Übers Schreiben

Das ist schon so eine Sache mit dem Schreiben. Manchmal, da fliegen die Geschichten nur so aus einem heraus (so geht es mir zumindest) und manchmal, da verebbt es irgendwie. Meist bin ich beschwingt von Gefühlen oder von klaren Bildern, die etwas erzählen, so dass ich gar nicht anders kann, als loszutippen. Schon merkwürdig, dass man seine Gefühle auf diese Weise auslebt, aber manchmal ist man an die Fiktion gebunden und es ist ja sogar äußerst positiv, denn für den Schreiber findet sich auf diese Weise ein Ventil und für seine Leser ein neuer Lesestoff.

Eine wirklich schöne Vereinbarung, die wir da getroffen haben. Hin und wieder müssen die Leser dann eben auch warten, denn man kann ja als Schreiberling nicht durchweg Gefühle und Bilder im Kopf mit sich tragen und „ausleben“, manchmal fühlt man in der Hinsicht leer. Und dann gibt es zudem noch Phasen, da weiß das Herz, dass es was herausschreien möchte, aber die Geschichte dazu, die fehlt. Die Geschichte will einfach nicht zustande kommen. Kein Bild ist gut genug dafür, kein Traum reizt aus, was man empfindet und dann schweigt man. Und während ich so schweige, frage ich mich, wo meine Kunst hingegangen ist und ob sie jemals da war. Ich lese alte Texte und schüttle meinen Kopf über ungesehene Fehler und einen miesen Ausdruck oder über fehlende Atmosphäre. Ich bin dann ganz froh, dass ich dann hier auf diese Kommentare stoße, die mir sagen wollen, dass es nicht so ist, wie ich es empfinde, aber sie dringen nicht ganz bis zu mir durch. Ich verstehe dann, wie die schönste Frau vor dem Spiegel stehen kann und an sich heruntersieht, um die Makel zu finden, die gar nicht vorhanden sind. Niemand könnte ihr ausreden, was sie zu sehen glaubt, bis sie sich selbst zu lieben lernt. Und so ist es eben auch mit mir und meinen Texten, die so oft aus meinem Innersten entstehen und mir doch nie gut genug erscheinen. Gut genug wofür eigentlich? Also warte ich weiterhin, bis wieder Bilder erscheinen zu den Gefühlen, die bereits da sind und etwas neues formen. Wird es gut sein? Keine Ahnung, aber es wird ehrlich sein, das ist das einzige, was ich in meinen Texten bin und es ist das einzige, was ich in meinen Texten sein muss.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Übers Schreiben“

  1. Es lohnt sich immer, ein wenig auf Deine Texte zu warten, lieber Ben. Hadere nicht mit Deinem Anspruch, er macht Deine Ehrlichkeit aus. Wobei „hadern“ eigentlich die falsche Wortwahl ist, denn selbst Deine Übersschreibengedanken lesen sich bonfortionös. Herzliche grüße, deine Käthe.

    1. Vielen Dank, werteste Käthe. Ich setze mich ja nicht absichtlich unter Druck, aber ich wünsche mir eben, dass mal wieder ein paar neue Sätze aus meinen Fingern strömen. Und während ich so warte, gebe ich meinen Lesern dennoch gern einen Einblick in mein Innenleben. 😉
      Liebste Grüße, Ben.

  2. Ich habe das jetzt schon seit Wochen. Ich fange immer wieder etwas an, habe es genau vor Augen und wenn ich dann schreibe, bleibe ich hängen und komme nicht weiter.
    Du schreibst gute Geschichten und wenn es etwas länger dauert, dann ist es eben so.

    1. Schön zu lesen, dass auch andere an solch einem Punkt stecken, wenngleich es natürlich noch schöner wäre, wenn es einfach so flutschen würde. 🙂
      Vielen Dank und warten wir ab.

  3. Heute schaue ich in meine Blogstatistik rein und sehe einen Link, der mich verlinkt hat – zu einem uralten Beitrag von mir. Und ich war geschockt darüber, wie schreibintensiv ich damals lebte und wie schreibfaul ich heute doch bin. Manchmal habe ich wunderbare Gedanken, aber ich habe keine Lust, sie so auszuformulieren, dass sie verständlich sind. Ich bin ganz traurig darüber, nicht, dass diese Fähigkeit oder dieser Drang noch verebbt.

    Danke für deinen Beitrag, Ben … *seufz*

    1. Oh, der Eintrag war gar nicht als Arschtritt gedacht…na höchstens an mich selbst…aber verebben lassen dürfen wir es wirklich nicht. Dafür lese ich dich viel zu gern.

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