Irgendwie unwohl

Da setzte ich mich vorhin aufs Rad und machte mich auf den Weg. Denn ich wollte dafür demonstrieren, dass ich gern in hier mit all den Menschen lebe, egal, wo sie herkommen oder welcher Religion sie angehören. Und dann stand ich da und sah den Haufen. So einige Deutschlandfahnen wurden geschwenkt und ein weißes Kreuz in die Luft gestreckt, woraufhin ich meinen Nachbarn fragte, ob die vergessen hätten, es anzuzünden. So viel zu denen, die mir den Grund lieferten, warum ich in einer kühlen Nacht ein paar Kilometer radle, wenn ich doch lieber in meinem warmen Zimmer sitzen und den Schein der Kerze genießen würde.

Wenn man die Texte auf deren Banner sieht, dann merkt man, dass sie sich für intelligenter und wissender halten. Um dies zu widerlegen, muss man sie eigentlich nur sprechen lassen, denn das enttarnt sie selbst recht gut. Was mich aber störte, waren die Parolen, die aus den Reihen kamen, in denen ich stand. Ich habe mich schon immer dagegen gesträubt, eine Parole mitzurufen und heute Abend hätte es nur eine gegeben, der ich zugestimmt hätte: X (=unsere Stadt) ist bunt. Ich brauche keine Sprüche, die nur provozieren wollen. Ich mag es auch nicht, was aus den Menschen wird, wenn sie ihre Parolen voller Wut hinausbrüllen.

Ich erblickte links neben mir einen Vater, der seine kleine Tochter auf den Schultern trug. Sie schrie all die Parolen lauthals mit und wer es bemerkte, der lächelte sogar fröhlich. In den Reihen der Deutschlandflaggenträger sah ich einen Jungen, der nur wenig älter als jenes Mädchen war und ich wusste, warum ich mich hier nicht wohl fühlte. Ich hätte gern in einem lauten Schweigen protestiert oder ein ruhiges Lied gesungen. Ein Lied voller Liebe und Frieden. Aber ich werde kein Sprecher von wertlosen Parolen werden. Für mich war klar, dass ich stehen bleiben werde. Solange dort Menschen gegen jene sind, die ich nur zu gern als meine Freunde wisse, werde ich dort stehen und sie nicht marschieren lassen. Man mag mir nun Vorhalten, dass ich der Sache mit solchen Aussagen schade, aber ich werde mich weiterhin unwohl dabei fühlen, wenn die eigenen Reihen mir so hasserfüllt scheinen und zwischen diesen wütend anschreienden Menschen Kinder zu sehen sind.

Es lässt mich traurig zurück.

Autor: Ben Froehlich

Schreiben ist mein Hobby, seitdem man mir erklärte, dass Mord strafbar ist...

17 Kommentare zu „Irgendwie unwohl“

  1. Ich kann Dich gut verstehen. Gewalt erzeugt Gegengewalt, egal ob mit der Faust oder mit dem Wort. Einfach stehen und nicht marschieren lassen, ist ein wunderschönes Bild, Ben. Wie eine Brandungsmauer. Das reicht fast als Aussage. Hoffen wir, dass unsere Reihen das noch erkennen. Vormachen. Mit Freunden. Damit man nicht als einzelner Ziegelstein, sondern als Stück der Barriere verstanden wird.

    Liebe Grüße,
    Silvia

    1. Hallo Silvia,

      ich erzählte das heute auch Freunden und sie verstanden mich. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ich hatte schon gestern Abend das Gefühl, dass neben den lautstarken Demonstranten viele wie ich waren, die sich nicht wohl fühlten. Ich werde mich genauer informieren, wie die Proteste in der nächsten Woche geplant sind und wenn es eine friedliche Aktion gibt, dann beteilige ich mich auf jeden Fall. Wieder in solch hasserfüllte Menge würde ich nur gehen, um ganz vorsichtig mit solch einem Vater zu reden. Die Stimmung ist dann eh aufgeheizt, aber ich denke, dass ich den richtigen (nicht oberlehrerhaften) Ton finden kann. Nur zu gern würde ich auch als Brandungsmauer dort sein, aber ich habe ein ganz mulmiges Gefühl, weil da ja schon Böller usw. verkauft werden dürfen oder?

      Liebe Grüße,
      Ben

      1. Oh ja, die Pyrothechnik. Berechtigte Bedenken. Eigentlich dürfen die erst ab 30.12. verkauft werden (wenigstens war das mal so), aber die Leute kommen ja doch immer früher dran.
        Mit einem Menschen zu reden, der gerade so aufgeladen ist, ist eine Herausforderung. Auch ohne oberlehrerhaften Ton. Wobei, er (hoffentlich) bei Anwesenheit des eigenen Kindes eher bereit ist zuzuhören. Kommt auf einen Versuch an. Doch würde ich nicht alleine hingehen.
        Wenn allerdings niemand einwirkt, wird sich wohl auch nichts ändern.
        Aufmerksam machen ist schon die richtige Taktik. Meist ist den Menschen ja nicht bewusst, wie sie wirken.

        Ich wünsche Dir ein schönes Fest,
        Silvia

      2. Zu welchen Zeiten streifst du denn durch die Blogs und kommentierst??? 😉 Ich hab schon überlegt, wie ich ihn ansprechen sollte und fand bisher so einige Wege, wie ich es nicht machen werde. Ich weiß, dass es nicht leicht wird und ich habe auch überlegt, ob es nicht sinnvoller ist, ihm einen Zettel zu schreiben, den ich ihm dann einfach direkt gebe. Ich könnte so die Worte sehr genau abwägen und ich würde keine Antwort oder Reaktion erwarten, aber die Nachricht wäre in seinem Kopf. Was ich ansonsten ebenfalls sehr gut finde, wäre die Zeit nach der Demo, wenn alle wieder gehen und man dann auf ihn zu geht. Seine Laune dürfte aufgrund des Erfolges (man blieb ja, bis die anderen gingen) sehr gut sein. Nur was, wenn ich noch andere Leute mit Kindern erblicke? Nunja, Schritt für Schritt 😉

        Ich wünsche auch dir ein schönes und geruhsames Fest,
        Ben

  2. Du wirst einen Weg finden, da bin ich sicher. Und meine Zeiten, nun ja, Droschkenkutscherin. Ich muss doch morgens die Rösser anspannen 😀

    Dir auch ein geruhsames und erfülltes Fest,
    Silvia

      1. Solange sie nicht zur Schimmelreiterin wird, hat sie doch ein sehr schönes Tagwerk. Außerdem fehlt ihr gerade mal ein „n“ zu einer anderen schönen Bezeichnung. 😉

  3. Ich kann dich verstehen. Und ich denke, dein Unwohlsein ist ein Zeichen feiner Sinne. Halte sie scharf, auch wenn das anstrengend ist.

    „Darkness cannot drive out darkness. Only light can do that. Hate cannot drive out hate. Only love can do that.“ Martin Luther King

    1. An Herrn King oder an Gandhi musste ich eben auch denken, die ganz bewusst auf gewaltfreie Demonstrationen geachtet haben und damit so einigen erreicht. Als anstrengend empfinde ich es gar nicht, nunja, in dem Moment natürlich schon. 🙂
      Vielen Dank

  4. Ich kann dich gut verstehen. Ich fühle mich in so einer aufgeheizten Stimmung zwischen Parolen auch nicht wohl. Das Problem mit Parolen ist immer, viele Menschen plappern nach was sich jemand ausgedacht hat, ohne wirklich zu begreifen was sie da tun. Beispiel die Kinder, egal auf welcher Seite. Die werden damit groß, dass Parolen rufen, richtig ist. Doch was wenn sie später an jemand kommen, der menschenfeindliche Parolen ruft? Rufen sie dann mit? Ich fühle mich in so einer Umgebung einfach nicht wohl, deshalb vermeide ich Demo´s. Denn meine ganz persönliche Meinung, werde ich dort sowieso nicht finden, selbt unter Menschen die ähnlich denken….

    1. Ich hatte mitbekommen, dass am Montag zuvor die Demo wohl sehr friedlich und mit Gesang begangen wurde. Eben genau so wünsche ich es mir. Dann trifft es auch meine Meinung, denn es ist ein klares Zeichen, dass man für Frieden und Toleranz steht. 🙂 es war allerdings auch ein Fehler von mir, denn auch am letzten Montag gab es zuvor einen friedlichen Zug durch die Stadt, die einen ruhigen Abschluss fand. Die Pegida-Demo und die Gegendemo kam danach dran und darauf werde ich wohl heute verzichten, auf einen besinnlichen Zug, der ein ruhiges Zeichen setzt, hingegen nicht. 🙂

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