verkehrte Welt

Das Bild spricht Bände und der Reim ist mal wieder im besten Stile von JCP, also unbedingt den Originalbeitrag anschauen.

pppjwd

verkehrte Welt

in Stadt und Land

ist wohlbekannt

das des Deutschen liebstes Kind

nicht unbedingt

die Kinder sind

wichtig ist vor allen Dingen

mit einem Aufkleber der Welt mitzuteilen

welche Kinder sich gerade im Auto befinden

mit Stolz wird sich on Board darin überboten

doch im wahren Leben

ist den Kindern doch ganz schön viel verboten

denn sie stören nur und sind zu laut

und rennen auf allen Wegen

auch so manche Mittagsruhe wurde durch sie schon versaut

sie spielen Ball wo sie nicht sollen

und es macht ihnen auch noch Spaß

auf den schönen Grünflächen herumzutollen

es wird laut gesungen und gelacht

die Erwachsenen haben das vor langer Zeit

mit Sicherheit nicht ebenso gemacht

das Kuriose daran ist; doch das will keiner hören

für unsere Zukunft sind nur die Kinder wichtig

während die Autos sie zerstören

darum wäre es schön wenn die Kinder weniger Rücksicht nehmen müssten

auf die…

Ursprünglichen Post anzeigen 21 weitere Wörter

Verfolgt

Der letzte Workshop brachte mir einen Song nah, der mich immer wieder verfolgt. In dem Fall war es die Abschlusssitzung und eine Version, die mir barbarisch anmutete, weil es nur noch wildes Gekreische war und ich das Original bereits über hatte. Und dennoch war ich fasziniert genug, um danach zu suchen und fand statt der gekreischten Version nun diese hier, die zudem in unseren Breiten gemixt wurde. Sie passt zum Sommer und somit wünsche ich ein schönes Verlieben oder auch nicht (es ist ja mehr als eine Warnung im Song vorhanden). 😀

Und natürlich möchte ich euch auch nicht jene „barbarische“ Version vorenthalten:

Im Staub

Hallo du Tanzende. Der Boden besteht aus kleinen und großen Kieselsteinen, aber deine nackten Füße gleiten über ihn, als gäbe es keine scharfen Kanten, während ich mich noch darüber freue, dass ich zumindest eine dünne Sohle habe, die mir als Schutzschild dient. Du bist an einem ganz anderen Ort und vermutlich waren es nicht nur die drei Male, die du mich nicht erkanntest und mich wieder fragtest, wie ich heiße und wer ich sei. Aber du erinnertest dich dann sofort an das, was ich dir zuvor schon gesagt hatte. Wie wohl die Welt und die Menschen aus deinen Augen aussehen müssen, dass du sie nicht in Erinnerung behältst. Deine Hingabe gilt allein dem Moment, das zu erkennen, war die Kunst und ich frage mich, ob deine Freundin mich mit ihren Blicken töten oder ausziehen möchte, während ich deinen Blick ohne weitere Frage verstehe, aber ich werde ihn nicht mit einem Kuss erwidern können. Nicht, dass ich nicht wollte, aber nur weil du für den Moment lebst, muss es deine Freundin nicht tun und leider auch ich nicht. Und dann fragst du mich, was ich für ein Mensch sei. Ein Zigeuner, ein Veganer, ein Bio, ein Feminist, ein Computermensch und weitere Möglichkeiten fallen dir aus dem Mund, doch so schnell sie dir einfallen, so langsam kann ich mich einsortieren und gebe genau dies zu: “Ich bin ein Reisender, aber ich habe meinen Weg verloren.” Du lächelst und gibst die einzig mögliche, warmherzige Antwort: „Das ist gut so…das gefällt mir.“

Gelebte Liebe

Sie besitzt ein ganz besonderes Wesen. Es strahlt aus ihr heraus und geht direkt hinein in den Menschen ihr gegenüber. Egal wem sie eine Schüssel mit Essen reicht, ihr Gesicht zeigt keine Gleichgültigkeit oder gespielte Freundlichkeit. Das ist nichts außer wahrer Freude und jeder spürt diese Wärme und Liebe, die von ihr ausgeht. Ihre Liebe gehört nicht nur einem Menschen, nicht hier bei der Speisung und nicht in ihrem Liebesleben, auch dort teilt sie. Dort gibt und nimmt sie. Eifersucht scheint ihr unbekannt zu sein. Es würde bedeuten, dass sie den Anspruch auf irgendjemanden erhebt und dabei erhebt sie nicht einmal Anspruch auf irgendetwas. Und das Beste an ihr ist, dass man sich gar nicht fragen muss, wie man ebenso werden kann. Wenn man ihr begegnet und sich auf sie einlässt, dann steckt ihre gelebte Liebe an.

Die Frau im blauen Kleid

Da sitzt sie also. Das Licht aus dem Wohnzimmer fällt auf ihre rechte Seite. Ganz elegant ist sie. Nicht elegant im Sinne eines teuren Kostüms und feinsten Schmucks, dann würde sie wohl eher Cecilia oder Aurelie heißen. Ihr Kopf würde sonst auf einem dünnen Hals sitzen. Aber ihre Eleganz passt zu ihrem Namen – Lisa. Ihre nackten Füße schauen knapp unter dem blauen Kleid hervor. Sie lauscht gedankenversunken der Musik aus der gegenüberliegenden Wohnung. Und so hat man Angst, sie zu stören, will sie nicht herausreißen aus ihrem Traum, in den sie sich von den Klängen führen ließ.

fernab (Teil 4)

Beim Betreten der Bar, spürte ich die Blicke der Anderen auf mir. Mein Interesse galt der Theke, auf die ich zielgerichtet zuging. Die Besitzerin sprach ein sehr gutes Englisch und nach wenigen Worten war klar, dass ich an diesem Abend beim Ausschenken helfen durfte. Meiner Wirkung auf die Besucher war ich mir bewusst und so würde ich einiges an Trinkgeld bekommen. Den ein oder anderen Flirt, damit das Geld noch etwas lockerer saß und ich noch häufiger gerufen wurde, der Trick funktioniert bei allen Männern, man muss nur wissen, worauf sie stehen.

Antonia hatte mir erklärt, wie es zu dieser Kuriosität gekommen war. Eine Schwulenbar in einem kleinen Ort, das konnte doch eigentlich nicht funktionieren, bis zu jenem Bürgermeister, der einer von ihnen war und offen dazu stand. Er war im gesamten Dorf beliebt und eben dadurch schwanden sämtliche Vorurteile. Das ist so eine von diesen Geschichten, die zu schön ist, um wahr zu sein, die aber immer wieder vorkommt. Die Bar war nicht als solche gedacht, aber nachdem es sich in den umliegenden Dörfern rumgesprochen hatte, wie gutherzig man hier miteinander umging, wurde sie zum Treffpunkt all derer geworden, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlten.

Dass ich hetero war, interessierte Antonia nicht weiter, ich sollte Getränke verkaufen und ihr war klar, dass das keine Anforderung an mich stellte. Berührungsängste hatte ich nicht gezeigt und die kannte ich auch nicht, sonst hätte das ein verdammt langer Abend werden können. Ich rechnete mit gierigen Blicken und mit der ein oder anderen falsch abgelegten Hand. Es würde mich für diesen Abend nicht stören, so dachte ich. Denn es war ein einzelner Besucher und nicht die wahllosen Blicke, die mich förmlich verfolgte. Er setzte sich an der Theke direkt vor den Zapfhahn und versuchte mich immer wieder in ein Gespräch zu ziehen. Dafür lehnte er sich weit über die Ablage und tatschte mir immer wieder auf die Hand. Sein Blick durchbohrte mich förmlich und er schaffte es, dass ich mich unheimlich unwohl fühlte.

Meine Rettung kam von einer Stelle, an die ich niemals gedacht hätte. Mein süßer Engel stand plötzlich vor mir und gab mir einen langen Kuss auf die Wange. Meine Verwunderung wich sofort der Begeisterung, denn damit war der alte Plan wieder so einfach. Ich überlegte, ob ich sie fragen sollte, wo sie war, warum sie zurück kam und wie sie mich fand. Ihr sah ich an, dass sie wohl ähnliche Überlegungen anstellte, aber jedes Wort darüber war unnötig. Stattdessen entfuhr ihr grinsend: „Warum ist es okay, wenn du einen Schwanz für Geld in den Mund nimmst und wenn ich das mache, dann ist es verkehrt?“ Auch das brauchte keine Antwort und ich grinste über ihre selbstverständlich freche Art.

Die Reise weiterhin mit ihr verbringen zu können, machte mich glücklich und an diesem Abend verdiente ich das Geld für die weiteren Tankfüllungen und Verpflegung. Mir war es lieber, wenn wir es auf diese Weise taten, als dass wir es auf ihre Weise machten, wenngleich der Unterschied mir tatsächlich nicht so groß erschien. Zumindest nicht, wenn ich den Kerl vor dem Zapfhahn sah und mir bewusst wurde, dass ich ihn nicht abgewiesen habe, denn er bestellte einen Drink nach dem anderen und sparte nicht an Trinkgeld. Syredin und ich verkauften uns als Träume für den Moment.

fernab (Teil 3)

Als wir am Strand lagen und ich Syredin betrachtete, kreisten meine Gedanken um die Frage, wovor so ein junges und hübsches Mädchen auf der Flucht war? Natürlich braucht man kein narbenüberzogenes Gesicht oder eine schlechte Aura, aber bei solchen Menschen fragt sich niemand, warum sie miesmutig sind. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass eine wunderschöne Blume inmitten eines Kuhfladens entsteht und ihren Duft kaum zu verströmen vermag, weil es gegen den Haufen nicht anstinken kann. „Was ist denn?“, fragte sie mich. Ganz offensichtlich war ihr mein Grübeln nicht entgangen und ohne darüber nachzudenken, hörte ich mich die Worte sagen: „Warum läufst du eigentlich weg?“ Die Frage gehörte hier nicht her. Nicht an diesen Strand, nicht an diesem wundervollen Moment, das zeigte mir ihr Gesichtsausdruck ganz deutlich und ich bereute die Frage. Ich blickte sie entschuldigend an und schwieg. Sie kannte mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass ich meine Frage damit zurückzog und keine Antwort erwartete. Ich schloss meine Augen und die Welt verschwand.

Während ich schlief, muss einige Zeit vergangen sein. Es war noch immer angenehm warm in der Sonne, aber sie brannte nicht mehr von oben herab. Mein Engel lag nicht mehr neben mir und so sah ich mich um. Etwas war anders. Das Cabrio war weg. Mein Herz schlug mir schnell und trotz der Hitze wurde mir eiskalt. „Fuck!“, entfuhr es mir. Viel hatte ich nicht dabei, aber da war doch dieser eine unfertige Roman. Ein paar Klamotten und meine geliebte Schreibmaschine. Mein letztes Geld und meine Papiere hatte ich in der Hose unter meinem Kopf, zumindest das würde mir nicht fehlen. Ich fragte mich, was ich als nächstes tun sollte. Wo sollte ich hin, was war mein Plan und warum legte mich das Schicksal gerade hier an diesen Strand irgendwo in Italien ab? Als wir hergefahren sind, war ein kleiner Ort an der Straße, nicht weit von hier entfernt. Das war das einzig logische Ziel. Ich würde was essen und was trinken und dabei meine Gedanken ordnen. Schon der kurze Weg in das kleine Nest beruhigte mich. Abgesehen von meinen Worten war nichts verloren gegangen. Mein Wunsch noch weiter gen Südosten zu reisen wurde schwieriger, aber nicht unmöglich.

Das Örtchen begrüßte mich mit einer angenehmen Ruhe und schnell fand ich ein Haus, das mit gutem Essen und Getränken lockte. Die Wirtin verstand weder deutsch noch englisch, aber was sollte ich auch anderes wollen, als Essen und das Wort Aqua war mir noch bekannt, auch wenn ich befürchtete, dass sie mir womöglich ein Glas aus dem Bad abzapfte. Doch zu meiner Beruhigung blubberte das Wasser im Glas und es schmeckte mir, als hätte ich seit Tagen nichts mehr getrunken. Was gar nicht so abwegig war. Tage waren es nicht gewesen, aber den letzten Schluck hatte ich letzte Nacht auf der Fahrt zu mir genommen und seither war meine Kehle trocken geblieben. Nach einem Job brauchte ich hier nicht zu fragen. Ich zahlte meine Rechnung und verließ das Lokal, um den Rest des Ortes zu erkunden.

Er war doch eine Nummer größer, als ich es mir vorgestellt hatte und so stand ich plötzlich vor einer Kneipe, die mit einer rosa Neonreklame warb, doch noch auffälliger als die Reklame an sich, waren die Leute, die hineingingen. Es waren fast ausschließlich Männer und auffällig gekleidet für solch ein Nest. Das war vermutlich genau der Ort, an dem ich mich verständigen konnte und noch dazu schnelles Geld verdienen konnte.