Der alte Mann (Teil fünf)

Als erstes ging ich einkaufen. Meine Vorstellung von sterilen Gefäßen erschöpfe sich mit ein paar Miniisolierflaschen. Keine Ahnung, wer sonst so eine Flasche mit einem halben Liter Volumen überhaupt kauft, für mich waren sie recht praktisch. Ich nahm vier davon mit. Die restlichen Einkäufe erledigte ich im Anschluss. Wenn mich die Verkäuferin nicht vorhin schon merkwürdig angesehen hätte, dann gab ich ihr jetzt einen guten Grund. Sie meinte, es gäbe auch eine 2 Liter Iso-Flasche. Ich nickte nur zustimmend und lächelte. Vermutlich hielt sie mich jetzt für einen Idioten und in zwei Stunden würde die ganze Stadt wissen, was ich gerade gekauft hatte.

Beim Einladen in den Jeep, traf ich den örtlichen Polizeichef. Er sah sich meinen Wagen an und musterte mich, als ich auf ihn zukam. Ich grüßte ihn recht freundlich und überlegte kurz, ob ich ihn bezüglich einer Fabrik in der Nähe des Sees befragen könnte. Sein recht kalter Blick und zu viele Filme aus den 80ern hielten mich davon ab. Er fragte mich, was mich in die Gegend verschlagen hätte und ich erklärte ihm, dass ich meinen Großvater Tom am großen See besuchte. Der Kerl blieb regungslos. „Wie lang wollen Sie denn hier bleiben?“, fragte er mich und ich schätzte eine Woche. Solche Gespräche haben nur einen Grund: man will Fremde beeindrucken und ihnen klarmachen, dass hier jemand wacht. Smalltalk ist das nicht. Ich versuchte die Stimmung ein wenig zu heben, indem ich ihn fragte, ob er mir denn eine Gaststätte empfehlen könnte. Er nickte nur in Richtung des Hauses gegenüber, direkt neben dem Laden, in dem ich eben einkaufen war. Ich verabschiedete mich und ging hinüber.

Ein Steak mit Röstkartoffeln und einen Salat bestellte ich mir bei der Kellnerin, welche ihre Bluse einige Knöpfe zu weit offen trug. Es würde ihr kein Extratrinkgeld bescheren, aber zumindest war sie angenehm freundlich. Während ich wartete, fragte ich mich, warum ich nicht in einem Haus am See lebte. Mit den Leuten hier in der Stadt müsste ich nicht auskommen, nur die Einsamkeit dürfte mich nicht erschlagen, aber irgendwie hatte Tom das auch geschafft. Nach dem Essen orderte ich noch eine Tasse Kaffee um die Zeit totzuschlagen. Er schmeckte grässlich, was mich ihn eher runterstürzen ließ und letztendlich ging ich bereits nach anderthalb Stunden wieder zum Telefon und rief meinen Bekannten an, um zu erfahren, ob er schon etwas zu einer Fabrik am See herausgefunden hatte.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

28 Kommentare zu „Der alte Mann (Teil fünf)“

  1. „Sein recht kalter Blick und zu viele Filme aus den 80ern hielten mich davon ab.“ – Genau das dachte ich mir an der Stelle auch. „Frag nicht! Frag den nicht! Wir wissen, wie das ausgeht!“

      1. Filme aus den 80ern…ähm, das spricht für sich ^^ klar gab es da gute, aber das Gros…war schon ähm…großartig. Aber dank ihrer kann ich hier solch eine Szene einbauen und jeder Mensch über 25 hat sofort eine Vorstellung 😀

      2. Weil ich die letzten Tag zu viele Generationen-Themen diskutiere und langsam das Gefühl habe, ich sage lieber gar nichts mehr.

        Dennoch: Bei Gelegenheit frage ich bei den 50ig-jährigen in meinem Umfeld nach, wer von denen das oder das kennt.
        Vermutlich werde ich mit meiner TV-Erfahrung dagegen als die verlorene Generation dastehen…

      3. Ach, nichts ist verloren. Mein Wissen und meine Einstellungen sind durch MacGyver und Star Trek geprägt und so schlimm ist mir das nicht bekommen 😉

      4. Du, diesem Henry hätte ich auch zugetraut, dass er per Anhalter mit einem Rucksack seinen Opa besucht…

        … und lass dich von den Mädels nicht hetzen: da steckt noch jede Menge Stoff für einige aufregende Teile in deiner Geschichte.

      5. Ja, das würde jener Henry auch machen, da bin ich mir absolut sicher. Ich stelle gerade fest, dass ich alterstechnisch die Namen hätte verdrehen sollen ^^

        Ach, die hetzen mich nicht, das mach ich schon selbst 😀 denn eigentlich ist ja schon jede Idee da, nur muss sie noch aufgeschrieben werden. Da ich mir selbst so eine merkwürdige Grenze von 350-400 Worte gesetzt habe, passt aber immer kaum was rein in die Teile…aber ich hab meinen Spaß.

      6. Für die Namen gibt es immer Erklärungen… Vielleicht wurde ja der junge Henry nach einem Urgroßvater genannt… Alles null Problemo.

        Ich begrüße deine Wortgrenze, weil ich einer von denen bin, der lange Texte ignoriert…

        Ich würde auch gerne etwas über Henrys Mama erfahren…

      7. Interessant, ich hatte eben überlegt, wie ich das Gespräch von Tom und Henry entwickle, damit man mehr über die Familie erfährt…also ich glaube, dass dein Wunsch im nächsten Teil schon erfüllt wird.

      8. Woran Toms Sohn und Henrys Papa gestorben ist, hast du auch noch nicht verraten, bzw. Tom hat sich nicht dafür interessiert…

    1. tut mir leid…ich wollte mal einen frühen weiteren Teil rausbringen und heut Abend womöglich Teil sieben schreiben und anschließen lassen. So langsam möchte ich doch in der Geschichte weiterkommen und sie gar abschließen ^^

      1. Muß Dir nicht leid tun, ich kann mir ja den Lesegenuß einteilen. Frau Lila freut sich im Gegensatz zu mir bestümmpt über Schnellweiterveröffentlichung.

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