fernab (Teil 2)

Ob meinem süßen Engel klar war, dass wir eine Grenze überqueren würden, dass meine Reise doch weiter ging, als sie es sich vorstellte? Ich brauchte mich nicht zu sorgen, denn Syredin, so nannte sie sich, hätte nie mitkommen müssen und dürfte jederzeit aussteigen. Es wäre mir mehr als recht, wenn ich allein unterwegs sein könnte. Mein Leben lang wollte ich nicht mehr, als die Verantwortung allein für mich selbst zu haben und ausgerechnet jetzt, wo ich mal wieder alle Vergangenheit hinter mir ließ, nahm ich doch diesen Stein mit. Diesen schweren und kostbar-zerbrechlichen Edelstein.

Die Nacht verbrachten wir abseits einer kleinen Stadt am Rande eines Waldes. Das Verdeckt hatte ich geöffnet gelassen, um den Sternenhimmel zu betrachten, von dem ich wusste, dass ich ihn bald schon viel klarer würde sehen können. Es war keine gute Idee, den Himmel jetzt so lichtverschmutzt zu betrachten. Wer würde schon eine Tiefkühlpizza essen wollen, wenn doch ein köstliches Gericht auf einen wartet. Ein Gericht, dessen Geruch sofort das Wasser im Mund sammeln lässt. Ein Essen, das man endlos kauen möchte und auch kann und dabei nichts an Geschmack verliert. Solch ein Gericht würde mein Ziel sein und ich vertilgte in dieser Nacht einen kaltgewordenen Burger. Und der bittere Nachgeschmack lag mir am nächsten Morgen im Mund. So ein Auto ist eben kein Bett, ja nicht mal eine Couch oder zumindest ein bequemer Sessel. Aber mein süßer Engel massierte mir den Rücken, was mir das Leben wieder zurück in den Körper spülte.

Als wir uns das erste Mal begegneten, war der erste Kuss wie vorprogrammiert und wir fanden uns nicht viel später in meinem Bett wieder. Ihr Kuss war zuckersüß. Eben von der Art, der das Grau der Welt vergessen lässt und einem ein Lachen ins Gesicht brennt. Der Sex, er war fordernd. Ich lag danach erschöpft neben ihr, doch fühlte ich mich um Jahre jünger, fast wie ein Schuljunge, der gerade eine Eins nach Hause brachte. Die Hose mag zerrissen gewesen sein, aber die Note würde alles entschuldigen und zu groß war die Freude gewesen. Hier auf der engen Rückbank hatten wir uns noch nicht geküsst oder geliebt, stattdessen spürte ich ihre warmen Hände, die die Rückenschmerzen mit anderen Schmerzen bekämpften. Als sie mir in die Seite griff, legte ich meine Hände auf ihre, zog ihre rechte zu meinem Gesicht empor und küsste sie auf die Handinnenfläche. Ich hatte Lust und das leise Stöhnen von ihr verriet mir, dass sie mich ebenso spüren wollte.

Immer wieder muss ich feststellen, wie beruhigt das Leben nach so einem Morgen abläuft. Das Auto fährt wie von allein und die Dinge, die einen aufregen, sind plötzlich nur noch ein Lächeln und Kopfnicken wert. Der Weltfrieden scheint so verdammt einfach zu sein, wenn man vom Glück beseelt ist.

Wir erreichten Italien zur Mittagszeit und die Hitze brannte auf uns herab. Zwar spürten wir jeden Windhauch auf unserer Haut, aber wenn man auf einer verstopften Landstraße steht, dann bleibt einem nur der Wind, der übers Land zieht und der schien an diesem traumhaften Tag zu faulenzen. Ein klarer See war mir lieber als das Meer, er würde erfrischender sein, aber die Suche gestaltete sich weniger erfolgreich, als ich es gehofft hatte und so fanden wir stattdessen eine ruhige Bucht. Mein süßer Engel sprang aus dem Auto, noch bevor ich die Handbremse angezogen hatte und ehe ich die Tür geöffnet hatte, war sie schon nackt und bis zu den Knien im Wasser. Ich folgte ihr und freute mich über das unerwartet erquickende Meerwasser.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

10 Kommentare zu „fernab (Teil 2)“

      1. Stromausfälle und ihre Korrelation mit der Geburtenrate – Wenn man dann die Hinterher-Gefühle (die du ganz ohne Unsinn beschrieben hast) hinzurechnet, dann sollte man dringend schnell den Strom abschalten.

      2. Ne, bist du nicht, du hast nur anscheinend die Eigenschaft etwas einfach zu sagen (oder zu schreiben), das dir gerade in den Kopf kommt. Und falls es dich beruhigt, das geht mir auch so 😀

      3. Also nur eine Schwäche der Impulskontrolle. Puh, gut zu wissen. 🙂
        Ich nehme mit, dass einleitende resp. erklärende Worte des Zusammenhangs zumindest für die anderen hilfreich wären. Man ist ja schließlich lernfähig.

  1. Yes…sehr gut. So soll es sein. Wege sind nunmal nicht planbar um so besser, wenn man sie dennoch geht. Unverhofft kommt oft. Und so lage es noch geht, go Ben, go 🙂

      1. Nö, schon gut so. Ungeplante Wege wäre allerdings ein Lebensmotto, und zwar wohl das richtige. Wo läuft schon alles nach Plan. Also hier seltenst 😀

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