Talkin´ ´bout my generation

Da sind wir also nun. Diese eine Generation, der man keinen besonderen Namen gegeben hat, zumindest nicht den, der so offensichtlich wäre. Es gab eine Nachkriegsgeneration, aber eine Nach-DDR-Generation, die sucht man vergebens. Ist ja auch nicht weiter merkwürdig, denn man will ja gar nicht dazugehören. Dabei ist das eine ganz interessante Generation. Es sind Menschen, die sich trennten. Die Einen, die Zuhause blieben und sich mit sozialistischen Ideologien und Rechten rumschlagen müssen und die Anderen, die wegzogen, um das Leben zu leben, was sich unsere Eltern noch wünschten und wofür jene kämpften.

Schon komisch, dass wir die Menschen gar nicht wirklich ehren, die sich aufrafften und mit der Gefahr, eingesperrt zu werden, auf die Straße gingen. Nein, man will ja gar kein Ossi sein, denn das sind ja die mit dem merkwürdigen Dialekt. Das ist übrigens nicht sächsisch oder thüringisch sondern DER ostdeutsche Dialekt, weshalb die Leute dann immer ganz merkwürdig schauen, wenn man so hochdeutsch spricht, dass eine Herkunftsbestimmung unmöglich ist, aber aus dem Osten könnte man ganz sicher nicht sein, da spricht man ja nicht so.

Also wo ist eigentlich der Feiertag oder das Denkmal, das an die mutigen Frauen und Männer erinnert, die damals den Obrigen erklärten, dass sie das Volk seien? Es ist eben nicht der Tag der Einheit. Das ist zurecht ein gesamtdeutscher Feiertag und natürlich erinnern wir uns dann kurz daran, wie toll das war, als wir rübermachten. Es gibt dann die Sendungen, die mit der richtigen Musik und den passenden Bildern das Herz höher springen lassen, denn da waren sie plötzlich, die Vereinigung und die Freiheit.

Und nun gibt es uns, die Nach-DDR-Generation. Wir hörten von unseren Eltern, dass die Luft hier sauberer ist, aber verstaubt scheint hier ebenso einiges zu sein. Wir erwarteten Freiheit, weil unsere Eltern doch dafür kämpften und ja, jetzt haben wir sie und dabei ganz vergessen, dass sie kein automatisches Recht ist, sondern immer wieder erkämpft werden muss.

Wir hören uns mit stoischer Gelassenheit die schlechten Ossi-Witze an und lachen kurz mit. So wie man das eben macht, weil es eh keinen Sinn ergibt, sich darüber aufzuregen. Wir sehen mit einem unguten Gefühl die Typen mit Glatze und Bomberjacke und mit einem noch viel unwohleren Gefühl die Typen aus der gleichen Ecke, die in großer Zahl gar nicht mehr so einfach erkennen sind, weil sie begriffen haben, dass sie getarnt eher in die Köpfe der Menschen kommen.

Es ist schon unsere Aufgabe, die der Nach-DDR-Generation, an unsere Eltern zu erinnern. An ihren Kampf und ihre Ängste, aber auch an das, was sie erreichten und warum sie es taten. Angeblich meckern wir Ossis ja gern. Nun, wenn meckern bedeutet, dass man sich gegen das auflehnt, was falsch läuft und nicht mehr toleriert werden kann, dann erfülle ich gern das Klischee und meckere. Hier darf ich es immerhin. Damals, in dieser sogenannten demokratischen Republik wäre das unmöglich gewesen. Ich darf hier Missstände benennen und habe Mittel und Weg, dagegen vorzugehen, denn das erlaubt eine Demokratie ihren Bürgern. Die Pflicht des Wählens ist hier ein Privileg, dessen man sich gar nicht mehr bewusst ist. Veränderungen sind möglich, wenn man mit ihnen da anfängt, wo man selbst lebt.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

22 Kommentare zu „Talkin´ ´bout my generation“

    1. Man kann uns natürlich so nennen, aber wie ich schon schrieb, könnte man eben auch einen anderen Begriff finden. Zudem wird es in Zukunft noch eine viel größere Generation Praktikum geben, damit man den Leuten keinen Mindestlohn zahlen muss.

    2. Generation Y heißen unsere Jahrgänge auch, Y wie Why, weil wir angeblich (vor allem in der Arbeitswelt) alles hinterfragen. Aber das, was Ben da thematisiert, ist ja eigentlich nochmal spezialisierter auf die in den Ex-DDR-Staaten aufgewachsenen jungen Menschen gemünzt. Dafür habe ich bisher auch noch nie einen Begriff gehört. Ich glaube, dass das Charakteristischste an unserer Generation ist, dass es kein übergreifendes Charakteristikum gibt.

      1. Wobei ich vorsichtig wäre, dass das zuvor anders war. Denk an die 60er, wo es neben den Hippies auch noch ganz andere Bewegungen gab. Da gab es viele Jugendliche, die Angst vor jenem Zeitgeist hatten und eigentlich nur ihre Ruhe, ihren Job usw. haben wollten.

      2. Ja, da hast du natürlich Recht. Man nimmt es eben selbst nur in seiner eigenen Zeit so differenziert wahr, von anderen Generationen kennt man halt nur die Stereotypen.

      3. wobei sich für mich schon die Frage stellt, ob wir nicht mehr Richtungen haben, in die unsere Generation gehen kann und auch geht, also so ganz widersprechen will ich dir gar nicht 😉

  1. Und zum eigentlichen Thema: An das Privileg der Freiheit zu erinnern, ist so wichtig. Gut, dass du es hier tust, das sollte immer präsent sein. Vielleicht ist das unsere Generationenaufgabe: die Vergangenheit in der Erinnerung zu bewahren, um nicht wieder in ähnliche Fallen zu tappen.

    1. Die Vergangenheit bewahren, um zu sehen, dass es zwar Kraft braucht, dass aber Veränderungen möglich sind. Ich habe so viele Freunde, die etwas auf die Beine stellen und man muss nicht immer versuchen, die große Politik zu ändern, wenn man einfach bei sich anfängt. Gestern erst sprach ich mit einer Nachbarin, dass es doch schade sei, dass der Innenhof bei uns vollkommen ungenutzt sei. Es hinge wohl an einer Nachbarin, die gleich die Polizei ruft, aber wir planten jetzt doch gleich die nächste Feierlichkeit unter Nachbarn dort draußen. Gerade bei solchen Temperaturen 🙂

  2. Ich habe den Text sehr gerne gelesen und heute lebe ich mit jemanden zusammen, der damals auch auf die Straße gegangen ist. Dein Beitrag ist eine Erinnerung für mich, dass ich ihn ohne den Mauerfall nicht kennen gelernt hätte wie viele meiner Freunde auch. So ein Glück, daß wir jetzt einfach zusammen sein können.

  3. Super Eintrag. Sehr wichtig immer wieder darüber zu schreiben. Das man in eine Schublade gesteckt wird, dass geht leider jedem so. Mal ist es angenehm, mal unangenehm.

    Ich versuche meinen Kindern immer beizubringen wie toll es ist, die Meinung sagen zu können, ohne Angst haben zu müssen, dass man dafür eingesperrt wird. Der Blick meiner Kinder erinnert dann an „Opa erzählt vom Krieg“. Na ja.

  4. Toller Text, steckt viel drin. Ich glaube, dass eine Generation nur einen ‚echten‘ Namen von einer nachfolgenden Generation bekommen kann. Dabei gehen aber durch das Nichterleben dieser Zeit durch die Nachfolgegeneration, die Details verloren und es wird nur eine plakative Verallgemeinerung, die der Generation zwar ein Image überstülpt, ihr aber nie gerecht werden kann. Wie sollte sie auch? Der Name einer Generation kann ja nicht über mehrere Buchbände gehen 🙂
    Ein von einer Generation an sich selbst vergebener Name, kann eigentlich den Wert der unsortierten Einzelbuchstaben kaum übersteigen …
    Also Geduld junger Padawan, der Name kommt noch 😉

    1. Das ist natürlich wahr. Und ich bin gespannt, wie unsere Kinder unsere Generation bewerten und betiteln werden. Dass dabei Dinge in Vergessenheit geraten werden, das gehört dazu, aber ich möchte definitiv nicht die 9-11-generation sein 😉 Ich gehe und dulde also.

      1. Wünsche über Namen bzw. Nicht-Namen sind legitim, aber es sind halt auch nur Wünsche. Jede Generation bekommt bestimmte Dinge in die Wiege gelegt, die entweder beflügeln oder erdrücken können. Die Generation entscheidet dann, ob sie das Positiv/Negativ der Vorgaben annimmt oder ins Gegenteil verkehrt. Nachkriegsgenerationen haben zum Beispiel harte Voraussetzungen, haben aber Motivation und Freiheitswillen, der sie zu großen Taten antreiben kann. Generationen, die einer „großen“ Generation folgen, versinken häufig in der geschichtlichen Bedeutungslosigkeit, da die Messlatte in erdrückender Höhe vorzufinden ist. Gelähmt durch zu hohe Hürden – wie kann ich noch etwas bewegen, wenn meine Eltern die deutsche Grenze zu Fall gebracht haben? Jede Generation muss sich die Frage stellen (wobei die Schwierigkeit ist, dass Generationen in dem Sinne nicht denken können und auch keine Schwarmintelligenz haben), möchte sie sich in Geduld üben und auf ihren Namen warten, der dann erschreckende Ausmaße wie z.B.: „Generation der Wartenden“, „Generation Gleichgültig“ oder „Generation: Ich alleine kann ja ohnehin nichts bewegen“ annehmen könnte oder vollbringt sie Taten, die zu heroischeren Namen führen und werden dafür mit dem Generationsnamen geadelt: „Generation Widerstand“, „Generation Gerechtigkeit“, „Generation Integration“, „Generation One World“, …

      2. Ich finde das Thema „Schwamrintelligenz“ eigentlich ein sehr interessantes, wenngleich es natürlich nicht mehr so ganz das Thema ist. Aber es ist schon interessant, warum plötzlich viele Leute der Tagesschau und den Politikern nicht mehr glauben, aber gleichzeitig die Infos aus dem Internet ohne zu Hinterfragen als Tatsachen ansehen (was ich eher als „Schwarnunintelligenz“ bezeichne).

        Dass man als Generation immer irgendwie auch eine „Antwort“ oder eine „Reaktion“ auf die Generation zuvor ist, das ist mir ja auch nicht neu. Was da allerdings für mich gerade sehr interessant ist, ist der Punkt, dass wir eigentlich zwei Generationen haben (also ich sage jetzt mal eine West- und eine Ostgeneration) und die Antwort der nachfolgenden Gesellschaft auf beide gemünzt sein muss. Die Generation „Ich alleine kann ja ohnehin nichts bewegen“ gefällt, sollte aber ergänzt werden um „aber immerhin habe ich den längsten Generationsnamen“ 😉
        De facto sehe ich sehr viel Veränderung in meinem Freundeskreis. Neue Möglichkeiten der Unabhängigkeit und Selbstversorgung, ebenso eine Gemeinschaft, die sich um sich kümmert.

  5. Findest du wirklich, dass das Andenken derer, die auf die Straße gingen, zu kurz kommt? Z.B. haben wir einen Bundespräsidenten, der nur dadurch Chancen auf dieses Amt hatte, weil er Teil dieser Bewegung war. Auch wenn das nur symbolisch sein kann, einer, der für diese Bewegung steht, so tut er das doch, oder? Und natürlich kannst du etwaige Dokus, Sendungen, Filme als Kitsch abtun, aber dennoch halten sie die Erinnerung wach und probieren das Gefühl zu transportieren. Auch jenseits des Tags der deutschen Einheit. Und auch die Politiker, die für diese unfassbare Einigung wirkten, erhalten immer noch dafür Respekt. Auch hier kannst du sagen, es ist nicht die Masse, aber Verehrung geht immer nur symbolisch. Glaub ich.
    Wo du recht hast, finde ich, ist, dass das Andenken insofern nicht mehr geehrt und gewahrt wird, als dass die Folgen dessen, das, was es heißt, für Freiheit und Demokratie einzutreten, was es heißt, frei zu sein, in Vergessenheit geraten. Dass wir es nicht mehr einsehen für Freiheit und Demokratie zu streiten und zu kämpfen. Und dass wir nicht für Einheit streiten, in Deutschland und darüber hinaus.

    1. Nein, du hast schon absolut recht, es gibt eine Kultur der Erinnerung. Und es war auch wichtig, dass damit nicht sofort begonnen wurde, denn es mussten erst einmal zwei getrennte Länder zusammenkommen und dazu brauchte es auch eine Beruhigung und nicht die ständige Erinnerung daran, dass es eine Trennung gab.
      Ich sehe nur auch immer die Leute, die plötzlich romantisch an die DDR „erinnern“ und dabei vergessen, was man für einen Kampf auf sich nahm, um dieses System zu beenden. Und ich sehe ebenso Leute, die der Meinung sind, dass momentan alles falsch läuft, es aber auch unmöglich ist, etwas zu ändern. Änderungen sind möglich, das sollte eigentlich die Aussage dieses Textes sein und es war wohl der Romantiker in mir, der gern eine Einordnung der eigenen Generation wünschte. Denn ich möchte nicht die 9-11-Generation oder die i-Generation sein. Im Endeffekt ist dieser Text ja auch nichts anderes als eine von diesen Sendungen, er soll erinnern an das, was man schaffte und hinweisen, dass das weiterhin möglich ist.

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