Über Kurt

Ein kurzes Klacken und dann brummt es wohlig vor sich hin. Nur einen kurzen Moment, bis die dünnen Finger über die Saiten streichen und das Brummen von klaren, knackigen Klängen verdrängt wird. Heute spielt er allein in einem schalldichten Raum, so dass niemand außer ihm selbst die Melodien zu hören vermag, die aus den Tiefen seiner Seele hinausströmen.

Er sei ein guter Kerl, sagen sie. Doch er weiß von dieser dunklen Seite. Jene Seite, die ihn manches Mal überkommt. Wenn die anderen Musiker feiern gehen und er sich zurück zieht. Zurück in eine andere Welt. Jene Welt nimmt ihn ein und lässt ihn nicht mehr los. Sie nahm ihn vor langer Zeit gefangen und wenn er in sie hinab taucht, findet er manche Perle, die er der Welt auf der Bühne präsentiert. Sie ahnen nicht, wie tief er dafür abtauchen muss und wie lang er die Luft anhält. Wenn er auftaucht, fühlt er sich mehr tot als lebendig und dreckig und doch freut er sich über den gefundenen Schatz. Doch statt sich der wenigen Schätze zu erfreuen, verlangt man immer neue Tauchgänge in immer tiefere Tiefen. Nur dort lassen sich die größten und reinsten Perlen entdecken.

Hier allein in diesem Raum taucht er nicht tief, die Melodien strömen natürlich und wirr aus ihm heraus. Sie werden keine strahlenden Perlen werden, vermutlich niemals gehört, außer von ihm. Und wenn er die letzte Note des Abends spielt, wird sie langsam ausklingen. Nur das Brummen und seine Atmung werden zu hören sein, bis ein Klacken alles beendet.

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Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

18 Kommentare zu „Über Kurt“

  1. Ich habe tatsächlich erst vorgestern mal wieder festgestellt, was für eine Wahnsinns-Stimme dieser Kerl hatte und wie schade es ist, dass wir niemals wissen, wie er sich weiterentwickelt hätte.

    1. Manchmal muss uns eben das genügen, was wir bekommen haben. Aber angeblich wollte sich die Truppe eh trennen…er war eine schwierige Persönlichkeit und doch hat er uns gut beschenkt.

  2. Der Club der 27iger. Ist tragisch, ist es wirklich. Ich mag die Musik vom Amy so gerne und bin verdammt traurig, dass ich nie wieder etwas frisches von ihr hören werde…das macht ihre alten Lieder irgdendwie noch besonderer.
    PS: Das *brummen*verfolgt uns beide jetzt wohl? Ich kann damit leben 🙂 Liebe Grüße Peppa

      1. Ha ha 🙂 Da könnte ich jetzt 2 Sachen draus schließen, ich entscheide mich aber für die Version, dass Du schneller tipsst, als denkst! (nur bei Brumm-Themen)

      2. Och, auch bei Nicht-Brumm-Themen tippe ich durchaus schneller, als ich denke. Hab sogar schon einige Texte produziert, bei denen ich beim darauffolgenden Lesen nicht sagen konnte, wo jene Gedanken herkamen und ob ich jenen Text überhaupt geschrieben habe…unterbewusstes Schreiben…leider kann ich das nicht erzwingen.

      3. Das ist eine schöne Begabung, sofern die Texte positiv sind. Obwohl – selbst negative Texte wären so interessant. Ich tippe meist auch schneller, als ich Denken kann, aber ich weiß hinterher noch genau, woher das kam. Ausser ich will mich nicht daran erinnern. Das ist meine besondere Begabung. Ich kann gut verdrängen 🙂

      4. Ich weiß gar nicht, ob ich Texte in positiv und negativ einteilen würde, wenngleich ich sofort weiß (oder es zu wissen glaube) was du meinst. Manch ein Text ist eben nur für einen selbst bestimmt. Ich weiß nicht, ob jene Texte gut sind, aber es ist ein besonderer Moment, wenn man einen Text verfasst, der einem fremdgesteuert vorkommt.

      5. Schön, dass Du mich verstehst. So meinte ich das! Ich schreibe auch viele Texte, die ich in meinen Blog stellen möchte, und mich hinterher dagegen entscheide. Deswegen habe ich mir schon das ein oder andere mal Gedanken gemacht, ob ich mir mal ein Paßwortschutz zulegen soll…
        Fremdgesteuert schreiben kann ich leider nicht, aber meine Gefühle können fremdgesteuert fühlen 🙂 Zumindestens hören sie ab und an einfach nicht auf mich….

      6. Wir können alle unsere Gefühle nicht steuern, wär ja auch traurig eigentlich. Wer hat sich nicht schon gewünscht, dass man gewisse Gefühle erwidern könnte, weil eigentlich alles perfekt passt.

      7. Oder das man die Gefühle einfach abstellen kann, weil es gar nicht passt…..Nun ja. So ist das eben. Wir können zwar fühlen, uns aber nichts aussuchen. Wir sollten trotzdem dankbar sein. Das Leben wäre ohne Gefühle schrecklich kalt! Und zwar immer – nicht nur, wenn wir uns schlecht fühlen!

      8. Japp und zudem hätte man dieses wunderbare Gefühl nicht, wenn man dann doch dieser einen besonderen Person gegenübersitzt. Ihr in die Augen schaut und das Lächeln auf beiden Mündern immer größer wird 😀

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