Last days

„Du Ben, ich würde gern durch die Alpen wandern“, sagte meine Mitbewohnerin Nara zu mir und meinte so viel mehr damit. Sie fragte mich nach Geld für den Ausflug, nicht um eine Leihgabe, das war mir klar. „Willst du allein gehen oder mit einer guten Freundin?“, war meine Antwort, in der ein Ja zum Geld beinhaltet war. Sie blickte gen Boden, vermutlich wusste sie das selbst noch nicht genau. Da war noch mehr in dieser Frage von ihr und ich tat mich schwer damit, anstelle ihrer nachzufragen: „Willst du…“, es brauchte einen Moment, bevor ich erneut ansetzte: „Ich weiß nicht, ob ich fragen sollte. Wirst du dort bleiben? Ich meine, willst du…“ Ihr Blick wanderte höher und für einen kurzen Moment sahen wir uns in die Augen, die sich daraufhin mit Tränen füllten. Ich hätte mir auch einen anderen Ort für meine letzten Tage gesucht, wenn ich das Datum kennen würde. Sie wusste es nicht genau, aber sie hatte bereits erklärt, nicht bis zum letzten Moment warten zu wollen. Ich stand auf und legte meine Arme um sie. Ein Kuss auf ihren Kopf war ein Abschied und ein deutliches Ja. Mehr gab es nicht zu sagen.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Last days“

  1. Das berührt mich seltsam, Ben. Normalerweise bin, will ich nicht anfällig sein für solche Botschaften, aber im Moment – Gänsehaut. Und da will auch ein Tränchen hinaus. Puh.

    1. Hallo Madame Contraire,
      es war durchaus meine Absicht, Gefühle hervorzulocken, und es ist das höchste Lob, wenn es dann auch passiert. Selbst wenn es vielleicht eher dem Moment an sich geschuldet ist, als meiner Schreibe.
      Ich hoffe, du lächelst bereits wieder und genießt das Wochenende.
      Ben

      1. Nein, dein Text hat den größeren Anteil daran, das darf ich dir versichern. Und es gibt ja so viel, das ein Lächeln wert ist, auch dafür bin ich empfänglich, daher keine Sorge. Ich wünsche dir auch noch ein schönes Wochenende! Und Lächeln.
        Mme C.

      2. Oh, mich rief gerade ein Freund an, der gerade zufällig in der Stadt ist und ich werde gleich mal zu ihm in die Innenstadt düsen. Also ist mir ein Lächeln gewiss.
        Ben

  2. Sehr, sehr traurig… ich bin mir aber sicher, dass deine Reaktion das beste war, was ihr hätte passieren können. In diesem Sinne schön, und ich hoffe, sie wird es genießen.
    Liebe Grüße!

    1. Oh, bitte sei vorsichtig damit, was du in diesem Blog liest und als Tatsache ansiehst. Ich schreibe meistens fiktive Geschichten und Einblicke, selbst oder gerade wenn die Figur darin „Ben“ heißt. Es gibt durchaus auch Texte, die sehr an die Wahrheit angelehnt sind oder genau das sind, woran ich mich erinnere, aber dieser hier nicht.

      Dieser Text ist nur insofern authentisch, dass er meine Meinung zur Selbstbestimmung über das eigene Leben bzw. den Tod widerspiegelt. Wäre ich in der Situation, dann hoffe ich, so zu handeln, aber das Leben war bisher so gut zu mir, dass ich das noch nicht erleben musste.

      1. Gut dass du das sagst, ich habe es mir fast gedacht, aber es klang so authentisch, dass ich es als real angesehen habe.
        Damit kannst du aus meinem Mitgefühl, das jetzt überflüssig wird (und mich damit auch erleichtert; die Geschichte wäre nämlich wirklich sehr traurig, wenn wahr) einfach ein Kompliment für deine Schreibe machen. 😉

      2. Ich schwanke ein wenig zwischen schlechtem Gewissen, weil ich natürlich nicht möchte, dass Leute fälschlicherweise mit mir mitleiden und einem guten Gefühl, weil ich so ein schönes Kompliment bekommen habe.

      3. Boar.. das kenn ich auch so gut. Die angenommene vermeintliche Vermischung von dem was gelesen wird und das was du bist und selber lebst. Erwische mich allerdings dabei auch.
        Übrigens entweder sie sind mir durch die Lappen gegangen, irgendwie erscheinen deine Beiträge bei mir nicht. Komisch.
        Und bevor ich es vergesse, sehr tiefgehender Text, der absolut total berührt.. nicht das ich das noch vergesse. 🙂

      4. Also ganz fix zu dem Reader und den Einträgen, die nicht auftauchen. Das Phänomen hatte ich auch schon und ich glaube, dass WP entweder einen Fehler hatte (oder noch hat) oder gar einen intelligenten Filter einbaut, der Beiträge gar nicht erst anzeigt, wenn man zuvor viele andere Bloggerseiten besucht hat und somit jener Blog als weniger relevant angesehen wird. Ich kann nur vermuten und kenne das Problem.

        Ansonsten mache ich keinem Menschen einen Vorwurf, wenn man den Text auf mich bezieht. Das kann passieren und eben deswegen schrieb ich es ja auf die Willkommensseite. Mir ist aber natürlich auch klar, dass die nicht jeder besucht oder noch im Kopf hat. Dennoch möchte ich Beiträge nicht kennzeichnen je nach Realitätsgrad.

        Vielen Dank für das Kompliment. 🙂

  3. Ich habe es auch für einen echten Bericht aus deinem Leben gehalten und war etwas geschockt – es ist hier ja nirgends ein Hinweis, dass dem nicht so ist,

    Und jetzt fühle ich mich emotional getäuscht – just for literarischen Fun!

    1. Ein literarischer Spaß war es nicht und sollte es auch nie sein. Es war meine Meinung zu dem Thema „selbstbestimmtes Lebensende“. Wie ich auf meiner Willkommensseite bereits schrieb, sind die Texte fast ausschließlich fiktiv gehalten und ich würde es eher markieren, wenn dem nicht so wäre. Ich habe niemanden hinters Licht führen wollen, aber ich wollte durchaus Emotionen wecken. Ich kann verstehen, dass man mit einer unbekannten Person mitleidet. Das zeichnet dich aus, aber ich werde mich nicht für diesen Text entschuldigen. Ich brauche keine todkranke Mitbewohnerin, um mit denen mitzufühlen, die nur noch am Leben leiden, weil man verbietet, sie sterben zu lassen.

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