Der perfekte Moment

Wir suchen ja immer wieder nach dem perfekten Moment. Den perfekten Moment, um etwas zu beichten zum Beispiel. Aber ich suche doch einen anderen perfekten Moment. Er ist ähnlich verrückt, wie die Suche nach dem perfekten Partner, aber dennoch realistisch. Und mal so gefragt: Eine perfekte Partnerschaft, was genau könnte das sein und wenn man es hat, müssen dann die Beiden ab dem Zeitpunkt unverändert bleiben?

Nein, mir genügt der perfekte Moment. Und damit verlange ich schon eine ganze Menge. Es gibt diesen perfekten Moment durchaus und immer mal wieder. Würde man mich nach dem einem perfekten Moment fragen, so wüsste ich ihn sofort. Das ist doch eigentlich unsinnig oder? Aber doch, ich könnte ihn benennen. Und sollte es nach dem Tod noch ein Leben geben, dann wünschte ich mir, dass es jenes Gefühl ist, was ich in jenem perfekten Moment empfand.

Womöglich sollte ich schauen, wann ich so empfand und wenn ich das tue, dann finde ich weitere perfekte Momente. Momente, in denen zwei Menschen absolut gleich empfanden. Zwei Menschen, die nur für diesen einen Moment zu einem wurden. Es geht mir nicht um Sex oder um einen Kuss, sondern um das gleiche Empfinden in zwei Personen. Natürlich kann es Sex sein oder ein Kuss, aber ebenso eine Berührung oder einfach nur das Gefühl, angekommen zu sein in einem anderen Menschen. Warum eigentlich „einfach nur“?

Vor einiger Zeit hatte ich einen solchen Moment. Zwei Menschen, die spürten, dass da mehr ist – dass da etwas ist. Und ich frage mich, wonach wir eigentlich suchten und ob wir damals das Schicksal herausforderten und ihm befahlen, noch einen weiteren Moment zu bekommen, bevor wir uns wagten. Denn das ist das Problem: Wenn wir ein Leben lang nach dem perfekten Moment suchen, dann leben wir ein Leben voller verpasster Chancen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

26 Kommentare zu „Der perfekte Moment“

  1. Das ist die Art Text, die ich gaaaaaaaaaaanz besonders schätze. 🙂
    Ich denke, dass perfekte Momente nicht wirklich geplant werden können. Ein perfekter Moment ist – meiner Meinung nach – unvorhersehbar, er kommt überraschend und passiert, wenn wir ihn am wenigsten erwarten. Wir können etwas perfekt planen und ausführen, aber ich denke, dass es trotzdem nicht zum perfekten Moment führt. Da ist für mich eine spezielle Art Freude, die ich im perfekten Moment empfinde, die nur aus dem Unerwarteten stammt. Im perfekten Moment sehe ich einen Glücksmoment, der anders/zusätzlich gewürzt ist.

    1. Danke sehr und es stimmt, planen lässt sich solch ein perfekter Moment ganz bestimmt nicht. Und das Unerwartete…das passt da sehr gut hinein. Stellt sich nur die Frage, was man macht, wenn man eben ständig erwarten würde? Wie könnte man sich wieder dazu bringen, es nicht zu erwarten?

      1. Perfekte Momente zu „erwarten“ halte ich für einen Fehler. Eine nicht erfüllte „Erwartung“ führt zur Enttäuschung und das daraus resultierende Gefühl ist eher negativ.
        Das beste um perfekte Momente nicht zu erwarten, ist wohl nicht daran zu denken. Einfach passieren lassen. Ich kann zu einem perfekten Moment beitragen, aber ich kann ihn nicht herbei führen. Da ist das Umfeld auch in der „Pflicht“.
        Abgesehen davon, dass Menschen den perfekten Moment unterschiedlich definieren. Mein perfekter Moment kann für jemand anderes völlig unbedeutsam sein…

      2. Und wie denkt man nicht an etwas, an das man denkt? Genau das ist ja die Frage, die sich stellt. Wie schaltet man den Kopf ab, wenn er sich nicht abschalten lässt?

      3. Das kann ich dir nicht sagen. Was tust du, wenn du verliebt bist, aber das Gegenüber zeigt kein Interesse?… Da unterdrückst du die Gedanken an die Person doch auch, oder?
        Ich bin jetzt 6 Jahre solo und wünsche mir Einiges. Sowie ich auch von verschiedenen besonderen Situationen träume, aber ich tröste mich indem ich denke, dass der Moment für neue Bekanntschaften noch nicht da ist. (Abgesehen davon, dass die Gesellschaft es einem Arbeitssuchenden nicht gerade einfach macht.)
        Ja, ich habe Sehnsucht nach ganz besonderen Begegnungen, aber ich laufe nicht mit dem Strick am Hals rum, weil ich meine ausgedachten perfekten Momente nicht auslebe. Ich bin davon überzeugt, dass alles in meinem Leben einen Sinn macht und es wird auch einen Sinn machen, solo zu sein und einfach nur zu träumen…

      4. Ich glaube, dass es gar nicht so einfach ist, wenn man einen Gedanken so präsent hat, ihn einfach zu unterdrücken. Und mich beschäftigt schon sehr lange die Frage, wie man abschalten kann, wenn man es eben nicht kann, denn diese Situation gibt es immer wieder im Leben.

      5. Ich kann hier nur sagen, was ich tue: erstens werde ich mir ganz bewusst, dass ich wiederkehrende Gedanken haben werde (wenn es etwas ganz akutes ist). Ich weigere mich, mich über diese Gedanken zu ärgern: es ist, so wie es ist! Danach helfen mir nur Ablenkung und Geduld.

      6. Ich hätte noch gerne Meditation empfohlen, aber da sie seit Wochen bei mir nicht mehr anschlägt, lass ich es lieber sein…

  2. Ich mag ihn auch so gerne. Den perfekten Moment. Und dabei ist es egal, wie unperfekt er ist, wenn genau dieses Gefühl da ist. Diese kurzzeitige Erkenntnis, diese Bewußtmachung und das sich einfach wohlfühlen.
    Gefährlich wird es irgendwie dann, wenn ein Bestreben nach eben solchen Momenten beginnen würde. Dann merkte man sich sicher weniger, sondern erst im Nachhinein.
    Hach, ein schöner Text 🙂

    1. Aber irgendwie ist es nachvollziehbar, dass man auch nach solch einem Moment sucht, gerade weil er so schön ist. Und gegen das Suchenwollen ist nur schwer anzukommen. Sehe ich ja bei den Singles, die dann eben schon verzweifelt suchen. 😉
      Vielen Dank.

  3. Wow, was für einen Text! Toll! Es ist zu ironisch, dass ich kürzlich einen Artikel darüber verfasst habe, was es bedeutet, den Moment zu ergreifen, wenn er denn da ist. Ich kenne diese perfekten Momente, nur manchmal nutzt man sie nicht… Sie sind filigran und leicht zerstörbar, dpch das ist bei den meisten schönen Dingen so. Es erinnert mich stark daran, dass ich an einem Tag vor gut einem Jahr in meinem Kalender folgenden Spruch las: „Ergreife den Moment, er ist dein.“ (Goethe) Das war auch der Tag, an welchem ich mir den Mut fasste, jemanden meinen Gefühle zu gestehen. Ich habe es nie geplant, aber in dieser Situation kam es von ganz alleine. Mit gutem Ende:D
    Ich glaube, dass diese perfekten Momente, egal wie individuell sie sind, uns allen das Gefühl von Unendlichkeit geben.

    1. Ja, den Moment wahrzunehmen und auch zu nutzen, das ist eine Weisheit, die vermutlich so alt ist, wie wir Menschen. Vermutlich gehört das Zögern zu unserer Art ebenso wie das Angehen. Das muss man sich aber immer mal wieder bewusst machen und übers Zögern eben nicht das Leben vergessen 🙂

      1. Ben, du bist immer für eine Weisheit gut! Ich freu mich schon auf deinen nächsten Beitrag mit deinem nächsten Gedanken:D
        Irgendwie hasse ich perfekte Momente manchmal, weil man sie so leicht versauen kann – und ab und an bemerkt man sie gar nicht so richtig, finde ich, z.B. wenn man sich mit jmd gut verstehst, es ein echt netter Moment ist, man sich unterhälst, es langsam Abend wird, man sich mit einem Lächeln ansieht, viel lacht und ehe man es selbst glaubt oder bemerkt, packt einen derjenige gegenüber und küsst einen so unvergesslich sanft! Das ist sowohl magisch, überrumpelnd als auch ein verzögert perfekt-gewordener Moment, wenn du mich fragst.

      2. Schön, wenn einer von euch den perfekten Moment zu nutzen weiß 😉 manchmal ist es so eine Sache mit den perfekten Momenten, denn manchmal sind sie da und dürfen einfach nicht genutzt werden, dann kann man solche Momente natürlich sogar hassen oder sich schweren Herzens an ihrer Schönheit erfreuen. Und danke sehr…die Weisheiten hab ich über die Jahre geklaut und gesammelt und haue sie nun hie und da raus ^^

  4. „Weil wir nicht wissen, wann wir sterben werden, sehen wir das Leben als eine unerschöpfliche Quelle. Aber die Dinge geschehen nur wenige Male und dann nie wieder. An wie viele Tage der Kindheit erinnert man sich, die das Leben so stark beeinflusst haben, dass es ohne sie nicht denkbar wäre? Vielleicht vier, fünf, vielleicht nicht einmal das. Wie viele Male siehst du den Vollmond aufgehen? Vielleicht zwanzigmal? Und doch scheint alles unendlich.“ (Brandon Lee)

    Musste beim Lesen an das Zitat denken… Jeder von uns sucht den perfekten Moment. Ich glaube sogar, dass das unser Antrieb im Leben ist: das Sammeln perfekter Momente! Haben wir den einen er- und gelebt, freuen wir uns auf den nächsten, stellen ihn uns in Gedanken vor, suchen ihn, aber „einige Dinge geschehen nur wenige Male und dann nie wieder“… Hatte ähnliche Gedanken, siehe hierzu:

    https://annisaugenblicke.wordpress.com/2014/05/26/wie-eine-seifenblase/

  5. Perfekte Momente sind die Würze im Leben 🙂 Ich erinnere mich gerne an solche zurück. Ich habe nur das Problem, dass ich diese Momente manchmal gerne noch einmal hätte, geht aber in 99,9% der Fälle nicht und das macht einen immer mal wieder traurig :/

      1. Das ist das Schicksal von sensiblen Menschen…aber hey…manche Leute haben nichtmal Gründe für ein „Hach“ also schätzen wir uns glücklich 🙂

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