Blickwinkel

Es war genau der richtige Platz. Die Sonne schien mir ins Gesicht und keine Menschenseele weit und breit außer dem humpelnden Alten, der sich gerade zum Angeln gesetzt hatte. Mein Blick fiel auf die Hügel der Stadt und auf ihre Weinstöcke. So schmeckt das Mittagessen gleich tausendfach besser. Es ist jene Ruhe, die man immer wieder suchen muss. Der Alte scheint sie gefunden zu haben. Er humpelte zu seiner Stelle, als hätte er den ganzen Tag für die paar Meter. Sehr beruhigend ist das.

Als das Essen vertilgt ist, mache ich mich auf und bemerke sie wieder. Sie, die Streben des Metallzauns. Ich hatte sie bereits bemerkt, als ich mich setzte und mich geärgert, dass sie gerade dort aufgebaut worden waren, wo ich mein Mittag essen wollte. Aber dann besann ich mich und machte mir bewusst, dass ich sie bald schon vergessen haben würde. Und so war es auch. Keine zwei Gedanken nach dem Setzen war der Zaun verschwunden, mein Auge sah in die Ferne und erblickte die verschwommenen Stäbe nicht mehr. Erst, als ich aufstand und an ihnen entlang ging. Als es nichts besseres oder schlechteres zu sehen gab und der Winkel sie enger erscheinen ließ, erst da bemerkte ich sie wieder. So ist das mit den Zäunen, die uns umgeben. Wir können sie schnell übersehen, sie und die Grenzen, die sie uns setzen. Wir müssen schon ein wenig vor und zurück gehen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

6 Kommentare zu „Blickwinkel“

  1. Ich habe nichts gegen ein bisschen Grenzen und Zäune: dadurch nehme ich das Jenseits des Zauns oder der Grenze nicht als selbstverständlich… Wertschätzung!

      1. Den Blick dafür wünsche ich unserer oberflächlichen und überheblichen Gesellschaft.

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