Freiheit

Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Mal. Wie mir das Herz so stark schlug und sich mein Kopf anfühlte, als würde er gleich explodieren. Eine Angst stieg in mir auf. Sie war mein Feind, dessen war ich mir bewusst. „Denke einfach an nichts!“, hatte man mir geraten und ich wusste nicht, wie das möglich sein sollte. Texte sollte ich lesen und auswendig lernen, bis ich sie herunterbeten konnte. Sie hatten keinen tieferen Sinn, wenngleich ich immer danach suchte, wenn ich sie sprach und genau das war ihr Geschenk an mich. Mein Kopf suchte nach Sinn im Sinnlosen und meine Angst war vergessen. Der Körper zitterte noch leicht, aber wohl eher vom schneidenden Wind, der gleich zu meinem besten Freund werden würde. So war es beim ersten Mal und auch danach immer wieder, jedoch nicht mehr mit dieser schier unüberwindlich scheinenden Angst. Ich sprang von der Klippe und lernte in Freiheit zu fliegen.

Mal wieder einen Trend verpasst…

Eigentlich wollte ich nichts zu den 15.000 Leuten schreiben, die sich in Dresden gefunden haben und sich für was besseres halten. Ich kenne meine Leser und halte sie für aufgeklärt genug, dass ich ihnen unterstelle meine Sichtweise zu teilen. Aber irgendwie ist mir jetzt doch danach.

Kommen wir zu dem Trend, nämlich der Islamisierung. Diesen Trend muss ich nämlich total verpasst haben. Ich suche in unserer weltoffenen Stadt nach Anzeichen von Islamisierung und finde allein eine Amerikanisierung, die vollkommen akzeptiert und toleriert wird. Nun denn, es mag der Preis der Freiheit sein. Ich suchte weiter und dann fand ich sie doch noch. Mir halfen andere Blogger, aber zuerst natürlich zum eigenen Geschichtswissen:

Wir Kinder Roms mussten mit arabischen Zahlen auskommen und die verfluchte Null hinnehmen. Wo war nur damals im Mittelalter die gute Pegida, die uns davor beschützt hätte? Wir hatten stattdessen wenige Schriftgelehrte und wenn ein armer Bauer mal einen Zettel mit diesen merkwürdigen Schriftzeichen fand, dann gab es für ihn bessere Nutzungsmöglichkeiten für das gute Papyrus, als das Wissen der Antike aufzubewahren. Leider kamen arabische Gelehrte über Spanien zu uns nach Europa und gaben uns einen großen Teil dessen zurück, worauf wir uns heute berufen, wenn wir von einer europäischen Geschichte sprechen. Hätte man uns nicht davor schützen können? Gäbe es dann eigentlich „patriotische Europäer“? Vielleicht haben die Leute aber auch Angst vor den ganzen Dönerläden. Die einzigen Orte, wo man des Nachts noch schnell ein Bier kaufen kann. Ach ne, das tun die ja ganz sicher nicht, weil die ja keinen Alkohol erlauben…oh wie, die tun das doch??? Nunja, aber gegen diese von vielen Ernährungswissenschaftlern einzig gesunde Fastfoodart sollte man sich auch stellen. Wir haben doch unseren ureuropäischen BigMac aus der Plastiktüte. Was bedeutet eigentlich Islamisierung, etwa dass wir hier eine neue Staatsreligion einführen? Sehe ich nicht. Etwa, dass wir von unseren christlichen Werten abrücken? Das darf jeder für sich tun und bei allem Respekt: Wo sind die christlichen Werte denn hin, wenn man Menschen, die in unser Land kommen, zeigt, dass sie nicht willkommen sind. Bat Jesus nicht darum auch die andere Wange hinzuhalten? Ich wurde nicht einmal auf die eine geschlagen und bin dennoch bereit, meine zweite hinzuhalten. So wie es wahrhaft große Menschen taten. Man mag mich Gutmensch nennen oder es Kuschelkurs schimpfen, das stört mich nicht im geringsten. Lieber Kuschel- als Konfrontationskurs. Außer gegenüber Intoleranz und die sehe ich momentan nur aus einem Lager und halte es mit Sir Karl Popper:

Im Namen der Toleranz sollten wir… das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren.

Der Grund, warum mich das so aufregt ist das Verständnis eines Thomas de Maizière. Ich sehe keinen Demonstranten, der wirklich Ängste zum Ausdruck bringt. Also wirklich ernsthafte Ängste. Ich habe nur eine einzige Frage an die Demonstrierenden: Was genau glaubt ihr, ist Islamisierung und wo genau findet diese statt? Ich sehe es nicht. Ich erinnere mich nur daran, dass es vor nicht einmal hundert Jahren schon Akademiker und Leute aus der Mittelschicht gab, die sich in einer Masse fanden und für eine Partei und ein System waren, das viel eher zum Untergang des Abendlandes beigetragen hat, als es irgendeine Religion könnte. Ich habe für die damalige Bewegung kein Verständnis und ich habe es für die aktuelle erst recht nicht. Vielleicht sollten wir demnächst eine gelbe Sichel an alle Muslime in Deutschland ausgeben, die sie sich an die Jacke stecken…ich habe für mich vor ein paar Jahren bemerkt, dass ich zwei Arabern gegenüber meine an dem Tag vollkommen positive und offene Einstellung gegenüber verändert habe. Wo kam diese abweisende Haltung eigentlich her und wie soll sich hier jemand wohl fühlen und integrieren, wenn man sich vor ihm verschließt? Seither achte ich sehr genau darauf, wann mir welche Vorurteile begegnen und ich stelle mich ihnen entgegen, denn ich möchte niemals wieder einer Person unfreundlich begegnen, nur weil sie ein besonderes Aussehen hat oder einer speziellen Religion angehört. Ich will kein Nazi sein.

Morgenröte

Eigentlich wollten wir uns ja extra den Wecker stellen, aber wer mag schon am Wochenende das nervige Summen hören und wussten wir denn, was der frühe Morgen für uns bereithalten würde? Es hätte ja auch regnen können, wobei das durchaus schön gewesen wäre. Oder einfach nur grau und neblig, das war nun wirklich nichts, wofür man sich wecken lassen stellen sollte. Du hattest vermutlich die gleichen Gedanken und so war es unsere stille Übereinkunft, auf den Wecker zu verzichten.

Stattdessen war es mein Durst, der mich in der letzten Dunkelheit der Nacht aus dem Bett quälte. Du ließest dich nicht davon wecken. Als ich zurückkam, erschien mir das Zimmer heller. Ein Stupser an den Arm entlockt dir nur ein schlaftrunkenes Mhm. Ein nachfolgender Kuss auf deine Stirn und auf deine linke Schulter ließen dich zumindest zu einem „noch nicht“ verführen. Ich piekste dich in die Seite und flüsterte dir ins Ohr, dass wir ein Morgenrot bewundern könnten. Du blinzeltest leicht und sahst mich an. Wir blickten nicht hinaus, sondern sahen das Rot auf unserer Haut strahlen. Einen Augenblick wollten wir doch mitnehmen und stillschweigend einigten wir uns, dass unser Morgen noch nicht angebrochen war.

Räuber Baumbrech (Für Kinder und jene, die es immer wieder gerne sein möchten)

In einem dunklen Wald lebte einst der Räuber Baumbrech. Er war eigentlich gar kein Räuber, aber immer wenn jemand durch den Wald ritt und Baumbrech begegnete, erschrak diese Person von Baumbrechs ungeheurer Größe und seinem langen, schwarzem Bart. Die Leute schmissen dann all ihr Hab und Gut auf den Boden und ritten davon. Dabei konnte Baumbrech mit all den Kostbarkeiten und all dem Geschmeide gar nichts anfangen. Seine Hütte blieb kalt und sein Magen knurrte weiterhin.

Eines Tages kam der Händler Karl auf seiner Kutsche durch den Wald. Er hatte all sein Geld für das Wachstumselixier auf seinem Wagen ausgegeben und als er Baumbrech erblickte, der ihn nur freundlich begrüßen wollte, da hatte Karlchen nichts, das er dem Räuber hätte entgegenwerfen können. Also sprang er von seiner Kutsche und lief in den Wald hinein. Baumbrech wusste, dass es in der Richtung einen Abgrund gab und so rief er mit seiner tiefen und brummigen Stimme: „Vorsicht. Bleib doch stehen!“ Doch Karl blickte nur ängstlich hinter sich und stolperte im nächsten Moment den Abgrund hinunter.

Baumbrech eilte ihm hinterher und fand den verletzten Karl am Boden liegend. Der Räuber nahm Karl, der nicht einmal halb so groß wie Baumbrech war, auf die Schulter und schaffte ihn und seine Kutsche zur Hütte. Baumbrech legte den Händler aufs Bett, verband dessen Wunden und gab ihm aus einem Fläschchen von Karls Kutsche etwas Medizin. Baumbrech konnte nämlich nicht lesen und wusste daher nicht, dass auf den Flaschen „Wachstumselixier“ stand.

Am nächsten Morgen erwachte Karl und fühlte sich wieder rund um wohl. Er erschrak abermals vor Baumbrech, besann sich aber eines besseren. Baumbrech begrüßte ihn: „Du sahst wirklich schlimm aus gestern“, und ergänzte: „Aber deine Medizin ist anscheinend Zauberzeugs, denn du bist vollkommen geheilt.“ „Meine Medizin?“, fragte Karl ungläubig. „Ja, das was in den Flaschen in deiner Kutsche steht“, erwiderte der Räuber. Der Händler begann zu strahlen: „Dann ist das Zeug ja doch zu etwas nütze. Ich kaufte es, weil ich wachsen wollte. Und weil ich andere und ihre Haare wachsen lassen wollte. Aber es funktionierte nicht und alle lachten mich nur aus, weil ich so ein kleiner Mensch bin.“ „Ich wär gern so klein, dann würden nicht immer alle weglaufen, wenn sie mich sehen und ich hätte endlich einen Freund“, sagte Baumbrech traurig. „Lass uns doch einfach Freunde sein“, schlug Karl vor und Baumbrech platzte fast vor Freude und umarmte seinen neuen Freund ganz fest.

Karl entsann eine List: Beide fuhren mit der Kutsche in die Stadt und Baumbrech blieb versteckt in ihr sitzen. Dann erzählte Karl auf dem Markt, dass er heute ein neues Wachstumselixier bekommen hätte. Er nahm einen Schluck aus dem Fläschchen und ging dann in die Kutsche, um eine Kiste zu holen. Tatsächlich versteckte er sich im Boden der Kutsche und Baumbrech trat heraus. Er tat so, als sei er der kleine Karl und alle anderen seien plötzlich geschrumpft.

So verkauften sie einige Flaschen, doch der Schwindel flog schnell auf, weil niemand wuchs und keine Glatze mit Haaren bedeckt wurde. Die Meute wollte gerade auf Baumbrech losgehen, da schrie plötzlich einer von ihnen: „Halt“. Es war ein kleiner, alter Mann, den man schon seit Jahren nicht mehr hatte sprechen hören. Ein anderer schrie glücklich: „Ich kann wieder hören.“ Und ein dritter gluckste: „Und ich kann wieder sehen.“

So lernten alle die Zaubermedizin kennen. Man vergab Baumbrech und Karl ihre Lüge und erfreute sich der besten Gesundheit. Die zwei Freunde wurden von da an weder ausgelacht, noch lief man vor ihnen davon. Stattdessen wurden sie mit höchstem Respekt und Freundschaft empfangen.