forgotten memories

Was für eine Melodie. Vor fast fünfzig Jahren war sie zum ersten Mal zu hören und mir ging der Song schon immer unter die Haut. Deswegen verwundert es mich nicht, dass er auf der Playlist steht. Es ist die Erinnerung, die mit dem Hören kommt, die ich nicht erwartet hatte.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass sie und ich unsere Räder des Nachts schoben. Der erste Kuss war noch jung, vielleicht eine Stunde, vielleicht mehrere, das hätte ich schon damals nicht sagen können, denn die Zeit zwischen dem ersten Kuss und dem Fahrradschieben nutzten wir für weitere Küsse. Nutzten sie für das Flüstern nah am Ohr und für die sanfte Berührung von einer Stirn mit der anderen.

Als wir so schoben, sang ich ihr jenen Song vor. Die Angst davor, einen Ton nicht zu treffen, war weit entfernt. In dieser Nacht fürchtete ich gar nichts. Was hätte ich auch fürchten sollen? Ich sang ihn vor, denn der Name sagte ihr nichts und leider auch nicht mein Gesang. Sie hatte ihn nie zuvor gehört. In der Zeit, in der ich das Lied kennenlernte, brach sie von Zuhause aus, um mit ihrem Freund zusammen zu sein.

Wir nutzten die eine Chance, die sich uns bot. In einer warmen Sommernacht tanzten wir im Staub und zwischen spitzen Steinen, bis sich unsere Blicke und unsere Lippen fanden. Ich könnte mir die Nacht nicht ein Stück anders vorstellen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

16 Kommentare zu „forgotten memories“

    1. Ja, mach ich, wobei ich es ja jetzt vorrangig nur du siehst, denn ich schreibe es dir ja in deiner Antwort. Dir ist der Song vermutlich zu schmalzig 😉

      Them – It’s all over now baby blue

  1. Ein bisschen natürliche Angst, kann auch ganz gut sein und einem einiges ersparen..nicht jedes erste Mal ist gut, nur weil man keine Angst hatte und alles schön war, weil das Leben nicht aus einer Aneinanderreihung von schönen Momenten oder einzelnen Nächten bzw einer Nacht besteht in der man furchtlos war.

    Ziemlich traurig das so als Erkenntnis gewonnen zu haben. Aber man muss ja nicht alles dramatisieren, oder?

    1. Warum hätte ich damals die Angst gewinnen lassen sollen, die ja gar nicht vorhanden war. Es war gut, dass ich sie an dem Abend nicht kannte, auch wenn es mir einige Zeit später Monate des Herzschmerzes bescherte. All die schmerzhaften Momente wiegen nicht schwerer, als jene des Glücks und deswegen allein war es das schon wert.

      1. War es das wert oder war sie es wert? Man sollte Erinnerungen nicht aufwiegen und dennoch sind die einen verdaubarer als andere. Ich würde dir mein ganzes Hab und Gut hinterherschmeißen, wenn du mir die eine oder andere wieder abnimmst. Sie glitzern und funkeln auch immer noch sehr schön. Liegen nur immer schwerer im Magen.

      2. Also hätte ich sie nicht küssen sollen und nicht die schönen Momente haben sollen? Nein, ich habe gelebt und bin nicht aus Angst stehen geblieben. Was mir blieb sind die Erinnerungen daran und es ist allein an mir, ob ich jene betrachte, die schön waren und mich an ihnen erfreue oder ob ich darum trauere. Das Leben nur eintönig und ohne die besonderen Momente zu leben, kann wohl kaum der Sinn des Lebens sein. All jene Gefühle und die Wege, die ich ging, machten mich zu dem Menschen, der ich bin. Sicherlich bin ich nicht immer glücklich mit mir und meinen Entscheidungen, aber ich bereue nichts, außer das Nichtstun.

      3. Du klingst stets so weise, dass man nicht denkt du könntest unglückliche Entscheidungen treffen und dabei geht es hier ja nur um einen Kuss. Da ist ‚bereuen‘ ein starkes Wort. Meistens hat man ja gute Gründe, falsche Entscheidungen zu treffen. Wahrscheinlich bereut man deswegen weniger, die Dinge,
 die man getan hat, sondern eher die man nicht getan hat oder nicht gesagt hat und die jemanden
den, den wir schätzen hätten helfen können.

      4. Es ist nicht weise, aber es ist die Art, wie ich mein Leben bestreite. Ob das gut ist oder nicht, darüber lässt sich streiten, aber ich handle einfach so. Eine gute und ungute Entscheidung gibt es für mich nicht, nur eine Entscheidung und ihre Konsequenzen.

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