Der letzte Lauf

Es ist doch schon Abend, aber in solchen Sommertagen kann es gar nicht spät genug sein, damit die Hitze uns nicht alles abverlangt. Meine Familie neben mir und ich suchen unsere Gruppe und streifen dabei unzählige Läufer. Man erkennt an den Shirts, wer zusammengehört. Überall strahlende Gesichter und manch einem steht bereits jetzt schon der Schweiß auf der Stirn. Da endlich, da ist unsere Gruppe. Einige Kollegen warten schon auf mich. Wir haben in den letzten Jahren so einiges erlebt und dieser Lauf hier, der schweißt uns jedes Jahr noch mehr zusammen.

Welch eine Hitze.

Der Moderator erzählt etwas von bestem Laufwetter. Na er muss ja auch nur moderieren. Zehn Minuten braucht es, bis auch ich endlich starten kann, so dicht gedrängt steht das Feld. Nach ein paar wenigen Metern schon staut es sich bereits und aus den wenigen Metern Laufen wird ein Gehen. Eng an eng geht es voran und immer wieder trifft mich ein Ellbogen. Es sind gerade jene Läufer, die schnell noch durch wollen. Auch ich wechsle nun ständig zwischen Joggen und schnellem Gehen, denn anders kommt man nicht durch das Feld, das immer wieder mit neuen Klümpchen aufwartet. Ein Seitenstechen spüre ich, nicht schlimm, er wird vergehen. Von links hinten schnauft es, dabei ist der erste Kilometer noch nicht geschafft. Das Schnaufen überholt mich und Typ könnte locker halb so alt sein, wie ich. Er sollte ruhiger machen, hier kommen wir nicht schneller voran und es klingt nicht gesund. Wir sind im Schatten der Bäume, so lässt es sich aushalten.

Wieder Ellbogen und die Hitze.

Drei Kilometer sind geschafft und die Bäume verlassen uns. Für einen kurzen Moment war der Weg so breit, dass wir frei genug waren, uns uneingeschränkt nach vorn arbeiten zu können, doch ich sehe dass es wieder enger wird und spätestens an der Brücke wird es nur im langsamen Schritttempo weitergehen. Die Sonne knallt noch heftig und mein Kopf fühlt sich an, als wäre er hochrot. Ein Blick zu meinen Freunden…sie kämpfen auch ein wenig mit der Anstrengung. Endlich haben wir die Brücke erreicht. Wir haben Zeit, uns anzulächeln und folgen langsam der Masse. Oben angekommen werden wir von einem sanften Regen aus dem Gartenschlauch begrüßt, direkt danach gibt es was zu trinken. Doch ich sehe keine vollen Becher mehr und eine lange Schlange. Wir laufen weiter. Hinter der Brücke wird irgendwann wieder ein Stand mit Wasser kommen, da nehmen wir was mit.

Wieder Ellbogen und die Hitze.

Ein wenig Schatten und das Feld weißt ein paar Lücken auf, so läuft es sich besser und ich auch schneller. Mein Kopf fühlt sich wieder hochrot an und die Seitenstiche kommen wieder, doch dieses Mal heftiger. So stark kenne ich den Schmerz nicht und ich werde etwas langsamer. Nur kurz schließe ich meine Augen.

Kein Ellbogen mehr, aber die Hitze.

Wer ist die Frau über mir? Warum schauen meine Freunde und meine Familie so ängstlich?

Die Frau ist weg und nun ist es ein junger Kerl. Er soll mir das Ding vom Mund nehmen, denn ich bekomme keine Luft.

Ich höre das Martinshorn, an den Wänden sind überall kleine Schubladen. Noch immer hab ich dieses Ding auf dem Mund und einer zählt…22…23…
– – – – – – – ————————–

An den einen Läufer, der das Ziel nicht fand.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

6 Kommentare zu „Der letzte Lauf“

      1. Hm…ich glaube nur, dass es dann dennoch besser nur im Kopf gesungen wird, weil die Familie und Freunde, die drumherum stehen, es wohl weniger toll fänden.

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