von den gleichen Regeln, die auch mich fliehen ließen. Aber sie versuchte ihren Wunsch nach Freiheit mit dem sogenannten bürgerlichen Leben zu verbinden und ich wünschte ihr, dass sie den Weg dazu findet, ich konnte oder wollte ihn einfach nicht sehen. Und warum sollte ich auch, wenn ich nur die Freiheit brauchte. Ich wollte keinen riesigen Fernseher und auch keine Designermöbel. Allein meine Schreibmaschine war mir wichtig, wobei zur Not auch ein Notizbuch und ein Kuli taugten. Das beruhigende Brummen des Motors tat sein Übriges, wenngleich zumindest das in absehbarer Zukunft ein Problem werden könnte.

„Mach dir keinen Kopf, die nächste Tankfüllung geht auf mich.“, sagte sie mir und ich fragte mich, ob sie meine Gedanken lesen konnte. „Ich dachte, du hättest kein Geld?“, erwiderte ich und sah ihr Grinsen, während sie mir gestand, beim Tanken zuvor dem Verkäufer einen geblasen zu haben. Das schockte mich doch gewaltig: „Warum hast du das denn gemacht?“, „Nun, dich hätte er wohl nicht rangelassen, also verurteile mich nicht.“ Das verlangte nach Aufklärung: „Glaubst du, ich verurteile dich? Deswegen bin ich nicht sauer. Du darfst tun und lassen, was du willst. Aber meine Reise bezahle ich selbst und nicht mit dir.“ Einen kurzen Moment lang herrschte Stille, die ich dann doch brechen musste, weil mich die Erinnerung nicht los ließ und ich lachen musste: „Jetzt weiß ich wenigstens, warum der Kerl mich so angegrinst hatte, als ich vom Klo kam. Ich fragte mich schon, ob der ne Kamera versteckt hat oder ob er sich nur einfach ebenso sehr für meine Erleichterung freute, wie ich.“ Der Sache war damit für mich erledigt und offensichtlich für meinen nicht ganz so unschuldigen Engel neben mir ebenso.

Und so überfährt es einen…

Es ist nur ein Lächeln. Es strahlt aus den wunderbar blauen Augen und wandert über das gesamte Gesicht. Den ganzen Tag regnete es, aber jetzt in diesem Augenblick bricht die Wolkendecke auf, damit die Sonne durch das Fenster hinter dir hineinstrahlen kann. Größer könnte ein Lächeln nicht sein. Deine Lippen würde ich nur allzu gern auf den meinen wissen und meine sonst so zielstrebige Art versteckt sich in der letzten Ecke. Das ist kein typischer Flirt und das soll es auch nicht werden. Das ist das schönste Gefühl, für das es keine Erklärung und keine Logik gibt. Bleib du da sitzen! Bis in die Ewigkeit. Und ich verharre ebenso bis ans Ende aller Tage und nichts wäre verloren oder verschenkt.

Eintreten

„Der hat es ja auch nicht anders verdient“, dachte sich der Halbstarke, als er auf sein Opfer eintrat. Angewidert erfahren wir dies in den Nachrichten, um uns kurz darauf über im Internet über diesen Idioten lustig zu machen, der nicht blickte, dass eine Satire-Zeitung eben keine tatsächlichen Nachrichten herausbringt. Aber wir sind ja besser und der hat es ja auch nicht anders verdient…

p.s. dieser Text möchte die Gewalt nicht kleinreden, die von einer Person ausgeht, welche jemanden schlägt, tritt oder in irgendeiner anderen Form angreift oder verletzt. Diese ist inakzeptabel. Gleichwohl sehe ich die Gefahr, dass die gesamte Gesellschaft – und ebenso ich, als ein Teil von ihr – gar nicht mehr darauf achtet, wie man mit anderen Menschen umgeht. Man geht im Internet so lange auf eine Person los, bis man sich langweilt oder das nächste Opfer gefunden ist. Dieser Text soll nicht gleichsetzen, sondern bewusst machen, dass unser alltägliches Handeln verletzend sein kann.

Alte Schule eben

Mein Zenit war für diesen Abend eigentlich schon erreicht, aber meine Freunde wollten unbedingt noch weiterziehen und es fiel mir zu schwer, ihnen nicht zu folgen. Natürlich sollten weitere Drinks meine Kehle hinablaufen, das war mir zuvor schon klar und gehörte dazu. Es tötete die schüchterne Ader, wenngleich das an jenem Abend unnötig erschien, denn erst nahm ich ihre Blicke wahr und nur einen Augenblick später sprach sie mich an.

Sie war Anfang zwanzig und eine Schönheit, wie man sie nur selten sieht. In solch einem Moment schätze ich mich einfach nur glücklich, denn ich weiß nicht, womit ich es verdient habe. Große Mandelaugen blickten mich an und so wie sie zuvor schon die Führung übernahm, ließ sie sich auch jetzt nicht das Heft aus der Hand nehmen. Solche Gespräche kommen schnell mal an einen toten Punkt, aber das sollte hier nicht der Fall sein, da war auf Aina, so ihr Name, verlass.

Irgendwann pausierte das Gespräch dann doch. Sie hatte es forciert, denke ich. Es war der Moment, in dem ich zum ersten Mal Initiative zeigte, denn ich war es, der sich zu ihr beugte, um sie zu küssen. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann glaube ich eher, dass sie mir allein das Gefühl geben wollte, hier mal der Mann zu sein. Wir tanzten noch ein wenig und gingen schlussendlich zu mir.

Es brauchte nicht lang, bis ich nur in Unterhose dastand und auch Aina behielt ihr Kleid nicht lang an und bot mir so einen Blick auf ihren Rücken. Ich öffnete ihren Büstenhalter und umfasste danach ihre Brüste. Sie griff meine rechte Hand und führte sie hinab zwischen ihre Beine. Der Moment riss mich aus meiner Trunkenheit, denn mir wurde schlagartig bewusst, dass sie zumindest an der Stelle ein Mann war. Mir schoss sofort mein Vater durch den Kopf, der alte Aufreißer. Was er wohl getan hätte, wenn er in solch eine Situation geraten wäre. Ich musste lachen und Aina drehte sich zu mir um. Sie war vermutlich voller Erwartung, wie ich weiter vorgehen würde. Mir blieb nur das Grinsen, doch meine Erregung war verschwunden.

Ich ging ins Bad um Aina einen Bademantel zu geben, ich selbst zog mir die Jeans wieder an, die ich nur kurz zuvor ausgezogen hatte. Mir war nach einer Zigarette zumute und fragte meine Bekanntschaft, ob sie auch eine wollte. Sie nickte nur und wir gingen auf den Balkon. Ich erklärte Aina, dass ich froh bin, sie kennengelernt haben zu dürfen, auch wenn ich nicht weitergehen könnte. Sie fragte mich, warum ich gelacht hatte und ich erklärte ihr, wie mein alter Herr darauf wohl reagiert hätte und das ich eben dies so amüsant fand. Er wäre wohl wütend geworden und außer sich, alte Schule eben. Aina wurde still und mir wurde klar, warum. Schon merkwürdig, dass wir eine Ausrede für die Leute parat halten, die ein Problem mit unserer neuen Welt haben und dabei gar nicht bemerken, wie wir damit den Leuten vor den Kopf stoßen, die jeden Tag den Mut aufbringen, diese neue Welt mitzugestalten.

Let’s do it with Honey!

und was hat das mit einem verstorbenen Musiker zu tun?

Ja, das ist schon eine besondere Geschichte mit Honey, so süßlich…ein wenig klebrig ist es natürlich, aber dafür so sinnlich. Oh, es geht ums Haarefärben, aber das war euch natürlich klar. Nach Mrs. Smiths Eintrag Let’s do it with Henna! kam mir dank einem Link von ihr die Lust, meine Haare ein wenig nachzufärben. Um mal kurz eine Erklärung zu geben: Ich habe das typische Asch- oder Straßenköterblond, naja, wohl eher Richtung braun…ach, so genau kann ich es gar nicht sagen, aber nachdem der Winter vorbei ist und sich die Natur verändert, war auch mir danach. Es sollte ebenso sonnig und fröhlich sein und so strich mir meine Friseurin blonde Strähnen ins Haar.

Nach Mrs. Smiths Eintrag wollte ich dann auch mal ganz natürlich „bleichen“ und das ist gar nicht so schwer. Vor Jahren hatte ich es mal mit Kamille versucht, aber abgesehen von dem Geruch, der mich den ganzen Tag verfolgte, passierte gar nichts. Und nun sollte es also Honig sein. Den könnte man sich direkt ins Haar massieren und einfach mal (und das ist tatsächlich der unangenehme Part) ein paar Stunden auf dem Kopf lassen. Man packt die Haare in Frischhaltefolie, damit nichts austrocknet und hin und wieder kribbelt es am Hals, wo man instinktiv hinlangt und wieder Honig am Finger hat. Man mischt den Honig natürlich vorher mit einer Spülung, um die Haare zu schonen und packt noch ne Vitamin-C-Tablette ins Gemisch, damit es keinen grünen oder blauen Farbstich gibt.

Tja und nun mal ganz ehrlich, so schlimm ist es nicht, aber man ist doch gewaltig froh, wenn man den Schmadder wieder auswäscht. Fünf Stunden war das Gemisch in meinen Haaren und empfohlen wird, es über die Nacht einwirken zu lassen. Dabei soll eine Mütze aufgesetzt werden, damit es warm ist und da kann ich mir für eine heiße Sommernacht aber bessere Dinge mit Honig oder mit Honey vorstellen 😉 . Stattdessen begann ich am frühen Abend und wusch es dann nach Mitternacht wieder aus. Der Geruch von Kakao, Kokos und Honig verfolgt einen dann noch ein wenig (wobei ich bei der Spülung auch einfach den Tipp von Mrs. Smith befolgte). Aber es hat funktioniert und ein wenig aufgehellt wurden sie, so dass ich gestern bei einer Feier als Nerd Nobain begrüßt wurde.

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Bei den Bildern erkennt man den Unterschied nur direkt beim Haaransatz, was die Bilder angeht, da werde ich vorm nächsten Mal ein wenig üben, damit man auch sieht, was ich zeigen will 😉 und hier noch die Mixtur, von der ich viel zu viel gemischt hatte (war so 80g Honig und ebenso viel Spülung):

Mischung

Und dann noch das Gesamtergebnis. Kein Nerd und auch kein Kurt 😉

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