Klatschen

Oh, wie wir schrien und lachten. Auf unseren Rädern wollten wir schneller sein als der Regen, der zwar nicht kalt, aber dafür heftig vom Himmel fiel an diesem heißen Sommertag. Ich wusste, dass es noch einige Kilometer bis ins trockne Zuhause sein würden und so fuhr ich einen anderen Weg, an dessen Rand Bäume standen, die uns Schutz boten. Es war matschig und deswegen wohl doch keine gute Idee gewesen, aber ich liebte die Aussicht auf den kleinen und flachen See, die man dafür erhielt. Dir gefiel es ebenso gut, auch wenn du es fast verpasst hättest, weil der Regen wohl zu stark vor deine Augen schlug. Ich hielt an und du mit mir und fragtest, worauf ich warten würde, aber ich wartete nicht, ich hatte nur ein neues Ziel und nahm die paar Meter bis zum See. Dort zerrte ich mir die nassen Klamotten vom Körper und sprang in den See. Das wollte ich schon immer mal machen und ich wurde sogar belohnt, denn das Wasser nahm mich wärmend auf. Ständige Gänsehaut, weil kühle Tropfen, ein Lufthauch oder das warme Wasser einen umgab. Und du? Du warst mir längst gefolgt. Schön, dass du so wunderbar verrückt bist. Eigentlich wärst du es doch gewesen, die zuerst hier reingestürmt wäre. Vielen Dank, dass du mich dieses Mal den ersten Schritt hast machen lassen. Hier schmeckt das Leben intensiver. Vielleicht lag es am Geruch sauberer Blätter und aufgewühlter Erde oder am Klatschen der Tropfen auf dem Wasser, die höher noch als auf einer heißen Herdplatte tanzen und springen. Zu zweit die Ruhe genießen. Zu zweit den Applaus des Regens hören. Zu zweit aneinander geschmiegt den süßen Kuss kosten.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

10 Kommentare zu „Klatschen“

  1. Sehr sinnlich. Das Andeuten, das Weglassen von Worten bringt hier mehr, als alles andere.
    Die Beschreibung des Regens, die Tropfen auf der Haut. Die Luft, die sie umgibt.
    Der Geruch, die Töne.
    Ich mag es.

  2. Ah, ein Wasserbentext! Herrlich leicht und voll Sommerzauber. Danke dafür, meine jetzt dunkle Schreibstube wurde gleich ein wenig heller. Ein famoses Viertadventswochenende Dir, wünscht Deine Käthe.

    1. Ja, dafür habe ich kein Wasserbett (ge-)ext. Und die Schreibstube sollte ja auch nicht all zu dunkel sein, sonst werden die Gedanken düster und die Texte ebenso (hab neulich erst einen geschrieben, den ich gar nicht veröffentlichen möchte).

      Auch Dir wünsche ich ein schönes Viertadvendtswochenende,
      Dein Ben

      1. Ich schreibe gern im Halbdunkeln, kerzenlichtumflackert und beleismusikt. Egal, welche Art von Text. Die dunklen, die enthalten immer Nachtmahrpassagen und wenn ich sie kladdig oder tastaturig niedergeschrieben, deuchen sie mich gebannt.
        Einen freundlichwohlgemuten Vierten Advent, mein lieber Ben, Du wundervoller Nußgeschichtenerfinder, Deine Käthe.

      2. Nun ja, im Licht eines Stadionlichts möchte ich auch nicht sitzen, wenn ich schreibe, da bevorzuge ich auch die Ruhe einer gemütlichen, schummrigen Atmosphäre. Aber in der dunklen Jahreszeit darf man eben auch nicht vergessen, für ein wenig Helligkeit zu sorgen, das wollte ich damit nur sagen.

        Auch Dir wünsche ich einen angenehm ruhigen vierten Advent, Dein Ben.

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