Typisch Mann oder: Wenn sexuelle Belästigung nicht lästig ist…

Eine gute Freundin ließ mich verwundert in meiner Wohnung zurück. Die Freundschaft zerstört, weil die Gefühle für sie nicht sein durften. Ihr laufen die Tränen bereits über die Wangen und ich fühlte mich schuldig. Die Gedanken waren unsortiert und zerstörerisch. Nein, mit dem Auto unterwegs zu sein war nicht gut, aber später finde ich mich unter Freunden in einer Massendisko. Niemals wär ich dorthin, aber jener Abend war nicht zu retten und jede Ablenkung war willkommen. Ein Häufchen Elend, das in den großen Hallen schnell seine Freunde verlor, durchaus beabsichtigt, um allein zu sein. Allein unter hunderten tanzenden Menschen. Wie viele Kurze in den Körper flossen, das kann niemand mehr sagen, aber zum Abschalten genügt es nicht. Vom Alkohol so abschalten, dass einem alles egal ist, das hat noch nie geklappt, also warum sollte es an diesem Abend anders sein?

Und dann stand da plötzlich jene Schönheit. Keine Ahnung, ob ich überhaupt etwas sagte, aber das übernahm sie. Dann griff sie nach meiner Brust. Warum auch nicht. Mehr als ihr anzudrohen, es ihr gleich zu tun, fiel mir nicht ein. Doch für einen kurzen Moment ist vergessen, was an dem Abend bisher geschah. Aber eben nur für einen kurzen Moment und wie deprimiert muss ich gewirkt haben. Doch sie tanzte eng und ergriff meinen Po. Der schien ihr also auch zu gefallen. Und wieder kommt mir die Frage, wie viele Ohrfeigen ich jetzt schon kassiert hätte, wäre es umgedreht. Wie einfach wir Männer doch sind. Doch da will sie nicht aufhören und ein letzter Griff fährt mir zwischen die Beine und macht klar, was sie wissen will. So viele Einladungen bekomme ich sonst nicht, bevor ich küsse, doch an diesem Abend würde selbst ein Schild mit der Aufschrift „Nimm mich!“ und das in Neonbeleuchtung nicht genügen. Ich denke kurz darüber nach, denn ja, sie gefällt mir. Und dann steht da dieser Typ neben ihr. Kein Lächeln auf dem Gesicht und von der Statur her genug, dass ich ihm eh aus dem Weg gegangen wär. Er umarmt sie und macht es mir so leicht in jenem Moment. Hier gibt es nichts zu holen, außer Stress und den brauche ich heute Abend nicht. Mir ist nicht nach Prügel, zumal ich die einstecken würde. Und dennoch bedanke ich mich nur zu gern bei jener hübschen Frau, denn sie zauberte ein kleines Lächeln auf das Gesicht eines zutiefst traurigen Menschen, ganz ohne es zu wissen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

35 Kommentare zu „Typisch Mann oder: Wenn sexuelle Belästigung nicht lästig ist…“

    1. Ganz so einfach war das nicht mit dem Lächeln, den Verlust einer so vertrauten Person schmerzt eben doch. Aber es ging auch wieder aufwärts. So wie es immer ist.

      1. glaub ich dir und doch ist der verlust vielleicht aus dem jetzt schon betrachtet einfach „ok“ auch wenn noch die trauer der Vergangenheit nachhinkt! kopf hoch herr fröhlich – so wie es immer ist

      2. Oh, das ist schon Jahre her und tatsächlich schmerzt es nicht mehr. Ganz im Gegenteil, hin und wieder erinnere ich mich mit einem Lächeln an so manche Begebenheit, die wir als gute Freunde erlebt hatten.

      3. Ja, könnte ich mir durchaus. Ich habe mich aber auch gewaltig verändert seit damals und sie womöglich auch. Aber sie besaß damals die Eigenschaften, die ich sehr zu schätzen weiß.

      4. ok! ja denk ich mir, sobald man getrennte wege geht führen diese oft in wirklich verschiedene Richtungen! ich könnte mir heute Beziehungen von seinerzeit nicht mehr vorstellen wenn ich mich da mit einbringe

      5. Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ich müsste sie schon neu kennenlernen. Also es dürfte nicht sie sein und eben doch sie 😉 aber das ist alles so illusorisch. Ich habe noch einmal darüber nachgedacht und so wirklich vorstellen kann ich es mir auch nicht.
        Dafür fehlt sie jetzt aber auch als realer Mensch in meiner Nähe. Wir müssten sehen, wie wir zusammenpassen…ich weiß nicht, ob ich deine ursprüngliche Frage wirklich ehrlich beantworten kann, dafür gibt es zu viele Wenns und deswegen denke ich da auch eigentlich nicht drüber nach. Ich jage ihr nicht hinterher und würde ich sie heute treffen, dann wäre kein Gedanke, dass wir ein Paar sein sollten, sondern einfach nur die Freude, sie mal wieder zu sehen. Das ist womöglich die ehrlichste Antwort, die ich darauf geben kann.

  1. Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, was sie eigentlich wollte, diese vergebene Schönheit. Das Häufchen Elend etwas bestolzen? Den eigenen Marktwert testen? Einfach nur mit dem Feuer spielen? Und hat ihn diese direkte Anmache wirklich lächelnd gemacht?

    1. Ob sie wirklich vergeben war, bezweifle ich. Ich vermute eher, dass sie den Kerl vorher schon angemacht hatte und sich dann nach etwas „Neuem“ ungesehen hat. Und ja, es hatte für einen Augenblick lächelnd gemacht.

      1. Nun, dann hat die Anmacherey doch was Gutes, so sehr sie mir persönlich fremd erscheint. Denn lächelndmachend, selbst nur ein Sekündchen, ist immer famos.

      2. Aber da kann ich doch nix für, mein Lieber. Das Verwegenheitsgör in mir, das büxt halt mal aus. Und außerdemst sind die Verse ja nur aufnotatiert. In echt würde ich doch nie und nimmerst das Miederbieder lockern.

      3. Doppelpfff…retour. Du willst meine Biedrigkeit doch nur aus ihrer Reserve locken. Paß bloß auf, sonst handeln die nächsten Verwegenen Verse von Big Ben.

  2. Es muss für Mann schon komisch sein, wenn Frau den ersten Schritt macht. Aber gewöhne dich besser dran, lieber Ben. Frauenpower ist auf dem Vormarsch. 😉

    1. Oh, ich bin es durchaus schon gewohnt. Es war nicht das erste Mal, dass ich angesprochen wurde und gestern erst wäre es wieder soweit gewesen, wenn ich nach dem ersten, freundlichen Blick nicht demonstrativ weggeschaut hätte…

  3. … und ich, Trottel, hielt die Geschichte für Fiktion – obwohl ich als Beobachter jeden Augenblick nachvollzogen habe…

    1. Na das ist ja nicht deine Schuld, zumal ich schon genug Geschichten in dem Stil schrieb, die voll und ganz erdacht waren. Freut mich doch aber, wenn man es aus dem Text nicht herauslesen kann, wann es fiktiv und wann es real ist. 😀

      1. Es war nicht das erste Mal, dass du mich getäuscht hast. Erst über die Kommentare komme ich bei dir dahinter, was Sache ist. 😉

      2. Das lässt mich lächeln, denn meine Texte sollen ja auch nicht immer alles sofort erklären. Manche erschließen sich für mich selbst erst mit längerem Abstand und durch die Kommentare, die mir im Nachhinein aufzeigen, was ich unterbewusst wohl mit in jenen Text habe einfließen lassen.

  4. Das war Selbstbestätigung auf beiden Seiten. Kann man doch nur positiv sehen. Und dadurch, dass es nicht weiter ging haben auch beide keinen Grund etwas Nagatives daraus zu schöpfen.
    Ich hoffe ansonsten geht es dir gut. Manchmal fühlt man halt für die falschen…passiert…passiert sogar oft.

    1. Das ist schon ein paar Jahre her, also keine Sorge, was meinen Gemütszustand betrifft 😉 und Selbstbestätigung war es auf ihrer Seite, auf meiner war es ein kühles Eis, das jemand zur Kernschmelze dabei hatte. Ne nette Erfrischung, aber eigentlich nicht das, was wirklich gebraucht wird. Dennoch behalte ich diese Begegnung in angenehmer Erinnerung.

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