Komm in die Gänge

 

 

Denn in den Gängen oder dahinter verbergen sich schöne Einsichten. Gut, der erste Schnappschuss könnte von jedem Touristen stammen, der ein wenig an der Elbe entlangschlendert:

Klangfilmbiladbarklub

Aber der nächste schon, der muss gesucht oder zumindest gefunden werden. Ein rosa Tunnel liegt vor einem und ein Umsonstladen wirbt damit, dass er geöffnet hat. Drinnen zeugt süßlicher Geruch davon, dass hier neben dem Gras zwischen den Steinen auch welches in Papier gewickelt zu finden ist. Und über all dem wacht Herr Schnautz, der ruhig hinabblickt und sich über die Menschen freut, die so friedlich beieinander stehen.Foto0895 Foto0898 Foto0900

Ein Engel

Dieser kleine Engel, er war ganz besonders, das wusste sein Herr schon früh. Und jeden Tag bestätigte es sich aufs neue. Denn jeden Tag kam der Engel zu seinem Herren und stellte diese eine Bitte: „Hallo mein Herr, ich bitte dich, mach mich zu einem Menschen und schicke mich zu ihnen auf die Erde. Und sei es nur für einen Tag.“ Jener aber schüttelte nur mit dem Kopf und antwortete: „Nein, das kann ich heute nicht tun, ich werde morgen darüber entscheiden.“ Doch wie Engel so sind, vergaß dieser sofort wieder die Begegnung und am nächsten Tag kam es ihm vor, als würde er diese Bitte zum ersten Mal vortragen.

Als sich der Engel auf den Tag zum hundertsten Jahr bei seinem Herren zeigte und ihn bat, da antwortete er: „Du weißt es nicht, aber du bist seit hundert Jahren jeden Tag zu mir gekommen und hast mich um diesen Gefallen gebeten. Seit hundert Jahren verspreche ich dir, dass ich am folgenden Tag darüber entscheiden werde. Heute wird es anders sein. Heute werde ich entscheiden. Du hast gezeigt, dass dein Herz einen Wunsch nicht mehr vergisst, selbst wenn es dein Kopf bereits getan hat. Keinen einzigen Tag sollst du mich noch fragen müssen, denn du hast dir deinen Wunsch verdient. Behalte diese Art in deinem Herzen und zeige den Menschen damit, wie sie auf ihr Herz hören können.“

Und so wurde der Engel zu einem Menschen. Sein Herr blickte jeden Tag zu ihm und sah, wie er an manchem Tag verzweifelte und an manchem Tag glücklich war. Aber er erkannte, dass er auch als Mensch seinem Herzen folgte.

Naziparolen und unschöne Wahrheiten

Ja, das ist irgendwie Deutschland. Man sieht Fußball, man lebt Fußball, man liebt oder hasst es. Ich für meinen Teil interessiere mich nicht dafür und gönne den Fans ihren Spaß dabei. Heut morgen erst erklärt sich mir, was ich letzte Nacht noch unverständlich empfand. Wir gingen aus dem Club und vor uns tanzten betrunkene Typen jenen Tanz, der gerade diskutiert wird. Eine Seite regt sich auf, eine weiter regt sich über die auf, die sich aufregt. Mir wärs herzlich egal gewesen, wenn nicht letzte Nacht jene Betrunkenen noch eine Naziparole beigefügt hätten. Ein wunderschöner Abend wurde in jenem Moment zerstört. Bei den Typen stimmt eh etwas nicht, das ändert auch kein Tanz des Fußballteams. Aber er gibt den Affen Futter und genau das durfte ich gestern erleben.

Eine weitere Begebenheit trug sich in meiner Stadt zu, als sich eine offenbar nicht mitteleuropäisch aussehende Frau über den Sieg Deutschlands freute und irgendeine Weichbirne zu ihr meinte, dass sie sich gar nicht über den Sieg freuen dürfte. Da ist er also, der kleine Nazi, der sich hier und dort versteckt und den ich einfach nicht dulden kann.

Ich empfand mich als Deutschen immer besonders, weil wir aufgrund unserer Geschichte in manchen Dingen ganz anders handeln, als es andere Nationen tun, die mit Stolz auf sich blicken. Diesen Stolz hatten wir verloren und bekamen dafür etwas geschenkt. Eben jene andere Perspektive. Eine, die nach Frieden sucht und nicht nach Nationalität. Na klar gab es da immer die am Rand… oder besser gesagt jenen braune Rand, der eben übrig bleibt, wenn man den leckeren Kaffee ausgetrunken hat und der sich dann langsam auf dem Tisch festsetzt. Ein Rand den man mit viel Mühe entfernen kann, der aber immer wieder auftauchen wird, solange man Kaffee trinkt und warum sollte man damit auch aufhören.

Ich habe auch weiterhin keine Lust auf eine Diskussion über das Feierverhalten der deutschen Fußballmannschaft. Hätte ich nie gehabt. Aber mir wurde gestern ein wunderschöner Abend zerstört und ebenso das Feiergefühl einer jungen Frau, die wohl einfach ein Fußballspiel genießen wollte. Viele meiner Freunde haben sich über schöne Spiele einer Weltmeisterschaft gefreut. Sie genossen Fußballspiele und hatten ihren Spaß. Jenen Freunden möchte ich den Spaß nicht verderben, denn um die geht es mir nicht. Sie haben mit den verschiedensten Teams mitgefiebert und daran kann ich nichts schlechtes finden, und ich will es auch gar nicht.

Kleiner Hinweis

WordPress hat uns ja einen neuen Editor beschert, den ich übrigens gar nicht verkehrt finde. Ein wenig überrascht war ich dann doch eben, als ich meine Tags per Komma-Trennung eingab und feststellte, dass sie dadurch nicht übernommen werden. Nein, die müssen einzeln mit Enter gesetzt werden. Mir gefällt das sogar besser, aber es ist neu und auch je nach Editor (also Schnelleditor vs. Dashboardeditor) unterschiedlich. Also achtet darauf, nicht dass es euch wie mir ergeht und ihr so einige Einträge nach-taggen dürft.

Der Ritter

Als ich erwachte, blickte ich in deine Augen. Der Wecker hatte noch nicht geklingelt und so nahm ich mir die Zeit, mich in ihnen zu verlieren. „Bist du schon lang wach?“, fragte ich dich und du schütteltest nur leicht mit dem Kopf und meintest: „ Ich wollte nur meinen Ritter betrachten.“ „Deinen Ritter? Ich? Was macht mich denn zu einem Ritter?“ „Ein Ritter beschützt und rettet und du hast mich heut Nacht beschützt und damit meinen Schlaf gerettet.“

So ritterlich kam ich mir gar nicht vor. Wir waren nebeneinander eingeschlafen, ich zumindest war schon fast vollkommen in meinen Träumen angekommen, als mich etwas ins Wache zog. Ich blickte nach rechts zu dir und sah, dass du nicht schlafen konntest, so wie es immer mal wieder geschah. Ich kann nur erahnen, was dann in dir vorgeht.

Meinen Blick löste ich, um eine Kerze auf dem Nachttisch anzuzünden und tat, als könnte auch ich nicht schlafen, aber du wusstest eh, dass ich zuvor bereits friedlich weggedöst war. Ich holte die zweite Decke von der Kommode und legte sie dir in den Rücken, danach bot ich meinen Körper zum ankuscheln an. Deinen Kopf legtest du auf meinem Bauch und deine Schulter bot sich mir, um darüber zu streicheln bis ich spürte, dass du ruhiger wurdest.

Ich griff nach einem Buch und begann eine Geschichte vorzulesen. Eine Geschichte, die wohl ein wenig zu viel für ein Kind gewesen wäre, aber dennoch mit der gleichen Liebhaftigkeit geschrieben war, die man früher zu hören bekam. Am Ende der Geschichte schliefst du tief und fest. Ich legte das Buch zur Seite, löschte die Kerze mit den Fingern und schlief neben dir ein, denn ich fühlte mich beschützt von dir, meiner Ritterin.