fernab (Teil 3)

Als wir am Strand lagen und ich Syredin betrachtete, kreisten meine Gedanken um die Frage, wovor so ein junges und hübsches Mädchen auf der Flucht war? Natürlich braucht man kein narbenüberzogenes Gesicht oder eine schlechte Aura, aber bei solchen Menschen fragt sich niemand, warum sie miesmutig sind. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass eine wunderschöne Blume inmitten eines Kuhfladens entsteht und ihren Duft kaum zu verströmen vermag, weil es gegen den Haufen nicht anstinken kann. „Was ist denn?“, fragte sie mich. Ganz offensichtlich war ihr mein Grübeln nicht entgangen und ohne darüber nachzudenken, hörte ich mich die Worte sagen: „Warum läufst du eigentlich weg?“ Die Frage gehörte hier nicht her. Nicht an diesen Strand, nicht an diesem wundervollen Moment, das zeigte mir ihr Gesichtsausdruck ganz deutlich und ich bereute die Frage. Ich blickte sie entschuldigend an und schwieg. Sie kannte mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass ich meine Frage damit zurückzog und keine Antwort erwartete. Ich schloss meine Augen und die Welt verschwand.

Während ich schlief, muss einige Zeit vergangen sein. Es war noch immer angenehm warm in der Sonne, aber sie brannte nicht mehr von oben herab. Mein Engel lag nicht mehr neben mir und so sah ich mich um. Etwas war anders. Das Cabrio war weg. Mein Herz schlug mir schnell und trotz der Hitze wurde mir eiskalt. „Fuck!“, entfuhr es mir. Viel hatte ich nicht dabei, aber da war doch dieser eine unfertige Roman. Ein paar Klamotten und meine geliebte Schreibmaschine. Mein letztes Geld und meine Papiere hatte ich in der Hose unter meinem Kopf, zumindest das würde mir nicht fehlen. Ich fragte mich, was ich als nächstes tun sollte. Wo sollte ich hin, was war mein Plan und warum legte mich das Schicksal gerade hier an diesen Strand irgendwo in Italien ab? Als wir hergefahren sind, war ein kleiner Ort an der Straße, nicht weit von hier entfernt. Das war das einzig logische Ziel. Ich würde was essen und was trinken und dabei meine Gedanken ordnen. Schon der kurze Weg in das kleine Nest beruhigte mich. Abgesehen von meinen Worten war nichts verloren gegangen. Mein Wunsch noch weiter gen Südosten zu reisen wurde schwieriger, aber nicht unmöglich.

Das Örtchen begrüßte mich mit einer angenehmen Ruhe und schnell fand ich ein Haus, das mit gutem Essen und Getränken lockte. Die Wirtin verstand weder deutsch noch englisch, aber was sollte ich auch anderes wollen, als Essen und das Wort Aqua war mir noch bekannt, auch wenn ich befürchtete, dass sie mir womöglich ein Glas aus dem Bad abzapfte. Doch zu meiner Beruhigung blubberte das Wasser im Glas und es schmeckte mir, als hätte ich seit Tagen nichts mehr getrunken. Was gar nicht so abwegig war. Tage waren es nicht gewesen, aber den letzten Schluck hatte ich letzte Nacht auf der Fahrt zu mir genommen und seither war meine Kehle trocken geblieben. Nach einem Job brauchte ich hier nicht zu fragen. Ich zahlte meine Rechnung und verließ das Lokal, um den Rest des Ortes zu erkunden.

Er war doch eine Nummer größer, als ich es mir vorgestellt hatte und so stand ich plötzlich vor einer Kneipe, die mit einer rosa Neonreklame warb, doch noch auffälliger als die Reklame an sich, waren die Leute, die hineingingen. Es waren fast ausschließlich Männer und auffällig gekleidet für solch ein Nest. Das war vermutlich genau der Ort, an dem ich mich verständigen konnte und noch dazu schnelles Geld verdienen konnte.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

5 Kommentare zu „fernab (Teil 3)“

  1. Sehr fein, lieber Ben. Habe gerade alle Teile nochmal in einem Rutsch gelesen und finde es sehr stimmig. Nun also noch rosa Neonreklame und ein verschwundener Fastengel. Ich hoffe nicht, Du gibst jetzt den Ätschebätsch sondern schreibst einfach weiter. Liebe Grüße, Käthe.

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